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Stefanie SargnagelNavigationselement
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Ein 90-sekündiger Werbespot "Dear Brother" wird zum internationalen Hit.
Der alte Mann und die Brüder
Werbespots, die das Netz bewegen ...
Erst lockt ein einsamer Rentner im Edeka-Werbespot #heimkommen mit einer Todesanzeige seine Familie zu Weihnachten nachhause. Jetzt setzen zwei deutsche Filmstudenten mit ihrem Spot "Dear Brother" für Johnny Walker emotional noch einen drauf.
Daniel Titz und Dorian Lebherz, die an der Filmakademie Baden-Württemberg studieren, begleiten in ihrem 90-sekündigen Werbespot "Dear Brother" zwei Brüder auf einem Spaziergang über die schottische Isle of Skye. Dabei haben sie nur gemeinsame Erinnerungen, eine Flasche Johnny Walker und einen ominösen Jutebeutel. Wohin die Reise geht? Das schaut sich am besten jeder selbst an. Nur soviel: Das Ende ist (be-)rührend, traurig - und ein Riesenerfolg im Netz. "Beautiful", "brillant", "stunning" - so die Reaktionen auf Twitter. Für manche ist das Werk der beiden Studenten gar "der bewegendste Spot des Jahres".


Dabei hatte doch gerade erst der einsame Edeka-Rentner die Netzgemeinde zu Tränen gerührt. Seit Ende November wurde der Spot der Agentur Jung von Matt millionenfach geklickt. Ein viraler Megahit. Viele zeigten sich gerührt, andere fanden den Clip pietätlos. Edeka erklärte: "Die Kommentare zeigen, dass er viele Menschen bewegt." Joko & Klaas, den Moderatoren der ProSieben-Sendung Circus HalliGalli", war der Spot unlängst sogar eine bitterböse Parodie wert: "Du perverser alter Mann!" schimpft darin Oli Schulz, bevor alle auf den Opa einreden - und Sendungs-Sidekick Violetta dem Opi in den Kopf schießt und alle ohne ihn feiern.


Geht das?
Soweit die inhaltliche Betrachtung. Zunächst ohne Wertung. Und die Frage: Geht das? Oder lassen wir uns damit "vor der Karren der Werbeindustrie spannen", wie ein kritischer Kommentar nach Veröffentlichung des Artikels auf unserer Facebookseite lautete? Es war ein Experiment. Und wir konstatieren: Es funktioniert - aber nicht für uns. Zumindest nicht so.

Werbung lebt von Emotionalisierung. Wie berühre ich eine Zielgruppe? Indem ich sie auf gewisse Weise manipuliere. Und indem ich polarisiere. So funktioniert gutes virales Marketing. Doch verkauft Edeka dadurch mehr? Negative Assoziationen wie Tod und Einsamkeit, die auch beim Anschauen von #heimkommen aufkeimen - das, was die Satire von Joko und Klaas entsprechend überspitzt - könnte die Kauffreude trüben. Ähnlich verhält es sich bei dem "Johnny Walker"-Spot "Dear Brother". Ist Alkohol wirklich die Lösung?

Wer kann einen filmisch ansprechenden Werbespot immer der entsprechenden Marke zuordnen? Die zentrale Frage ist doch: Was macht ein solcher Spot mit uns? Sicher ist: Es beschäftigt uns. Wir diskutieren darüber. Durchaus kontrovers. Und deshalb greifen wir ein solches Thema auf.