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© dpa Lupe
Ein Jahr ist es her, dass das Netzwerk "Krautreporter" per Crowdfunding rund eine Million Euro gesammelt hat, um ein Qualitäts-Online-Magazin zu starten.
Gekommen, um zu schreiben
Ein Jahr Journalisten-Netzwerk "Krautreporter"
Sie starteten mit hehrem Ziel: Den Online-Journalismus wollten sie umkrempeln - und ihn retten. Ein Jahr ist es nun her, dass das Journalisten-Netzwerk "Krautreporter" per Crowdfunding rund eine Million Euro gesammelt hat, um ein hintergründiges Qualitäts-Online-Magazin zu starten. Jetzt ist Stefan Niggemeier, Medienkritiker und zentrales Mitglied der Redaktion, ausgestiegen. Sein Rückzug steht für die Probleme, mit denen das Projekt im ersten Jahr zu kämpfen hat.
Auf seiner Website hat sich Niggemeier, Gründer des "BILDblog", FAZ- und SZ-Magazin-Autor am 17. Juni 2015 von den Krautreportern verabschiedet. Er bereue es nicht, mitgemacht zu haben, sagt er. Es sei richtig auszuprobieren, wie Online-Journalismus ohne Klick-Optimierung funktionieren kann. Bei den Krautreportern fehle aber bei aller Freiheit die redaktionelle Idee. "Wir taten uns schwer damit zu definieren, worüber wir berichten wollen und wie", so Niggemeier. Die Geschichten vermissten ein verbindendes Element. Er selbst will jetzt eine Plattform für Medienkritik aufbauen - mit den Erfahrungen, die er im vergangenen Jahr gesammelt hat.

Kampfansage an die Online-Welt
Die Idee, ein Onlineportal für Qualitätsjournalismus zu etablieren, ausgeruht und hintergründig, finanziert von Lesern, die mitmachen und Fachwissen einbringen, die in Dialog treten, kam zu Beginn sehr gut an. Es war eine Kampfansage an eine Online-Welt, in der eine Nachricht die andere jagt. Das ganze ohne Werbung, konzentrierter, unabhängiger als andere Online-Medien. Am Ende der Kampagne hatten die Krautreporter 15.000 Mitglieder zusammen, die bereit waren, 60 Euro für ein Jahr Mitgliedschaft zu zahlen.

Kritik am Portal wurde in den letzten Monaten lauter. Viele Leser haben das Gefühl, eine Art Wundertüte präsentiert zu bekommen: ohne Themenschwerpunkte und erkennbare Einordnung. Herausgeber Sebastian Esser erklärt, dass es eher die Form als der Inhalt sei, die Krautreporter von Konkurrenzprodukten unterscheide. Es gehe um den direkten Kontakt zu den Mitgliedern. Aber er räumt ein: "Wir mussten lernen, dass die Leser wollen, dass wir unseren Job als Journalisten machen und die Community erst dann fragen, wenn wir nicht mehr weiterkommen."

Am Wochenende des 13./14. Juni haben die Krautreporter mit einem Tag der offenen Tür in den Berliner Redaktionsräumen Geburtstag gefeiert. Es ging auch um die Leserbindung, denn im Oktober 2015 entscheidet sich, wer weiter für das Portal zahlt. Die Mitgliedschaft endet automatisch nach einem Jahr. Eine Zukunft, das wissen die Krautreporter, hat das Projekt nur, wenn mindestens 6000 Unterstützer aus dem ersten Jahr ihr Abonnement verlängern und es wie bisher etwa 3000 zahlende Leser gibt, die sich im Laufe des Jahres anschließen oder gleich dabei bleiben. Also rührt man wieder fleißig die Werbetrommel - für die Zukunft des Journalismus. Das hehre Ziel ist immer noch aktuell.

NDR-Mediathek
Ein Jahr Krautreporter
"Zapp"-Beitrag (18.06.2015)
Mediathek
Krautreporter
Kulturzeit-Beitrag (24.10.2014)
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