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Die Aktion "Flüchtlinge fressen" ist von Beginn an höchst umstritten.
Showdown einer Kunstaktion
"Flüchtlinge Fressen" / Sonderflug abgesagt
Ein Air-Berlin-Flieger sollte 100 Asylsuchende nach Berlin zu ihren Familien bringen. Das hatte das für seine umstrittenen Aktionen bekannte Zentrum für politische Schönheit so geplant - und damit gedroht, dass sich sonst einige Flüchtlinge freiwillig öffentlich von vier Tigern vor dem Maxim-Gorki-Theater "zerfleischen" lassen würden. Air Berlin cancelte den Flug - das Zentrum hielt an seiner Kunstaktion fest.
Auf seiner Facebookseite postete das Zentrum für politische Schönheit, man werde rechtlich gegen die Flugabsage vorgehen. "Wir haben mit Air Berlin bereits vor Monaten einen rechtsgültigen Vertrag abgeschlossen." Offiziell sollte das Flugzeug für den "Transport von Statisten eines Theaterstücks" eingesetzt werden, dürfe aber nun nicht abheben. Auch die 100 Flüchtlinge würden Klage einreichen, "gegen die Bundesregierung, um im Wege des Eilverfahrens eine Einreiseerlaubnis nach Deutschland zu erhalten".

Hintergrund ...

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"Europa zum Fraß vorwerfen"
Kommt jetzt das Aus für die Berliner Kunstaktion "Flüchtlinge Fressen" vor dem Maxim-Gorki-Theater? Der Bezirk Mitte will das Projekt mit dem Tiger-Gehege vor dem Theater stoppen.
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Air Berlin begründete die Kündigung des Sonderflugs aus der Türkei damit, dass erst nach Vertragsabschluss mit dem Verein "Kunstwerk Menschheit" wesentliche Aspekte der Beförderung bekanntgeworden seien. Für einen großen Teil der Passagiere liege keine Einreiseberechtigung vor. Darüber habe der Verein die Fluggesellschaft im Unklaren gelassen. "Damit ist das Vertrauensverhältnis zum Vertragspartner nachhaltig erschüttert", erklärte das Unternehmen.

Bezirk Mitte wollte Projekt bereits stoppen
© dpa Werden vier lebende Tiger tatsächlich Flüchtlinge fressen?
Werden vier lebende Tiger tatsächlich Flüchtlinge fressen?
Die Aktion "Flüchtlinge fressen" war von Beginn an höchst umstritten. Das Zentrum für Politische Schönheit wollte damit erreichen, dass Flüchtlinge auf dem sicheren Luftweg nach Deutschland kommen dürfen, statt auf den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer angewiesen zu sein. Vor dem Maxim-Gorki-Theater hatte das Zentrum eine Arena mit vier lebenden libyschen Tigern aufgebaut. Der Bezirk Mitte wollte das Projekt bereits stoppen, argumentierte, die Aktion sei als Informationsveranstaltung zum Grundgesetz angemeldet gewesen - es handele sich aber um eine beabsichtigte politische Provokation.

Das Zentrum ließ sich davon nicht beirren, konterte auf Facebook: "Wir machen gerade die versprochene Informationsveranstaltung und bauen gar nichts ab. Seit wann können Informationen nicht mehr provozieren?" Auch die Bühne stellte sich demonstrativ hinter die Kunstaktion der Gruppe. Am 28. Juni ab 18.45 Uhr wollten sich - wie angekündigt - einige Flüchtlinge freiwillig fressen lassen. Der Andrang war groß. "Tausende bei Flüchtlinge Fressen!" twitterte das Zentrum für politische Schönheit. PR-technsich also ein voller Erfolg. Doch wird die verstörende Kunstaktion etwas in der Gesellschaft bewirken? Instrumentalisiert das Zentrum Flüchtlinge, um mehr Aufmerksamkeit für sich zu bekommen? Das fragen wir die Theaterkritikerin Mounia Meiborg.

Kulturzeit-Gespräch mit ...
© ZDFVideoMounia Meiborg, Journalistin
(28.06.2016)
Schwerpunkt
Flüchtlingskrise
Kulturzeit-Schwerpunkt zur Debatte
Info
Tierschutz
Auf den Tierschutz werde geachtet, heißt es. Die Tiger kämen aus privatem Besitz aus dem Saarland und hätten im Gehege mehr Platz als die Flüchtlinge, die im Tempelhofer Flughafen untergebracht sind. Einwände aus Sicht des Tierarztes, der die Aktion kontrollierte, gebe es nicht.
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