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© dpa Lupe
Enthüller seien keine Verräter, sondern Patrioten mit Idealen, die dafür einen hohen Preis zahlten, sagt Daniel Ellsberg.
"Urvater der Whistleblower"
Daniel Ellsberg mit Friedenspreis geehrt
1971 veröffentlichte Daniel Ellsberg, der "Urvater der Whistleblower", in der "New York Times" geheime Pentagon-Papiere, die die Täuschung der US-Regierung über den Vietnam-Krieg enthüllten. Nun wurde er in der Semperoper für seinen Einsatz mit dem Dresdner Friedenspreis geehrt.
"Warten Sie nicht, bis Bomben fallen", mahnte Ellsberg in Dresden. "Gehen Sie hinaus und sagen Sie die Wahrheit. Es geht um viel." Und Ellsberg weiß, wovon er spricht: Seine Enthüllungen der "Pentagon-Papiere" waren damals eine Sensation, ein Skandal, der noch lange nachwirken sollte. Die US-Regierung versuchte mit allen Mitteln, die weitere Berichterstattung zu blockieren. Doch am Ende siegte das Recht auf Informationsfreiheit: Der Oberste Gerichtshof erlaubte in einem Grundsatzurteil die Veröffentlichung.

Die Wahrheit lag im Safe
In den 1950er Jahren war der studierte Wirtschaftswissenschaftler Ellsberg Analyst in der kalifornischen Denkfabrik Rand Corporation. Ab 1964 arbeitete er im Pentagon, später ging er für zwei Jahre als Botschaftsbeamter nach Vietnam. Die Erfahrungen dort prägten ihn. Er erkannte, dass der Krieg für die USA nicht zu gewinnen war - und begann darüber nachzudenken, wie das Grauen gestoppt werden könnte. Er entwarf Ausstiegsszenarien, hatte Kontakt zu Friedensaktivisten. Und dann kam ihm die Idee: Die Öffentlichkeit sollte die Wahrheit erfahren über den Krieg und über die wirklichen Motive - und die Wahrheit lag in einem Bürosafe. Ellsberg verschaffte sich Zugang, kopierte tagelang. Das Ergebnis gab er an die Presse.

Er inspiriere mit seinem Mut andere, so der Tenor der Jury. Und Edward Snwoden gab dem recht: Ohne ihn, so der Whistleblower Snowden bei der Preisverleihung in Dresden, "hätte es keinen Edward Snowden gegeben". Ellsberg wiederum, dem seinerzeit 115 Jahre Haft drohten, setzt sich für seine Nachfolger ein: Er unterstützt das Projekt "Courage", das rechtlichen Beistand für Menschen organisiert, die sensible Informationen öffentlich machen - wie derzeit Edward Snowden oder Julian Assange, den er schon mehrfach in seinem Exil in London besucht hat.

Schwerpunkt
NSA, Überwachung, Snowden
Kulturzeit berichtet
ARD-Mediathek
"Daniel Ellsberg - Urvater der modernen Whistleblower"
"ttt"-Beitrag (22.02.2016)