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© dpa Lupe
Vom Sparzwang bedroht: graue Wolken über dem idyllisch gelegenen Museum Morsbroich im einem Schloss in Leverkusen.
Bedrohte Art
Streit um geplantes Aus für Museum Morsbroich
Der Vorschlag der Wirtschaftsprüfer von KPMG, das renommierte Museum Morsbroich zu schließen, um den Haushalt der Stadt Leverkusen zu sanieren, stößt nicht nur bei Museumsmachern auf harsche Kritik. Auch Gerhard Richter, einer von Deutschlands zurzeit international bedeutendsten Künstlern, zeigt sich besorgt.
Richter äußert sich selbst nicht oft in der Öffentlichkeit. Der Vorschlag, das Museum Morsbroich aus Kostengründen zu schließen, hat ihn dann aber doch zu einem offenen Brief an den Oberbürgermeister bewogen. Ein solches Vorhaben sei "erschreckend", schreibt Richter an Uwe Richrath. Das 1951 eröffnete Museum mit seiner zeitgenössischen Kunst sei "eine hoch angesehene Institution" und leiste "vorbildliche Arbeit weit über die Grenzen des Landes hinaus". "Eine öffentliche Sammlung ist keine Geldanlage, die je nach Kassenlage geplündert werden kann", so Richter weiter. "Sie ist ein Stück Kunstgeschichte und repräsentiert das Gedächtnis ihrer Träger."

"Erbe und Gedächtnis"
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Gerhard Richter ist dem Museum sehr zugetan. 2009 zeigte er dort rund 500 seiner "Übermalten Bilder". Auch hängen in dem Museum zwei wichtige Gemälde und zahlreiche Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken Richters. Diese und andere Werke "wurden von mir oder von anderen dem Museum überlassen, weil wir davon ausgegangen sind, dass auch in Leverkusen Museumsbesitz als Erbe und Gedächtnis einer Kommune geschützt ist", schreibt Richter.

Auch 20 Museumsdirektoren aus Nordrhein-Westfalen hatten bereits zuvor ebenfalls in einem offenen Brief, jedoch an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), ihrem Unmut über den Schließungsvorschlag Luft gemacht: "Diesen kulturellen Kosmos zu zerstören, käme einem Kahlschlag gleich, der verheerende Wirkungen [...] für die Museen im ganzen Land hätte", schreiben sie.

Der Direktor des Museums Morsbroich, Markus Heinzelmann, ist Kummer gewöhnt. Bereits 2015 hatte er im Kulturausschuss der Stadt das Für und Wider eines Ausverkaufs von Sammlungsbeständen erörtern müssen. Den Anstoß hatte seinerzeit Gerhard Richters wertvolles "Tiger"-Gemälde geliefert, das wegen seiner hohen Versicherungskosten als Leihgabe in der Vorstandsetage einer Sparkasse hing. Man forderte den Verkauf des Werks, wenn es nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würde. Dann gerieten die Besucherzahlen und die Einnahmen des Museums ins Visier der Wirtschaftsprüfer. Heraus kam: Lediglich 18 zahlende Besucher hatte das Museum im ersten Halbjahr 2015 pro Tag. Schüler- und Bildungsgruppen fielen heraus. Die Besucherzahlen von 2010 bis 2015 schwankten zwischen jährlich 10.000 und 14.000.

Mueseumsbesucher wirken "in die Gesellschaft"
© dpa Lupe
Das Schloss ist eines von Leverkusens Aushängeschildern.
"Besucherzahlen sind nicht immer der beste Indikator dafür, wie lebendig ein Museum und wie wichtig es für eine Kommune ist", sagt Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes in der "Frankfurter Neue Presse". "15.000 qualitativ gut betreute Menschen, die etwas mitnehmen für sich und damit in die Gesellschaft hineinwirken, können wichtiger sein als 300.000, die die 100. Macke-Schau sehen", so Köhne, der auch Direktor des Landesmuseums Karlsruhe ist. Das Argument dürfte die kühl kalkulierenden Wirtschaftsprüfer jedoch wenig beeindrucken. Birgt das Museum Morsbroich doch ein jährliches Einsparpotenzial von 778.450 Euro für die laufenden Personal- und Betriebskosten. Das wäre der größte Batzen im 1,3-Millionen-Euro-Sparpaket für Leverkusen.

Doch das Rokkoko-Schloss, idyllisch gelegen in einem Park im Stadtteil Alkenrath, ist ein Aushängeschild der Stadt. Das Museum wurde 2009 vom Internationalen Kunstkritikerverband AICA zum "Museum des Jahres" gewählt. Morsbroich biete ein "bemerkenswert hohe(s) Niveau der Ausstellungstätigkeit in Leverkusen" sowie den vorbildlichen Brückenschlag "zwischen der eigenen Sammlung und dem Ausstellungsprogramm", mit dem "das Publikum sorgsam an die jeweils aktuellsten Kunstströmungen" herangeführt werde. Die Ausstellungen zeitgenössischer Kunst dort landen seit einiger Zeit stets unter den besten des Jahres. Doch Kunst ist für Wirtschaftsprüfer nur wertvoll, wenn sie zu Höchstpreisen verkäuflich ist und als Geldanlage taugt. Wenn jedoch ein Museum in einer verschuldeten Stadt wenig Einnahmen hat, dann wird an dieser Stelle schnell der Rotstift angesetzt.

Schwerpunkt
Die Kasse klingelt
Schwerpunkt zur Warhol-Versteigerung
Link
Stadt Leverkusen
Gutachten KPMG zur KulturStadtLev PDF-Datei (1,02 MB)
Info
Museum Morsbroich
Das Museum ist über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus renommiert. Künstler wie Andy Warhol, Robert Motherwell oder Gerhard Richter haben hier Ausstellungen gehabt.
Kunst
Abstraktion des Grauens
Gerhard Richters "Birkenau" in Baden-Baden