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Mehr als 400 afrikanische Flüchtlinge sind am 3. Juni 2015 in Sizilien gelandet.
Seeblockade muss her!
Volker Heins zur Festung Europa
Volker Heins ist Leiter des Forschungsbereichs Interkultur am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und lehrt politische Theorie an der Ruhr-Universität Bochum. Er plädiert im Kulturzeit-Interview für eine Seeblockade. Damit würde sich Europa aus dem Dilemma befreien, das Risiko des massenhaften Ertrinkens von Flüchtlingen in Kauf zu nehmen.
"Das Bild von der Festung Europa kann man unterschiedlich verstehen", sagt Heins in Kulturzeit. Es sei ein "ganz schlechtes Bild", wenn man damit Abschottung und Gleichgültigkeit vor denen meine, "die in einem Wassergraben vor der Festung Europa ertrinken", so Heins. Eine Festung mit heruntergelassenen Zugbrücken, "in der sich die Bewohner darüber unterhalten, nach welchen Kriterien Außenstehende aufgenommen werden" - diese Deutung wäre ihm "ganz sympathisch", so Heins, weil sie Wert darauf lege, dass diejenigen, die in der Festung leben, ihre Grenzen sichern, sich aber für das Land um die Festung herum interessierten,sich aber das Recht vorbehalten zu entscheiden, "wer rein gelassen wird und wer nicht".

Eine "Art von Sozialdarwinismus"
Volker Heins plädiert für eine Seeblockade vor den Küsten Libyens. "Libyen deswegen, weil es dort keine Regierung gibt, mit der man kooperieren kann." Dahinter stecke die Idee, die jetzige Situation - bestehend aus einer "Art von Sozialdarwinismus" - grundlegend zu verändern: Nur diejenigen haben eine Chance, einen Asylantrag zu stellen, "die es überhaupt an die Küsten schaffen, die das Geld haben, die Schlepper zu bezahlen und die dann auch noch den Weg über das Meer überleben", so Heins. Seit dem Jahr 2000 seien mehr als 23.000 Menschen ertrunken. "Das ist eine unglaublich hohe Zahl." Um diejenigen, die ankommen, werde sich gekümmert, so Heins weiter - "und über die sprechen wir. Eine Seeblockade hätte den Sinn, eine andere Ausgangsituation zu schaffen."

Neben der Seeblockade müsste es laut Heins auch legale Möglichkeiten der Einreise geben. "Man müsste darüber nachdenken, welche Formen es gäbe, in den Herkunftsländern der Migrationströme Anlaufstellen zu schaffen, wo geprüft wird, wer einen Passagierschein nach Europa erhält."

Gesellschaft
Europa muss eine Festung bleiben!
Die Thesen des Journalisten Dirk Schümer