© Florian Mehnert
Florian Mehnert erlangte internationale Aufmerksamkeit durch Kunstprojekte und Ausstellungen zum Thema Überwachung.
Florian Mehnert erlangte internationale Aufmerksamkeit durch Kunstprojekte und Ausstellungen zum Thema Überwachung.
Kulturzeit fragt ... Florian Mehnert
Kulturschaffende zur Vorratsdatenspeicherung
Der deutsche Künstler Florian Mehnert erlangte mit mehreren Kunstprojekten und Ausstellungen zum Thema Überwachung international Aufmerksamkeit. In seinem Kunstprojekt "Waldprotokolle" verwanzte er Wege und Lichtungen in Wäldern mit Mikrofonen, die vorbeigehende Passanten abhörten. In seiner Videoinstallation "Menschentracks" zeigte er 42 Videosequenzen gehackter Smartphones, deren Kameras und Mikrofone ferngesteuert aktiviert wurden.
In dem Echtzeit-Videoprojekt "11 Tage" ließ er Besucher einer Website per Mausklick eine Paintball-Pistole steuern, die sich im Käfig einer Ratte befand. Nach elf Tagen sollte der Besucher die Möglichkeit bekommen, die Ratte abzuschießen. Das Projekt wurde wegen Klagen vorzeitig beendet. Wir haben den Künstler zur Vorratsdatenspeicherung befragt:

Worin sehen Sie die größten Probleme und Gefahren der Vorratsdatenspeicherung?

Die Vorratsdatenspeicherung ist ein elementarer Baustein, der weg von der Demokratie, hin zu einer "Monitorkratie" führt [engl. monitoring = Überwachung]. Ein ganzes Volk wird unter Generalverdacht gestellt. Niemand wird die Auswertung, Verwertung oder Löschung dieser Daten kontrollieren können. Mit der Vorratsdatenspeicherung wird offiziell die totale Überwachung manifestiert. Der Einzelne ist nicht mehr frei, wenn er beobachtet wird. Eine Gesellschaft unter ständiger Überwachung ist keine Demokratie. Wir erfahren den Verlust unserer Privatheit, den Verlust unserer Freiheit.

Inwiefern gefährden staatliche Überwachung und Vorratsdatenspeicherung Kunst und Kultur?

Kunst und Kultur brauchen Freiheit, um sich zu entfalten. Demokratische Freiheit, in der ohne Gefahr für den Einzelnen, jede Meinung, jeder Gedanke geäußert und diskutiert werden darf. Ständige Überwachung aber führt zu Angst, zur einer Selbstzensur der Menschen. Dann zu einer Zensur der Kunst und Kultur. Hinter jeder Kunst steht ein Künstler, für den die eigene Kunst plötzlich zu einer persönlichen Bedrohung wird.

Müssen sich Kunst und Kultur mit den Folgen und Entwicklungen der modernen Überwachung auseinandersetzen - und wenn ja, wie sollte dies aussehen? Was kann die Kunst tun?

Die Kunst kann Augen und Ohren öffnen, Unsichtbares sichtbar machen, Abstraktes veranschaulichen. Sie kann provozieren und damit zur Diskussion und zur Auseinandersetzung über die Überwachung und deren Folgen anstoßen. Die Kunst ist ein mächtiges Werkzeug, sie bietet die Plattform zu einem offenen Diskurs, zu einer offenen freien Auseinandersetzung.

Info
© clipdealerThe Walking Data
Wie steht die Kultur zur Vorratsdatenspeicherung?