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Lesen, lesen, lesen ...
Zwischen Märchen und Moderne
Indonesien und seine Literatur
Wie sieht die Literatur eines Landes aus, das auf eine 2000 Jahre alte Schriftkultur zurückblickt, dessen 250 Millionen Einwohner sich aber auf 300 verschiedene ethnische Gruppen verteilen? Wie gehören Schreiben, Lesen und Leben zusammen: Bei der Suche nach Identität? Zwischen Märchen und neuen Medien? Auf dem Weg zur Demokratie, zwischen Geschichte und Religion? Kulturzeit geht dem in einer vierteiligen Reihe nach.
"Indonesien besteht aus Inseln, die liegen teils nördlich, teils südlich vom Äquator, und dazwischen ist eine Menge Wasser."

(Das soll Alt-Bundespräsident Heinrich Lübke gesagt haben.)

Identität (1/4)
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Nach langer Kolonialzeit erklärte Indonesien sich 1945 für unabhängig. Sukarno war der erste gewählte Präsident des Landes. Das Symbol der Unabhängigkeit ist die Flamme. Unter der Diktatur General Haji Mohamed Suhartos mussten die Indonesier leiden. Jahrzehnte lang war die Demokratie Wunschdenken. 250 Millionen Menschen, sechs offiziell anerkannte Religionen und eine gemeinsame Sprache als Basis für Einheit: Bahasa Indonesia. Wie es ist, Indonesier zu sein? Wir haben die Schriftstellerin Lily Yulianti Farid, den Dichter Rudi Fofid und den Bestseller-Autor Andrea Hirata kennengelernt und danach gefragt, was Indonesier ausmacht und was sie bewegt.

Demokratie (2/4)
© reuters
Der Weg Indonesiens von der Unabhängigkeit 1945 bis zur Demokratie heute war steinig. 1965 reißt General Haji Mohamed Suharto die Macht an sich. Eine Ära der Gewalt beginnt. Im Oktober desselben Jahres werden sechs Generäle ermordet. Das Militär beschuldigt Kommunisten - und startet einen Rachefeldzug. Die Täter selbst nennen es die "Saison der Hackmesser". Schätzungsweise 500.000 Menschen sterben. Der Westen sieht weg, denn Suharto gilt als Bollwerk gegen den Kommunismus. Viele Indonesier glauben noch heute an Suhartos Version, Kommunisten seien die Anstifter gewesen. Die Schriftstellerinnen Laksmi Pamuntjak und Leila Chudori wollen die Zeit aufarbeiten und haben über Suhartos Terror und Propaganda geschrieben.

Literatur (3/4)
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Wir lassen uns in das Geheimnis des mystischen Wayang-Puppenspiels einweisen, das zum immateriellen Unesco-Kulturerbe gehört. Der Stoff stammt meist aus dem indischen Epos "Mahabharata". Es ist ein bisschen wie Literatur in Bildern: Indonesier wollen Texte erleben. Bücher nehmen nur wenige in die Hand - es sei denn, es sind Ratgeber über Wie werde ich reich? Wie werde ich schön? Das Bildungs- und Kulturministerium will das ändern. Über Jahrzehnte hinweg konnte die Analphabetenquote von rund 90 auf etwa 6 Prozent gesenkt werden. Wir fragen den Bestseller-Autor Andrea Hirata, warum seine Geschichten die meist gelesenen in Indonesien sind und lauschen den Gedichten der Grand Dame der Poesie, Toeti Heraty.

Religion (4/4)
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In Indonesien muss jeder einer Religion angehören. So steht es in der Verfassung. Katholiken, Protestanten, Buddhisten, Hindus und vor allem Muslime leben Tür an Tür. Fast 90 Prozent der Bevölkerung, mehr als 210 Millionen Indonesier, sind Muslime. Von Staats wegen herrscht Religionsfreiheit, aber wer sich zu keinem Glauben bekennt, macht sich verdächtig. Wir fragen Indonesiens Erfolgsautorin Ayu Utami, die Essayistin Linda Christanty und den Comic-Zeichner Beng Rahadian, wie es tatsächlich um die Vielfalt der Religionen bestellt ist und wie stark Islamisten das Land gefährden.

Kulturzeit extra
"Indonesien lesen"
Ein Film von Susan Christely und Stefan Gagstetter

Erstausstrahlung:
Samstag, 17.10.2015

Wiederholung:
Samstag, 09.07.2016
um 19.30 Uhr in 3sat
Schwerpunkt
BUCHMESSE FRANKFURT
14.-18.10.2015
Wirtschaftsdokumentation
Indonesien -
Reifeprüfung für ein Riesenland

Ein Film von Peter Kunz
Freitag, 16.10.2015
um 21.00 Uhr in 3sat

Wiederholung:
Sonntag, 18.10.2015
um 06.15 Uhr in 3sat