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© dpa Lupe
Gerhard Richter steht ungern in der Öffentlichkeit. In Baden-Baden macht er eine Ausnahme.
Abstraktion des Grauens
Gerhard Richters "Birkenau" in Baden-Baden
Das Frieder-Burda-Museum in Baden-Baden bietet eine ungewöhnliche Doppel-Premiere: Der Maler-Fürst Gerhard Richter stellt sein Werk "Birkenau" vor - und lässt gleichzeitig KZ-Überlebende zu Wort kommen.
Gerhard Richter hat sich oft in seiner Kunst mit Schwergewichten der deutschen Geschichte auseinandergesetzt - etwa in Bildern der RAF-Toten im Gefängnis Stammheim, oder in seinem Bild "Tante Marianne", die von den Nazis 1945 in der Tötungsanstalt Großschweidnitz ermordet wurde. Jetzt stellt das Museum Frieder Burda in Baden-Baden Richters vierteiliges Monumentalwerk "Birkenau" in den Mittelpunkt einer Ausstellung. Die abstrakten Bildertafeln entstanden nach Fotografien, die ein jüdischer Häftling 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau heimlich aufgenommen hat. Die großformatigen Bilder hat Richter 2014 gemalt - sie sind unverkäuflich.

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Richter sammelt schon seit den 1960er Jahren Holocaust-Fotos. Sie waren Ausgangspunkt für die erste Schicht auf den Tafeln, die Richter immer wieder übermalte. Die Gräueltaten, die sie dokumentieren - Scheiterhaufen mit Leichen von Menschen, die von den Nazis ermordet wurden - sind auf den düsteren, schwarz, rot, grün und grau übermalten Bildern nicht mehr zu erkennen. © dpaLupe
"Birkenau" wird rund 30 großformatigen, meist abstrakten Gemälden und Skulpturen sowie vielen kleineren Arbeiten und Fotografien gegenübergestellt - von Richter selbst, aber auch von Zeitgenossen wie Carl Andre, Sol LeWitt, Blinky Palermo, Sigmar Polke, Andy Warhol und Willem de Kooning. Man möchte zeigen, wie zeitgenössische Künstler gerade mithilfe der Abstraktion in der Lage sind, das Unbeschreibliche festzuhalten oder das Nichtdarstellbare abzubilden.  © dpaLupe
Das unfassbare Grauen im größten deutschen Vernichtungslager während der Zeit des Nationalsozialismus, das die Fotos von Ivan Lefkovits zeigen, versucht Richter mit seiner typischen Maltechnik zu durchdringen: In vielen Schichten überdeckt er die Fotos - hier Details aus den Gemälden. "Ich habe abstrakt gemalt, weil diese Fotos unübertroffen sind - ich kann es nicht besser", sagt Richter. © dpaLupe

 

Sie waren schon 2015 im Dresdner Albertinum zu sehen - da allerdings noch als "Abstrakte Bilder". Das Burda-Museum präsentiert sie nun vom 6. Februar 2016 an bis zum 29. Mai erstmals in Deutschland unter dem Titel "Birkenau". Ergänzt wird die Ausstellung mit Arbeiten von Künstlern, die laut Ausstellungsmacher Helmut Friedel seit den 1960er Jahren in engem Austausch mit Richter standen: so etwa Blinky Palermo, Sigmar Polke oder Andy Warhol. Vor Beginn der Ausstellung wurde am 4. Februar in Baden-Baden in Beisein von Richter die Dokumentation "Mit meiner Vergangenheit lebe ich" (Suhrkamp-Verlag) präsentiert, dafür hatte Richter 15 Bilder gemalt. Ivan Lefkovits stellt darin die Memoiren von 15 Holocaust-Überlebenden vor, darunter auch seine eigene Lebensgeschichte.

Buch
"Mit meiner Vergangenheit lebe ich: Memoiren von Holocaust-Überlebenden"
Herausgeber: Ivan Lefkovits
mit 15 Bildern von Gerhard Richter
Jüdischer Verlag im Suhrkamp-Verlag
ISBN-13: 978-3633542772
Ausstellung
"Gerhard Richter. Birkenau"
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
06.02. bis 29.05.2016
Porträt
Maler der rätselhaften Schönheit
Gerhard Richter wird 80 (06.02.2012)