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© dpa Lupe
"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer": "Ich hatte damals schon alles probiert, bloß Kinderbücher noch nicht", sagte Michael Ende einmal.
"Schreiben als Abenteuer"
Zum 20. Todestag von Michael Ende
"Ich habe die Geschichte damals mit einer großen Unschuld geschrieben. Ich hatte mir überhaupt nichts davon versprochen, hatte das Buch einfach nur mir selbst erzählt", erinnerte sich Michael Ende November 1994 im Gespräch mit dem "Zeitmagazin" an die Entstehung seines ersten Kinderbuches. Dass ihm mit "Jim Knopf" der Durchbruch als Schriftsteller gelingen würde, das ahnte er damals noch nicht.
Eigentlich wollte er Naturforscher werden. "Mit Tropenhelm und Schießgewehr durch den Urwald", so hatte sich Michael Ende als Jugendlicher seine Zukunft ausgemalt. Er fing mit 14, 15 Jahren an zu schreiben und versuchte sich zunächst an Theaterstücken. Das gesprochene Wort war für ihn das einzig wahre, wie er 1990 in einem Interview mit Joachim Fuchsberger erklärte. Dennoch kam er nur mühsam voran. Eines Tages aber bat ihn ein ehemaliger Schulkamerad, einen Bilderbuchtext für ihn zu schreiben. Es war der Anfang von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer".

"Erfolg ist eine Porto-Frage"
"Ich hatte damals schon alles probiert, bloß Kinderbücher noch nicht", erinnerte sich Ende im Fuchsberger-Interview. Als das 500-Seiten-Manuskript fertig war, nahm er sich Alfred Polgars Spruch "Erfolg ist eine Porto-Frage" zu Herzen und schickte das Werk an unzählige Verlage - bis er schließlich - "etwa bei dem zwölften" - erfolgreich war. Die in zwei Bände aufgeteilte Geschichte gehört heute zu den erfolgreichsten und beliebtesten Kinderbüchern im deutschsprachigen Raum. "Jim Knopf" gewann 1960 den Deutschen Jugendbuchpreis sowie 1962 eine Würdigung in der Ehrenliste des Hans-Christian-Andersen-Preises. Es folgten zahlreiche Übersetzungen und Adaptionen, zum Beispiel in der legendären "Augsburger Puppenkiste".

Seine Art zu schreiben verglich Michael Ende gerne mit der Arbeitsmethode eines Malers. Dieser habe oftmals nur eine vage Idee, doch aus dem Material selbst entstehe letztlich etwas viel Besseres - genau so erging es ihm beim Schreiben des Romans "Die unendliche Geschichte" (1979). Als die Figur Bastian plötzlich ein Eigenleben entwickelte, sei ihm die Geschichte "buchstäblich unter den Händen explodiert", erinnerte sich Ende. Der fantastische Roman verkaufte sich weltweit etwa zehn Millionen Mal und wurde in 40 Sprachen übersetzt.

"Es ist komisch, es gibt einen Moment, wo man mit seinen Figuren nicht mehr machen kann, was man will. Wo die eine Art Eigenleben kriegen und man eigentlich nur noch hinter ihnen her schreiben muss. Und das ist ein gutes Zeichen. Das heißt, dass die Figur wirklich ein Leben gekriegt hat."

(Michael Ende über "Die unendliche Geschichte")

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Ingeborg Hoffmann zog es Michael Ende irgendwann nach Rom. Als seine Lebensgefährtin nach mehr als 30 Jahren Beziehung verstarb, kehrte der Schriftsteller seiner Wahlheimat den Rücken zu. Zurück in München heiratete er 1989 Marika Sato, die unter anderem "Die unendliche Geschichte" auf Japanisch übersetzt hatte. Auch wenn manche seiner Werke wie "Das Traumfresserchen" (1978) oder "Lenchens Geheimnis" (1991) den Wenigsten ein Begriff sind, Jim Knopf, Momo und Bastian sind auch heute noch lebendige Teile unserer Fantasie.

Ende sah das Schreiben als Abenteuer: "Man muss beim Schreiben auf etwas kommen, was man vorher noch nicht wusste", sagte er. "Es gibt Reichtümer, an denen man zugrunde geht, wenn man sie nicht mit anderen teilen kann“, heißt es in einem seiner weiteren großen Werke "Momo". Mit uns hat Michael Ende das größte seiner Reichtümer - seine Fantasie - geteilt. Er starb am 28. August 1995 an einem Magenkrebsleiden im Alter von 65 Jahren.