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© dpa Lupe
Henning Mankell ist durch seine Krimis um Kurt Wallander berühmt.
Zwischen den Welten
Krimi-Autor Henning Mankell mit 67 gestorben
Seine Krimis über den Ermittler Kurt Wallander machten ihn weltberühmt: Henning Mankell. Doch der schwedische Bestsellerautor schrieb auch Romane, führte am Theater Regie und engagierte sich gegen Armut und Analphabetismus in Afrika. 2014 machte er seine Krebserkrankung öffentlich. Am 5. Oktober 2015 ist er im Alter von 67 Jahren zuhause in Göteborg gestorben.
Mankell wurde am 3. Februar 1948 im schwedischen Härjedalen bei Stockholm als Sohn eines Richters geboren. Mit 15 Jahren verließ er die Schule, heuerte als Matrose bei der Handelsmarine an und ließ sich 1966 für anderthalb Jahre in Paris nieder. Diese Zeit sah er später als seine eingentliche Lebensschule an. 1968 begann er erstmals als Theater-Regisseur in Schweden zu arbeiten, unter anderem am Riks-Theater in Stockholm. 1972 erfüllte sich Mankell einen Kindheitswunsch und reiste erstmals nach Afrika. Seitdem ließ ihn der Kontinent nicht mehr los. Ab Mitte der 1980er Jahre leitete er das "Teatro Avenida" in Maputo und lebte von da an bis zur seiner Krebserkrankung im Wechsel in Mosambik und Schweden.


Schreiben aus der Distanz
"Mit einem Fuß im Sand, mit dem anderen im Schnee" sagte er selbst über sein Leben zwischen den Welten. "Meine Zeit zwischen Afrika und Europa aufzuteilen, hat mir Perspektiven und Distanz geschenkt, und ich glaube, es hat mich zu einem besseren Europäer gemacht", schrieb Mankell auf seiner Internetseite. Erst die Distanz habe ihm erlaubt, zu schreiben. Der erste seiner Krimis um Kommissar Wallander erschien 1991. Bis 2002 folgten zehn weitere, die ihn regelmäßig an die Spitze von Bestsellerlisten katapultierten und mit 40 Millionen verkauften Exemplaren zum meist gelesenen Krimiautor weltweit machten.


Doch man kann Mankell nicht auf seine Wallander-Krimis reduzieren. Immer war er mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt. Er ist der Autor einer Reihe von Afrika-Romanen und Jugendbüchern, schrieb fürs Fernsehen, drehte eine Fernsehserie über das Leben Ingmar Bergmans, mit dessen Tochter Eva Bergman er verheiratet war, und produzierte Theaterstücke. Daneben nahm sein politisches Engagement gegen Armut und Analphabetismus in Afrika einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch. So unterstützte er unter anderem Christoph Schlingensiefs Theaterprojekt in Afrika. Solidarisch zeigte sich der überzeugte Sozialist auch mit der Sache der Palästinenser. 2010 machte er die Reise der "Gaza-Hilfsflotte" Richtung Palästina mit, die von israelischen Soldaten mit einem blutigen Einsatz gestoppt wurde. Neun türkische Mitreisende starben. Nach seiner mehrtägigen Internierung warf der 'Autor Israel "Seeräuberei und Kidnapping in internationalen Gewässern" vor.


2013 erkrankte Mankell an Krebs. Als er dies im Januar 2014 in der Zeitung "Göteborgs Posten" öffentlich machte, erhielt er Genesungswünsche aus der ganzen Welt. Seinen "Kampf aus der Perspektive des Lebens" beschrieb er in einer gleichnamigen Kolumne für die Zeitung und in seinem letzten Buch "Treibsand", das er 2015 veröffentlichte. Über den Tod schrieb er: Er "kommt immer als ungebetener Gast und stört. 'Zeit zu gehen.' Keiner will sterben, weder jung noch alt. Sterben ist immer schwer."

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