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Das Volkstheater hat die Uraufführung des Stücks "Homohalal" verschoben.
"Völliger Blödsinn"
Streit um Premieren-Aus von "Homohalal" in Wien
Das Volkstheater Wien hat die Uraufführung des Stücks "Homohalal" von Ibrahim Amir abgesagt. Ein Flüchtlingsstück, das in die Zukunft blickt. Die Entscheidung ist umstritten, das Haus verteidigt seine Entscheidung.
Für den derzeitigen "stark von Angst und Hass geprägten" Diskurs sei das Stück ungeeignet, zitiert ORF.at die Begründung des Volkstheaters. "Seitdem die große Fluchtbewegung aus Syrien und dem Irak Mitteleuropa unübersehbar erreicht hat, haben sich die Vorzeichen für eine Inszenierung von 'Homohalal' verändert. Der öffentliche Diskurs über Geflüchtete ist zurzeit stark von Angst und Hass geprägt. In dieser Situation ist eine Dystopie - so vielschichtig und komisch sie im Fall von 'Homohalal' sein mag - kein geeignetes Mittel zur Auseinandersetzung über die Zukunft schutzsuchender Menschen in Österreich", heißt es weiter.

Amirs Flüchtlingsstück spielt 20 Jahre nach dem "Refugee Protest Camp" im Wiener Sigmund-Freud-Park und in der Votivkirche im Jahr 2033 und hinterfragt kritisch, inwieweit es den einst Geflüchteten möglich war, in Österreich Fuß zu fassen. Hat jemals eine Annäherung zwischen den privilegierten Unterstützerinnen und den Geflüchteten stattgefunden? Ist man sich überhaupt auf Augenhöhe begegnet?

 

"Was als harmlose Party beginnt, entwickelt sich voll Wiener Witz, entlang von kaum verpassten Fettnäpfchen und emotionalen Tretminen, zu einem Showdown, in dem das Private politischen Zunder birgt und das Politische bis tief ins Privateste einfährt."

(Auszug aus dem Volkstheater-Programm)

 

Kritiker beklagen, Volkstheater-Direktorin Anna Badora habe einen Rückzieher gemacht, sich dem gesellschaftlichem Druck gebeugt. Diese kontert dem Vorwurf "präventiver Selbstzensur" im "Wien heute"-Interview: "Völliger Blödsinn. So ein undifferenziertes Geschrei ist immer einfach." Das Stück zu verändern sei eine Anregung der Schauspielern gewesen. "Wir haben den Text nicht tot gemacht, und auch - wie einige Zuschauer behaupten - den Autor nicht tot gemacht", so Badora weiter. "Wir diskutieren mit dem Autor darüber und suchen nach einer Möglichkeit, diesen Text vielleicht mit den authentischen Leuten oder einem Teil dieser Leute, die damals protestiert haben, umzusetzen."

Das Stück sei nicht abgesetzt, sondern nur verschoben. "Absetzen kann man nur etwas, was fertig auf der Bühne steht", so Badora. Man wolle nun "in voller Verantwortung mit den Schauspielern, mit dem Autor und Regisseur" einen besseren Kontext finden, "um nicht etwas zu tun, was man nicht tun will." Vorerst wird ab dem 22. April 2016 also erst einmal Neil Simons "Brooklyn Memoiren" gegeben. Wir bleiben dran.

ORF.at
Badora: "Geschrei ist immer einfach"
(12.02.2016)
ORF.at
Volkstheater: "Homohalal"-Premiere abgesagt
(08.02.2016)