Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
010203040506
07
08
091011121314
15
1617181920
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Moderation
CLIP: Vivian Perkovic
Themen am 18.10.2017Navigationselement
Navigationselement
© dpa Video
Film und Spiele - wer profitiert hier eigentlich wirklich von wem?
Es ist kompliziert ...
"Film & Games" im Filmmuseum Frankfurt
Videospiele sind heute oft von solcher Qualität und kompositorischer Dichte, dass sie von Filmen kaum noch zu unterscheiden sind. Doch wie können beide Genres voneinander profitieren? Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main widmet diesem Thema derzeit unter dem Titel "Film & Games" eine ganze Ausstellung.
Steven Spielbergs Film "E.T." rührte 1982 ein Millionenpublikum zu Tränen, doch als Spiel floppte der Blockbuster grandios. Noch heute wird es gerne als das "schlechteste Spiel aller Zeiten" bezeichnet. "Gerade die vergeigten ersten Film-Spiele oder die ersten daneben gegangenen Spiele-Verfilmungen demonstrieren, dass das Ganze nicht eins zu eins übertragbar ist, dass hier nicht ein Medium das andere ablöst", erklärt Andreas Rauscher, der Kurator der Schau. Interessant wird es für Rauscher dann, wenn man das Film-Szenario im Spiel eigenständig erforschen und erkunden kann, "wenn ich dabei Räume erkunden kann, die auf der Leinwand nur im Off angedeutet werden - oder umgekehrt - wenn der Film die neuen Perspektiven, die das Spiel hervorbringt, integriert und daraus interessante neue Ansätze generiert."

Erweiterte Handlungs-(Spiel-)Räume
Ein Beispiel für die Möglichkeiten, Film-Szenarien eigenständig zu erforschen, ist das Spiel zum Bond-Klassiker "Liebesgrüße aus Moskau", das gut 40 Jahre nach dem Film erschienen ist. Erzählt wird dieselbe Geschichte wie bei Hitchcock, doch die Handlungsräume für den Spieler sind im non-linearen Medium stark erweitert. Um das deutlich zu machen, stellen die Ausstellungsmacher in Frankfurt am Main die Unterschiede einer Szenerie auf zwei Bildschirmen einander gegenüber. So muss etwa der Spieler den Raum erkunden, um dann mithilfe eines Mini-Roboters in die russische Botschaft einzudringen. Er selbst übernimmt gewissermaßen die Regie, entscheidet, wo er sich zuerst hinwendet.

Umgekehrt bedienen sich Filme bei Spielen vor allem in Sachen Ästhetik. Die in Spielen oft genutzte Ego-Perspektive ist zum Beispiel in spanischen Horror-Filmen wie "Rec" von 2007 ganz zentral: Ein Kamerateam wird in einem alptraumhaften Szenario in einem Haus eingeschlossen, der Zuschauer sieht das Geschehen ausschließlich aus der Perspektive des Kameramannes. Für diese Ästhetik lassen sich ebenso viele Film- wie Spiel-Beispiele aufzählen. Nicht immer ist die Inspirationsquelle leicht zu belegen.

"Zuallererst: Spiele sind Spiele"
"Zuallererst", sagt Eric Hirshberg, Chef des US-amerikanischen Videospiel-Verlegers "Activision": "Spiele sind Spiele." Sie sind interaktive Erfahrungen und wirklich anders als Filme als Kunstform. Ich weiß, dass Leute sie gerne mit Filmen vergleichen, weil es ähnliche Elemente gibt, sie auf dem gleichen Bildschirm zu sehen sind und manche Szenen aussehen wie aus einem Action-Film. Aber sie sind designt als interaktive Erfahrung. Und das ist es, was sie erfolgreich macht."

Die Ausstellungsmacher mussten sich auch der Problematik stellen, Spiele für ältere Systeme heute überhaupt noch zeigen zu können. Bei einem Medium, das sich derart rasant technisch weiterentwickelt, stellen sich Fragen für die Zukunft. Kurator Andreas Rauscher erinnert sich, dass ein Game-Designer aus den 1970er Jahren einmal davor warnte, "dass man bei den Spielen nicht nochmal den gleichen Fehler machen sollte, den man beim Film anfangs gemacht hatte: dass man solange diskutiert, ob das Ganze einen kulturellen Wert hat und archiviert werden soll, dass man darüber versäumt, die ersten Filme sicherzustellen, die man noch hätte archivieren können."

Heute könnte man über die Beziehung von Film und Spiel sagen: Es ist kompliziert. Und trotzdem können sie nicht voneinander lassen, sind sie doch die großen medialen Erzeugnisse des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung bildet visuell beeindruckend den Reifeprozess einer nicht mehr ganz jungen Beziehung ab.

Ausstellung
"Film & Games - Ein Wechselspiel"
Deutsches Filmmuseum,
Frankfurt am Main
bis 31.01.2016