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Sein "Urmel" machte ihn weltweit berühmt: Max Kruse.
Der Geschichten-Zauberer
Der "Urmel"-Erfinder Max Kruse ist gestorben
Den Autor Max Kruse kannten vielleicht nicht so viele. Doch sein "Urmel aus dem Eis", heimlicher Star der "Augsburger Puppenkiste", haben ganze Generationen von Kindern kennengelernt und durch es glänzende Augen bekommen. Am 4. September 2015 ist sein Schöpfer Max Kruse im Alter von 93 Jahren gestorben.
Kruses Verlag Thienemann-Esslinger bestätigte entsprechende Berichte des "Münchner Merkur" und der "Süddeutschen Zeitung" am 7. September. Kruse selbst fand das Urmel nicht sein bestes Buch, hielt seinen Fantasy-Roman "Der Schattenbruder" für das bedeutendere Werk. Dabei wurde das Urmel weitaus berühmter: Allein das Buch über den sympathisch lispelnden Urzeit-Dino, der aus einem Jahrmillionen lang eingefrorenen Ei schlüpft, wurde weltweit mehr als 800.000 Mal verkauft. Zur Ideenfindung sagte Max Kruse einmal: "'Ur' - wie Ur-Zeit, das stand schnell fest, und eine Zärtlichkeits-, eine Verkleinerungsform musste dazu. 'Ur-chen', das gefiel mir nicht, Urli auch nicht. Aber Urmel, das passte."

Siegszug des Urmel
© dpa Lupe
Schon 1969 verfilmte der Hessische Rundfunk die Urmel-Geschichte.
Und das Urmel begann einen glorreichen Siegeszug: Schon in ihrem Entstehungsjahr 1969 wurde die Geschichte des Urmel von der "Augsburger Puppenkiste" mit Marionetten nachgespielt und vom Hessischen Rundfunk verfilmt. Mitte der 1990er Jahre folgte eine Zeichentrick-Adaption. 2006 und 2008 kamen die Kinofilme "Urmel aus dem Eis" und "Urmel voll in Fahrt". Es gibt ein Urmel-Musical und in einer auf Sat.1 ausgestrahlten Theaterfassung wurde das Drachentier von dem 2012 gestorbenen Komiker Dirk Bach gespielt, der auch zahlreiche Urmel-Hörbücher aufgenommen hat. 45 Jahre nach dem ersten Band erschien 2013 "Urmel saust durch die Zeit", in dem der Autor Kindern die Evolutionstheorie nahebringen wollte.

Max Kruse hat insgesamt 50 Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Auch sein "Lord Schmetterhemd", sein "Don Blech" und "Der Löwe ist los" fanden den Weg auf die Marionettenbühne der Augsburger Puppenkiste. Kruse verfasste außerdem Kurzgeschichten, Gedichte ("Schafsgedanken" oder die Liebesgedichte "Mein Herz beginnt zu schweben" von 2013) und eine Autobiografie ("Im Wandel der Zeit, Wie ich wurde, was ich bin"). Kruses Werk wurde vielfach übersetzt, unter anderem ins Chinesische, Englische, Finnische, Russische, Koreanische und Dänische. Kruse enstammte einem künstlerischen Elternhaus: die Mutter war die Puppenmacherin Käthe Kruse, der Vater der Bildhauer Max Kruse.

Verlag: Trauer um einen "großen Autor"
"Mit Max Kruse verliert die deutsche Kinderliteratur einen Autor, der eine ganze Generation von Lesern geprägt hat", schrieb sein Verlag Thienemann-Esslinger. "Über seine fantasievollen Figuren - vom 'Lölölölöwen', über Don Blech und Lord Schmetterhemd bis zum Urmel und seinen Mitschülern in der Sprachschule von Professor Habakuk Tibatong auf der kleinen Südseeinsel Titiwu - hat er viele unterhaltsame und zugleich weise und hintergründige Geschichten erzählt. Der Thienemann-Esslinger-Verlag trauert um einen großen Autor."