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"Kultur für alle" war sein Motto: Hilmar Hoffmann.
"Kultur für alle" war sein Motto: Hilmar Hoffmann.
Kultur für alle
Hilmar Hoffmann ist im Alter von 92 Jahren gestorben
Ein Mann, ein Wort, ein Kulturpolitiker: Die Rede ist von Hilmar Hoffmann, einem der bedeutendsten Kulturmenschen im Nachkriegs-Deutschland. Kulturpolitik, hat er einmal gesagt, sei "der Schlüssel für alle Friedensbemühungen überhaupt". Er war Kulturdezernent in Frankfurt am Main, Präsident der Goethe-Institute und Gründer der Kurzfilmtage Oberhausen. Am 1. Juni 2018 ist Hilmar Hoffmann im Alter von 92 Jahren gestorben.
Die Bundesrepublik verliere mit Hoffmann "einen ihrer prägendsten und erfolgreichsten Kulturpolitiker, den das Land hatte", erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in Berlin. Er habe die große Gabe gehabt, "Menschen zu begeistern auch über alle Parteigrenzen hinweg."

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erklärte, Hoffmanns Tod sei ein unersetzlicher Verlust für die deutsche Kulturlandschaft. Hoffmann habe sich mit seiner Forderung nach einer breiten kulturellen Teilhabe und der Gründung des Frankfurter Museumsufers über die Stadtgrenzen Frankfurts hinaus einen Namen gemacht, so Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). "Mit Hilmar Hoffmann verlieren wir einen der bedeutendsten Kulturpolitiker nicht nur Frankfurts, sondern der gesamten Bundesrepublik. Er war ein besonderer Mensch, trotz seines hohen Alters bis zuletzt wach und zugewandt."

Kultur sei für ihn ein "Lebenselixier", unverzichtbar für jeden, der "ein ganzer Mensch werden" möchte, erklärte Hilmar Hoffmann noch 2015 im dpa-Interview zu seinem 90. Geburtstag. Die Wurzeln seines Kulturverständnisses liegen im Ruhrgebiet: Mit 25 Jahren gründete er in Oberhausen eine Volkshochschule, später wurde er Kulturdezernent der Stadt. Die Arbeiterkultur des Ruhrgebiets bildete die Grundlage für den von Hoffmann propagierten "offenen Kulturbegriff". Sein Standardwerk von 1979, "Kultur für alle", ist von diesen Erfahrungen bestimmt. Dieses Motto ist bis heute mit seinem Namen verbunden. 2015 habe ihn eine Doktorandin aus Tokio besucht, die über "Kunst für alle" schreibe, erzählte Hoffmann.

Geschickter Verhandler
In Frankfurt am Main hatte er von 1970 bis 1990 als Kulturdezernent die Möglichkeit, seine Vorstellungen umzusetzen. Zudem erstritt er in den 1980er Jahren für seinen Etat elf Prozent des Frankfurter Gesamthaushaltes, den höchsten Kulturetat, den eine Stadt in Deutschland damals haben konnte. Die Projekte, die er damit finanzierte, sind auch heute noch kulturelle Aushängeschilder der Stadt: der Mouson-Turm als Veranstaltungsort für alternative Kultur, das Museums-Ufer - 15 Museen oder Ausstellungshäuser wurden in Hoffmanns Zeit neu errichtet oder umgebaut - oder der Wiederaufbau der Alten Oper.

Doch am meisten fühlte Hoffmann sich wohl dem Medium Film verbunden. Als Direktor der Volkshochschule gründete er die - damals sogenannten - Westdeutschen Kurzfilmtage Oberhausen. 1962 erlebten sie mit der Verkündung des "Oberhausener Manifests" die Geburt des Neuen Deutschen Films. Hoffmann hat zudem immer wieder über das Kino geschrieben, über den NS-Film etwa, und drehte auch Dokumentationen zum aktuellen Film. Als er 1970 das Amt des Kulturdezernenten der Stadt Frankfurt am Main antrat, gründete er das erste "Kommunale Kino" in der Bundesrepublik und setzte diese Idee auch gerichtlich gegen die gewerblichen Kinobesitzer durch.

Lehrtätigkeiten an Hochschulen
Auch als Hochschullehrer wirkte Hoffmann: Er lehrte Filmtheorie und Kulturpolitik an den Universitäten von Bochum, Frankfurt am Main, Marburg, Jerusalem und Tel Aviv. Zudem war er von 1975 bis 2011 Vorsitzender des Verwaltungsrats des fusionierten Deutschen Film-Instituts/Deutschen Filmmuseums.

"Der Mann streitet glaubwürdig - und ein begnadeter Bettler ist er auch", sagte der damalige Bundespräsident Johannes Rau, als er Hoffmann verabschiedete. Bis ins hohe Alter war er ein gefragter Ratgeber. "Das himmlische Konto scheint weit überzogen", so Hoffmann kurz vor seinem 90. Geburtstag. Da saß er noch immer täglich am Schreibtisch, von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr. Zu Wort meldete sich Hilmar Hoffmann zuletzt nicht mehr so oft wie früher, als Streitgespräche mit ihm legendär waren. Er sei "milde geworden", sagte er einmal der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

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