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Themen am 14.12.2017Navigationselement
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© dpa Lupe
Nike Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und Ururenkelin von Franz Liszt, ist derzeit Chefin des Beethovenfests in Bonn.
"Fifa ist überall"
Nike Wagner über die Wagners und Bayreuth
Die Bayreuther Festspiele seien in einer tiefen Krise - leider in keiner fruchtbaren, sagt Nike Wagner, Urenkelin des bekannten wie umstrittenen Komponisten Richard Wagner, in einem Interview der dpa kurz vor ihrem 70. Geburtstag am 9. Juni 2015. Sie beklagt die "nahezu unendlichen bayerisch-oberfränkisch-mäzenatischen Kungeleien" und stellt fest: "Fifa ist überall."
Ihre Geschwister und sie fürchten als Nachkommen von Wieland Wagner darum, dass die Richard-Wagner-Stiftung ausgehöhlt werde, erläuterte sie weiter. "Mein Familienzweig - Wieland Wagners geistigem Erbe verpflichtet - kämpft schon seit langem gegen das Aushöhlen der Rechte der Stifterfamilie in der Stiftung." Die Stiftung war in den 1970er Jahren gegründet worden, um das Erbe Wagners zu wahren und das Festspielhaus für die Nachwelt zu erhalten. "Wir erwägen die Klage", so Wagner im dpa-Interview. Weil der Wieland-Stamm fürchtet, dass die Verwaltungs-GmbH der Festspiele mehr und mehr Macht an sich reißt, hatte er im Herbst den Linken-Politiker Gregor Gysi als Anwalt hinzugezogen.

Wagner: "Bayreuth ist tief in der Krise"
Längst hat sich Nike Wagner in der deutschen Kulturlandschaft einen eigenen Namen gemacht und doch sind Richard Wagners Leben und Werk - und damit auch die Bayreuther Festspiele - immer auch ihr Thema. Aus der Verwandtschaft könne man nicht austreten, sagt die Urenkelin von Richard Wagner und Ururenkelin von Franz Liszt. "Man kann sich nur anderswo Freunde suchen. Und neue Orte." Als Leiterin des Kunstfestes Weimar und nun als Intendantin des Beethovenfests in Bonn hat sie sich anderswo neue Felder erschlossen. Weimar sei für sie ein Glücksfall gewesen, sagt Wagner. In Bonn erwarten sie "wieder Familienbande: Bei Beethoven hat Wagner das Komponieren gelernt und auch Liszt war bedingungsloser Beethoven-Fan. Der Einstieg ins Rheinische ist also angenehm vorprogrammiert - Bayreuth dagegen tief in der Krise."

© AP Lupe
Festspielchefinnen Eva Wagner-Pasquier (l.) und Katharina Wagner.
Auf eine Krise deuten derzeit auch Gerüchte um angebliche Verbote für die scheidende Festivalchefin Eva Wagner-Pasquier hin. Deren Anwalt Peter Raue hatte gegenüber der dpa erklärt, er habe ein Schreiben erhalten, wonach Wagner-Pasquier in Vertragsfragen und beim Casting kein Mitspracherecht mehr haben solle. Zudem solle die 70-Jährige vom 1. Juni bis zum 20. Juli 2015 nicht auf dem Grünen Hügel anwesend sein. Es gebe seinen Recherchen zufolge allerdings keinen derartigen Beschluss der Gesellschafterversammlung. Georg von Waldenfels, Chef der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, sagte dazu nur: "Keiner wird am Hügel stehen und zu Frau Wagner-Pasquier sagen, sie habe hier nichts zu suchen."

Die Festspiele beginnen am 25. Juli 2015 mit "Tristan und Isolde" in einer Inszenierung von Festspielchefin Katharina Wagner. Wenn ihre Halbschwester Wagner-Pasquier im September ausscheidet, wird die 37-Jährige alleinige Hügelchefin sein.

Kulturzeit-Interview mit ...
© ZDFVideoPeter Raue, Anwalt
zum angeblichen Hügelverbot für seine Mandantin Eva Wagner-Pasquier (11.06.2015)
Zur Person
Nike Wagner wuchs mit ihren Geschwistern Iris, Wolf-Siegfried und Daphne in Bayreuth auf, ihr Vater Wieland leitete gemeinsam mit Bruder Wolfgang Wagner die Festspiele. Nach Wielands Tod 1966 war das Kapitel Bayreuth für den Wieland-Zweig zunächst beendet. Nike Wagner studierte Musik-, Theater- und Literaturwissenschaft in Berlin, Chicago, Paris und Wien und promovierte über Karl Kraus.

Bis 2013 leitete sie das Kunstfest Weimar, nun ist sie Chefin des Beethovenfests in Bonn. Publizistisch setzte sie sich immer wieder mit Bayreuth, den Festspielen und Richard Wagner auseinander. Ihre Versuche, die Leitung des weltberühmten Festivals zu übernehmen, scheiterten.
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