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Kulturzeit heute
27. Mai 2016
Moderatoren
Tina Mendelsohn
Der interaktive Charakter des Fern-
sehinterviews reizt Tina Mendelsohn immer wieder. Idealerweise entwickelt sich dort ein Gespräch mit einem echten Erkenntnisgewinn, sagt sie.
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© dpa Lupe
S'Hertogenbosch bietet zum 500. Geburtstag von Hieronymus Bosch eine spektakuläre Ausstellung.
Zwischen Himmel und Hölle
Die Kunst des Hieronymus Bosch
Die Werke des Hieronymus Bosch sind bevölkert von seltsamen Wesen, von fantastischen Höllenkreaturen - halb Mensch, halb Tier - von paradiesischen Nackten. Vor 500 Jahren starb er in den Niederlanden. Nun kehren zahlreiche Bosch-Werke zu einer Sonderausstellung an ihren Entstehungsort s'Hertogenbosch zurück. Es ist die bisher größte, spektakulärste Bosch-Ausstellung aller Zeiten.
Was hätten wohl die Psychoanalytiker Sigmund Freud und C.G. Jung zu diesen Bildwelten gesagt? Hieronymus Bosch wusste den Betrachter zu überraschen, auch mit ungewöhnlichen Bildkompositionen. So sitzen in einem Detail des Triptychons "Garten der Lüste" zahlreiche Nackte um eine überdimensionierte Erdbeere herum. Eine andere Gruppe Nackter steigt hinein in ein riesiges Ei. In einer Uterus-artigen, kreisrunden Blase ist ein nacktes Paar zu sehen, der dunkelhäutige Mann greift der schneeweißen Frau an den Bauch. Traumbilder des Künstlers? Oder ein Vorgriff auf den Surrealismus?

Wer war eigentlich dieser Hieronymus Bosch? Wenig Konkretes ist über den fantasiereichen Künstler überliefert. Geburtsdatum: um 1450. Geburtsort: Den Bosch, so wurde s'Hertogenbosch zur damaligen Zeit genannt. Geburtsname: Hieronymus oder Jeroen van Aken. Wie er zur Kunst kam, welche Ausbildung er erhielt - nichts ist bekannt. Nur soviel: Durch eine vorteilhafte Heirat mit der wohlhabenden Aleid van de Meervenne erhielt Bosch Zugang zu den betuchten Auftraggebern der Stadt. All seine weiteren Familienverhältnisse sind unbekannt, ebenso seine Grabstelle. Wie fromm war dieser Hieronymus Bosch? Wir wissen es nicht.

Für seine Zeit wahnsinnig modern
© dpa Lupe
"Der Garten der Lüste" hängt sonst im Prado in Madrid.
Was wir aber wissen: Es ist die Zeit zwischen Spätmittelalter und Renaissance, in der Bosch lebt. So erschafft er Bildwelten mit dem ikonografischen Repertoire dieser Zeit - Jüngstes Gericht, Hölle und Paradies - doch mit vollkommen eigenwilligen, so noch nie dagewesenen Interpretationen. Für die damalige Zeit war er wahnsinnig modern. So malte Bosch beispielsweise auf die Rückseite seines Werkes "Aufstieg in den Himmel (Visionen aus dem Jenseits)" eine Marmorimitation, die einem Sternenhimmel gleicht, wie ihn auch Jackson Pollock gemalt haben könnte, meint der Bosch-Forscher Jos Koldeweij im Interview mit der Kunstzeitschrift "art". Bosch müsse dazu die Holztafeln auf den Boden gelegt und mit Farbe bespritzt haben, wie ein Vertreter des Abstrakten Expressionismus, so Koldeweij. Er leitet das internationale Bosch Research and Conservation Project (BRCP), mit dessen Hilfe gerade Boschs Werke anhand neuester Methoden und Techniken anaylsiert, dokumentiert und teilweise restauriert worden sind.

Die niederländische Stadt s'Hertogenbosch kann sich nun 500 Jahre nach dem Tod ihres berühmten Sohns über eine spektakuläre Ausstellung freuen. Keines der dort gezeigten Werke - es geht um 20 Gemälde und 19 Zeichnungen - hängt normalerweise in 's-Hertogenbosch, sondern in den berühmtesten Museen der Welt, darunter der Prado, das Kunsthistorische Museum in Wien, der Louvre und das Metropolitan Museum of Art. Doch wie bekamen die Ausstellungsmacher die Museen nur dazu, die kostbaren Werke als Leihgabe in die Niederlande zu schicken?

Zwölf Werke wurden restauriert
Das "Bosch Research and Conservation Project" macht es möglich. Seit 2010 reisen die Forscher rund um die Welt in die Museen, die Bosch-Werke besitzen. Das Projekt wurde während der Vorbereitungen zur großen Bosch-Ausstellung gegründet. "Wir haben die Gemälde und Zeichnungen mit den neuesten Techniken untersuchen lassen", sagt Charles de Mooij, stolzer Hausherr und Direktor des Noordbrabants Museum. Die Forschungsergebnisse flossen in eine Publikation: den Band "Hieronymus Bosch. Maler und Zeichner". Was auch half: Zwölf besonders vergilbte und verschmutzte Bosch-Werke wurden restauriert.

Boschs Höllenwesen, menschenähnliche Kreaturen mit tierischen Schnäbeln, die Schlangen- und Kröten-umwobenen aufgespießten Leiber, wirken heute schlicht rätselhaft, den Betrachter des ausgehenden Spätmittelalters indes dürften sie nachhaltig verängstigt haben. "Es ist Unsinn, hinter jedem Detail etwas zu suchen", sagt Jos Koldeweij in der "art". "An manchen Motiven hat der Maler wohl einfach nur seine Freude gehabt." Wir auch.

ARD-Mediathek
© Rik Klein Gotink and Robert G"Hieronymus Bosch - Visionen eines Genies"
"ttt"-Beitrag (14.02.2016)
Ausstellung
"Hieronymus Bosch - Visionen eines Genies"
Het Noordbrabants Museum
's-Hertogenbosch (NL)
13.02. bis 08.05.2016
Buch
"Hieronymus Bosch. Maler und Zeichner"
Belser-Verlag 2016
ISBN: 978-3-7630-2742-2