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©  Pinacothèque de Paris Lupe
Die Pinacothèque de Paris liegt in einem beliebten Nobel-Einkaufsviertel von Paris.
Aus für Kunsthaus
Die "Pinacothèque de Paris" muss schließen
Das private Kunsthaus "Pinacothèque de Paris" war seit seiner Gründung 2003 vom Erfolg verwöhnt - bis der Terror vom 13. November 2015 mit einem Schlag die Besucherzahlen um 80 Prozent reduzierte. Jetzt muss das Museum von Kunsthistoriker Marc Restellini mitten in der laufenden Lagerfeld-Ausstellung schließen.
Die Pinacothèque de Paris ist in der Pariser Museumslandschaft ein Unikum. Gegründet von einem Privatmann, von Anfang an ein Pubikumsmagnet, vom Pariser Kunstestablishment argwöhnisch beäugt, von vielen gar verachtet. Gründer Marc Restellini ist Kunsthistoriker und Spross einer Künstlerfamilie. Sein Großvater Isaac Antcher hatte an der École de Paris zur Zeit Picassos und Modiglianis studiert. Der Enkel ist Modigliani-Experte.

Restellini folgte von Anfang an nicht dem in Frankreich üblichen Weg als "Conservateur", der durch Wettbewerbe zu Ausstellungen kommt. Das musste den konservativen Museumskreisen sauer aufstoßen, denn Restellini schaffte es, bereits mit Mitte 20 und 70.000 Euro Sponsorengeldern, eine vielbeachtete Ausstellung in einem Pariser Rathaus zu kuratieren. Diese brachte eine japanische Delegation dazu, ihn ins Tobu-Museum nach Tokio zu holen, wo seine Renoir-Ausstellung 1992 rund 800.000 Besucher anzog.

 

"Alles, was ich will, ist Kunst zu zeigen und Menschen zu helfen, sie zu verstehen. Oft gibt es zu viel Informationen oder zu akademische. Ich möchte sie zugänglich machen."

(Marc Restellini)

 

Sein Riesen-Erfolg in Japan hielt mit Schauen wie der über Modigliani oder Impressionistinnen weiter an, doch dann erhielt er im Jahr 2000 die Chance, im Pariser Louxembourg-Museum zu kuratieren - kehrte zurück und stellte sich der französischen Konkurrenz mit Blockbuster-Schauen und Hunderttausenden Interessierten.

Zwei Millionen Besucher in drei Jahren
© Pinacothèque de Paris Lupe
Marc Restellini musste sich gegen die großen Pariser Museen behaupten.
2003 gründete Restellini die erste Pinacothéque de Paris - wieder auf eigene Faust - ohne öffentliche Förderung. Nach der Eröffnungsschau über Picasso mit 180.000 Besuchern musste Restellini jedoch zunächst aufgeben - zu wenige Besucher? Zu wenig Einnahmen? Es ist nicht ganz klar. Erst 2007 konnte er im Gebäude des Gourmettempels Fauchon am attraktiven Place Madeleine wiedereröffnen. Auf 2000 Quadratmetern mit 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigte er im Anschluss jedoch hochkarätige Schauen verschiedenster Epochen und Themen: 310.000 Kunstfreunde sahen zum Beispiel "Chaïm Soutine", 700.000 "L'Age d'or hollandais, de Rembrandt à Vermeer". In den ersten drei Jahren kamen mehr als zwei Millionen Besucher.

Doch die Pariser Musemskollegen waren anscheinend not amused über die neue, erfolgreiche Konkurrenz. Restellini berichtete im britischen "Independent", dass sie ihn geradezu torpedierten: "Sie versuchten, mich zu zerstören", so der Museumsdirektor im Interview 2010. "Als wir die Munch-Ausstellung vorbereiteten, muss jemand Hochrangiges beim Munch-Museum in Norwegen angerufen und gesagt haben: 'Arbeitet nicht mit diesem Mann!' Woher ich das weiß? Weil das Museum mich anrief und sagte: 'Was ist denn da los mit euch Franzosen? Warum verhaltet ihr euch so?'" Ähnliches passierte ihm auch mit dem Rijksmuseum in Amsterdam.

"Den Schauen der Pinacothèque werden regelmäßig ein kommerzieller Charakter und ein Mangel an Seriosität vorgeworfen", schrieb die NZZ 2011. So warf zum Beispiel die "Welt" dem Museum vor, es erziele mit "drittklassigen" Ausstellungen "Traumbesucherzahlen". Die NZZ wiederum sah die Pinakothek als "große Bereicherung" der Pariser Museumslandschaft.

Erst zweite Pinacothéque, dann Konkurs
©  Photomontage Gilles GUINAMARD Lupe
Die "Collection" zeigt Dauerleihgaben.
"Alles, was ich will" sagt der Direktor, "ist Kunst zu zeigen und Menschen zu helfen, sie zu verstehen. Oft gibt es zu viel Informationen oder zu akademische. Ich möchte sie zugänglich machen." 2011 konnte Restellini eine zweite Pinacothéque gegenüber seiner ersten eröffnen, in der eine Ausstellung mit 100 Dauerleihgaben von eher unbekannten Sammlern gezeigt wird. "Ich habe Sammler in aller Welt kontaktiert", so Restellini dazu in der NZZ. "Viele leiden darunter, dass ihre Werke in Bank-Tresoren schlafen. Oder dass sie selbst, sobald sie eine Reise tun, täglich zu Hause anrufen müssen, um sich nach dem ihrer Kollektion zu erkundigen. Auch möchten viele ihre Werke gerne ausgestellt sehen. Die Pinacothèque de Paris bietet ihnen diese Möglichkeit und sorgt für den Schutz der Exponate."

Den enormen Publikumserfolg der Anfangsjahre konnte man allerdings nicht halten. Die Pinacothèque de Paris finanziert die Schauen nur durch Eintrittsgelder, die im Vergleich moderat sind. Schon im Sommer 2015 musste das Haus Konkurs anmelden. Dann kamen die Terroranschläge vom 13. November 2015. Seitdem sind die Besucherzahlen um 80 Prozent zurückgegangen.

Ähnliches berichteten auch andere Museen: Das Centre Pompidou und das Grand Palais beispielsweise zählten kurz nach den Attentaten nur halb so viele Besucher wie sonst. Am 16. Februar 2016 gab die Pinacothèque de Paris bekannt: Beide Häuser müssen sofort schließen. Der teure Standort sei nicht zu halten, man suche nach einem neuen in Paris. Gleichwohl sollen in Kürze neue Museen der Marke "Pinacothéque de Paris" entstehen, wie zuletzt in Singapur im Mai 2015, wohin nun Werke der Sammlung gehen sollen.