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Pressefreiheit ist noch nicht einmal dort selbstverständlich gegeben, wo sie gesetzlich verankert und Teil einer freiheitlich-demokratischen Kultur ist.
Pressefreiheit ist noch nicht einmal dort selbstverständlich gegeben, wo sie gesetzlich verankert und Teil einer freiheitlich-demokratischen Kultur ist.
Pressefreiheit in Gefahr
Internationaler Blick auf die Freiheit der Medien
Die Unabhängigkeit der Medien ist weltweit bedroht - nicht nur in Diktaturen, sondern auch mitten in Europa. Unser Kulturzeit-Schwerpunkt zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai.
Aktuelle Nachrichten über den Stand der Pressefreiheit sind weltweit fast immer schlechte Nachrichten. Pressefreiheit ist noch nicht einmal dort selbstverständlich gegeben, wo sie gesetzlich verankert und Teil einer freiheitlich-demokratischen Kultur ist. Sie ist eine sensible Konstruktion, die bewusst und aktiv gelebt werden muss. Im Zusammenwirken von demokratischen, freiheitlichen Institutionen, von Medien, journalistischem Ethos und einer interessierten Öffentlichkeit, die zu schätzen weiß, welches Privileg die Pressefreiheit darstellt.

Nicht nur brutale Maßnahmen autoritärer Regime gefährden sie, sondern auch die geschäftlichen Interessen von Medienkonzernen und das vielerorts schwindende Bewusstsein in der Öffentlichkeit für den Wert journalistischer Arbeit und für die Teilhabe jedes Einzelnen am gesellschaftlichen und politischen Leben. Barbara Trionfi, Direktorin des International Press Institute in Wien, bringt das 2016 im "Kulturzeit"-Interview auf den Punkt: Viele genießen die Vorzüge der umfassenden Freiheit, die mit der speziellen Form der Pressefreiheit einhergeht, aber nur wenige sind sich dessen bewusst.

Barbara Trionfi im Interview ...

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Barbara Trionfi, Direktorin des International Press Institute in Österreich, sagt: "Pressefreiheit existiert nur in einem System, in dem der Journalismus sehr genau weiß, was seine Aufgabe in der Gesellschaft ist."
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Pressefreiheit (1/3):<br />Türkei / Polen © ZDF
Pressefreiheit (1/3):
Türkei / Polen
Pressefreiheit (2/3):<br />Mexiko / Syrien © dpa
Pressefreiheit (2/3):
Mexiko / Syrien

<b>GROSSBRITANNIEN<br />Gavin MACFADYEN</b>,<br /> Direktor Centre for Investigative Journalism © ZDF
GROSSBRITANNIEN
Gavin MACFADYEN
,
Direktor Centre for Investigative Journalism
<b>FRANKREICH<br />Edwy PLENEL</b>,<br />Chefredakteur "Mediapart" © ZDF (3)
FRANKREICH
Edwy PLENEL
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Chefredakteur "Mediapart"
<b>INDIEN<br />Palagummi SAINATH</b>,<br />Journalist © ZDF
INDIEN
Palagummi SAINATH
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Journalist

 

Pressefreiheit gerät auch da in eine schwierige Situation, wo sich Medien im Besitz von Konzernen finden, deren wirtschaftliche Interessen ganz woanders liegen, oder wo Medienhäuser sich vor allem als Unternehmen mit Profitorientierung verstehen. Sie ist bedroht, wo die Nähe von politisch Mächtigen und Medienunternehmern oder einflussreichen Journalisten zu groß ist und die Unabhängigkeit gefährdet.

Sie wird untergraben, wenn im Rahmen von Anti-Terror-Maßnahmen der Regierungen in demokratischen Staaten die Freiheit journalistischen Arbeitens durch ausgeweitete Überwachung im Internet oder durch Datenspeicherung betroffen ist, wenn der Schutz von Informanten und die Vertraulichkeit zwischen Journalisten und ihren Quellen nicht mehr sichergestellt ist. Demokratische Verfahrensweisen allein stellen keine Garantie für Pressefreiheit dar.

Internationale Journalisten im Interview ...

<b>TÜRKEI<br />Baris Ince</b>,<br /> Chefredakteur "BirGün"
TÜRKEI
Baris Ince
,
Chefredakteur "BirGün"
<b>MEXIKO<br />Anabel Hernandez</b>,<br />  Investigativ-Journalistin
MEXIKO
Anabel Hernandez
,
Investigativ-Journalistin
<b>SYRIEN<br />Abdalaziz Alhamza</b>,<br />  "Raqqa is being slaughtered silently"
SYRIEN
Abdalaziz Alhamza
,
"Raqqa is being slaughtered silently"

<b>NIEDERLANDE<br />Rob Wijnberg</b>,<br /> Chefredakteur "De Correspondent"
NIEDERLANDE
Rob Wijnberg
,
Chefredakteur "De Correspondent"
<b>DEUTSCHLAND<br />John Goetz</b>,<br /> NDR-Journalist
DEUTSCHLAND
John Goetz
,
NDR-Journalist
<b>USA<br />Seymour Hersh</b>,<br /> Pulitzer-Preisträger
USA
Seymour Hersh
,
Pulitzer-Preisträger

<b>SIMBABWE<br />Itai Mushekwe</b>,<br />  Journalist
SIMBABWE
Itai Mushekwe
,
Journalist
<b>POLEN<br /> Karolina Lewicka</b>,<br /> TOK FM
POLEN
Karolina Lewicka
,
TOK FM
<b>SÜDAFRIKA<br />Ray Mwareya</b>,<br /> freier Journalist
SÜDAFRIKA
Ray Mwareya
,
freier Journalist

<b>DEUTSCHLAND<br />Matthias Spielkamp</b>,<br />"Reporter ohne Grenzen"
DEUTSCHLAND
Matthias Spielkamp
,
"Reporter ohne Grenzen"
<b>DEUTSCHLAND<br />Markus Beckedahl</b>,<br />  netzpolitik.org
DEUTSCHLAND
Markus Beckedahl
,
netzpolitik.org
<b>DEUTSCHLAND<br />Heribert Prantl</b>,<br /> Journalist "Süddeutsche Zeitung"
DEUTSCHLAND
Heribert Prantl
,
Journalist "Süddeutsche Zeitung"

 

Pressefreiheit ist eine Sonderform der Meinungsfreiheit, sie ist untrennbar mit wirtschaftlichen Fragen verbunden, sie wird anders als die Meinungsfreiheit aber im Idealfall auch durch besondere Rechte in Sachen Recherche-Möglichkeiten unterstützt. Davon profitieren vor allem traditionelle Medien - Blogger etwa genießen solche Vorrechte für ihre Arbeit (noch) nicht.

Aufklärung durch journalistische Arbeit
© ZDF Pressefreiheit und wirtschaftliche Fragen sind untrennbar.
Pressefreiheit und wirtschaftliche Fragen sind untrennbar.
Die Veröffentlichung der "Panama Papers" durch einen weltweit arbeitenden Zusammenschluss von Journalisten ist ein Beispiel dafür, welchen Wert und welche Wirkung solche journalistische Arbeit für Aufklärung und gesellschaftspolitische Kultur haben kann. Solche Leistungen aber sind von vielen Faktoren abhängig: von der Absicherung des Rechtes auf Auskunft durch Unternehmen oder Institutionen, vom Informantenschutz, nicht zuletzt von der Finanzierbarkeit solcher Recherchen, die wiederum davon abhängt, ob die Öffentlichkeit an solchen Informationen überhaupt interessiert ist, ob sie das wissen und dafür auch bezahlen will.

Zeitungssterben, Internetunternehmen und soziale Medien haben in den vergangenen Jahren die Selbstverständlichkeit der Existenz der klassischen Medien infrage gestellt. Sie haben bislang aber nur wenige neue Foren geschaffen, wo journalistische Arbeit in dieser Form betrieben und finanziert werden kann - im Sinne von Nachhaltigkeit genauso wie im Sinne von Lebensunterhalt für den einzelnen Journalisten.

Pressefreiheit gibt es nicht umsonst, nicht für die, die sich dem Journalismus verschreiben, nicht für die, die von gutem Journalismus profitieren möchten. Es geht nicht um Gewinnerwartungen und Profitdenken, wenn in diesem Zusammenhang die "Kostenlos-Mentalität" der Internet-Nutzer als Problem hervorgehoben wird. Wenn die Zukunft des Journalismus im Internet liegt - wie oft erklärt wird - dann muss sie dort auch durch jeden Einzelnen abgesichert werden. Das ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, im demokratischen Sinne eine Notwendigkeit, ein Privileg, das man sich leisten sollte.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
live um 19.20 Uhr
Zitat
"Eine freie Presse kann gut oder schlecht sein, aber eine Presse ohne Freiheit kann nur schlecht sein."

(Albert Camus)
Reporter ohne Grenzen
Rangliste der Pressefreiheit 2017
Mediathek
© ZDFVideoStimmen aus der Türkei
(27.04.2016)