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© dpa Lupe
Das Holzhaus des "Pudel" am Fischmarkt wirkte in der Hamburger Bestlage immer wie ein Überbleibsel aus der alten Zeit.
Begossener Pudel
Wiedereröffnung des Kult-Clubs dauert
Der "Golden Pudel Club" in Hamburg, der in der Nacht zum 15. Februar 2016 brannte, kann doch nicht so schnell wiederöffnen wie gedacht. "Der komplette Pudel muss entkernt werden", erklärte Mitbegründer Rocko Schamoni in der "Hamburger Morgenpost". "Alles muss raus und neu rein: Strom, Wasser, Musik-Anlage", so Schamoni. "Das wird dann leider doch sehr lange dauern und ist mit äußerstem Aufwand verbunden."
Der "Golden Pudel Club" am Fischmarkt ist einer von Hamburgs angesagtesten Clubs. Oder war es. Denn in der Nacht zum 15. Februar 2016 wurde das 100 Jahre alte Haus nach derzeitigem Ermittlungsstand vorsätzlich angezündet. Das Gebäude stand vor der Zwangsversteigerung. Fans des "Pudel" sind entsetzt. Gegen drei Uhr früh brach in einem Anbau des Pudel-Clubs ein Feuer aus, das auf den Dachstuhl übergriff, doch glücklicherweise wurde niemand verletzt. 150 Gäste konnten das Haus unverletzt verlassen. Ob der "Pudel" wieder eröffnen kann, ist noch ungewiss. Der Dachstuhl ist nach Einschätzung von Experten teilweise einsturzgefährdet.

Der Künstler Rocko Schamoni und der Sänger Schorsch Kamerun hatten den "Pudel Club" Ende der 1980er Jahre in einer "Nachtschwärmerboutique" in St. Pauli gegründet. Als "Golden Pudel Club" zog er Mitte der 1990er Jahre in das Holzhaus am Fischmarkt. 2008 kauften Schamoni und sein alter Freund Wolf Richter das Haus. Schamoni betrieb den Club im Untergerschoss, Riochter das Café "Oberstübchen" im Obergeschoss. Für die Musiker der Hamburger Schule wie Tomte oder Kettcar wurde das Haus ebenso zum zweiten Wohnzimmer wie für viele prominente DJs und Künstler, die dem Kultclub zu deutschlandweiter Bekanntheit verhalfen.

Teilungsversteigerung stand bevor
Lupe
Rocko Schamoni betrieb den Club im Erdgeschoss.
Doch die goldenen Zeiten sind vorbei: Schon seit Jahren liegen die einstigen Freunde im Clinch. Die Ex-Punks Kamerun und Schamoni und das Kollektiv "Park Fiction" wehren sich seit langem gegen die Gentrifizierung, die das begehrte Grundstück in Hamburger Bestlage bedroht. Richter aber wollte Geld sehen, um sein eingesetztes Kapital zurückzubekommen, und ließ 2011 die Schlösser an seinem Café austauschen. Ein Gerichtsstreit gipfelte nun in der geplanten Teilungsversteigerung - die für den 20. April 2016 angesetzt war. Der Verkehrswert des Gebäudes wurde auf 510.000 Euro angesetzt.

Für einen Erhalt des Clubs - und gegen die Teilungsversteigerung - macht sich unter anderem der "Pudel Verein für Gegenkultur e.V." stark. "Der Golden Pudel Klub wehrt sich mit allen Solidarischen gegen einen drohenden Einkauf (per erzwungener Teilungsversteigerung) und wird mit einer endlosen Kampagne 'the freaks are alright' einen der letzten, bitter nötigen 'offenen Orte' auf St. Pauli und anderswo, behaupten", heißt es auf der Homepage des Vereins. Rocko Schamoni ist Mitglied und hat dem Verein symbolisch seinen Anteil am Grundstück übertragen, ist auf der Seite weiter zu lesen. Eine rechtskräftige Überschreibung sei juristisch nicht möglich, da sie ohne Zustimmung beider Eigentümer nicht erfolgen könne. Die Ermittlungen gehen indes weiter. Wer den Brand gelegt haben könnte, sei noch nicht bekannt, so die Ermittler. Die Versicherung kommt für den der Feuer-Schaden auf.

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