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Die Bilder des Hieronymus Bosch faszinieren bis heute.
Die Bilder des Hieronymus Bosch faszinieren bis heute.
Zwischen Himmel und Hölle
Die Kunst des Hieronymus Bosch
Die Werke des Hieronymus Bosch sind bevölkert von seltsamen Wesen, von fantastischen Höllenkreaturen - halb Mensch, halb Tier - von paradiesischen Nackten. Vor 500 Jahren starb er in den Niederlanden - am 9. August 1516 läuteten die Trauerglocken der Kathedrale im niederländischen Den Bosch. Das Museo del Prado in Madrid zeigt zurzeit noch die wohl bisher größte Ausstellung mit Werken des Meisters.
Was hätten wohl die Psychoanalytiker Sigmund Freud und C.G. Jung zu diesen Bildwelten gesagt? Hieronymus Bosch wusste den Betrachter zu überraschen, auch mit ungewöhnlichen Bildkompositionen. So sitzen in einem Detail des Triptychons "Garten der Lüste" zahlreiche Nackte um eine überdimensionierte Erdbeere herum. Eine andere Gruppe Nackter steigt hinein in ein riesiges Ei. In einer Uterus-artigen, kreisrunden Blase ist ein nacktes Paar zu sehen, der dunkelhäutige Mann greift der schneeweißen Frau an den Bauch. Traumbilder des Künstlers? Oder ein Vorgriff auf den Surrealismus?

Wer war eigentlich dieser Hieronymus Bosch? Wenig Konkretes ist über den fantasiereichen Künstler überliefert. Geburtsdatum: um 1450. Geburtsort: Den Bosch, so wurde s'Hertogenbosch zur damaligen Zeit genannt. Geburtsname: Hieronymus oder Jeroen van Aken. Wie er zur Kunst kam, welche Ausbildung er erhielt - nichts ist bekannt. Nur soviel: Durch eine vorteilhafte Heirat mit der wohlhabenden Aleid van de Meervenne erhielt Bosch Zugang zu den betuchten Auftraggebern der Stadt. All seine weiteren Familienverhältnisse sind unbekannt, ebenso seine Grabstelle. Wie fromm war dieser Hieronymus Bosch? Wir wissen es nicht.

Für seine Zeit wahnsinnig modern
© dpa "Der Garten der Lüste" hängt immer im Prado in Madrid.
"Der Garten der Lüste" hängt immer im Prado in Madrid.
Was wir aber wissen: Es ist die Zeit zwischen Spätmittelalter und Renaissance, in der Bosch lebt. So erschafft er Bildwelten mit dem ikonografischen Repertoire dieser Zeit - Jüngstes Gericht, Hölle und Paradies - doch mit vollkommen eigenwilligen, so noch nie dagewesenen Interpretationen. Für die damalige Zeit war er wahnsinnig modern. So malte Bosch beispielsweise auf die Rückseite seines Werkes "Aufstieg in den Himmel (Visionen aus dem Jenseits)" eine Marmorimitation, die einem Sternenhimmel gleicht, wie ihn auch Jackson Pollock gemalt haben könnte, meint der Bosch-Forscher Jos Koldeweij im Interview mit der Kunstzeitschrift "art". Bosch müsse dazu die Holztafeln auf den Boden gelegt und mit Farbe bespritzt haben, wie ein Vertreter des Abstrakten Expressionismus, so Koldeweij. Er leitet das internationale Bosch Research and Conservation Project (BRCP), mit dessen Hilfe Boschs Werke anhand neuester Methoden und Techniken anaylsiert, dokumentiert und teilweise restauriert worden sind.

Boschs Höllenwesen, menschenähnliche Kreaturen mit tierischen Schnäbeln, die Schlangen- und Kröten-umwobenen aufgespießten Leiber, wirken heute schlicht rätselhaft, den Betrachter des ausgehenden Spätmittelalters indes dürften sie nachhaltig verängstigt haben. "Es ist Unsinn, hinter jedem Detail etwas zu suchen", sagt Jos Koldeweij in der "art". "An manchen Motiven hat der Maler wohl einfach nur seine Freude gehabt." Wir auch.

Mediathek
© avantVideo"Hieronymus Bosch"
Kulturzeit-Comic-Tipp (15.07.2016)
Ausstellung
"Hieronymus Bosch: El Bosco"
Museo del Prado, Madrid (ES)
bis 11.09.2016
BR-Mediathek
© dpaHieronymus Bosch -Gemalte Selbstreflexionen"
"Capriccio"-Beitrag vom 28.07.2016