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Beitrag (07.02.2018)Beitrag (07.02.2018)
Klaus Staeck, 1938 in Pulsnitz geboren, ist der wohl bekannteste deutsche Plakatkünstler. Neun Jahre lang leitete er die Berliner Akademie der Künste.
"Ich bin einer der Chronisten des Weltuntergangs"
Grafiker Klaus Staeck zum 80. Geburtstag
Neun Jahre lang, von 2006 bis 2015, leitete der Grafiker Klaus Staeck die Berliner Akademie der Künst. Heute ist er Ehrenpräsident - und wird anlässlich seines 80. Geburtstags für sein künstlerisches wie gesellschaftliches Schaffen gewürdigt. Unter anderem mit einer umfangreichen Retrospektive im Folkwang-Museum in Essen. Titel "Sand fürs Getriebe".
Staeck sei als Künstler und Verleger mit teils sehr provokanten und mutigen Arbeiten für demokratische Ziele eingetreten, betonte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in einem Glückwunschschreiben am 27. Februar 2018 in Berlin. Als langjähriger Präsident der Akademie der Künste in Berlin habe er Mut zu Veränderungen bewiesen. "Mit fast schon preußischer Beharrlichkeit haben Sie die Akademie aus der Krise hinaus in sicheres Fahrwasser geführt und sie zu einem wichtigen kulturellen Anlaufpunkt in der Hauptstadt gemacht", so Grütters. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen belegten die gesellschaftliche Bedeutung seines Wirkens.

Zum Ende seiner Akademie-Amtszeit 2015 hatte sich auch Staeck zufrieden gezeigt. "Ich glaube, dass es in den neun Jahren gelungen ist, diese ehrwürdige Einrichtung in unserer Zeit ankommen zu lassen", hatte er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa betont. Zu seinem Amtsbeginn sei die Existenzberechtigung der Akademie der Künste noch infrage gestellt worden, doch das habe sich gründlich geändert. "Inzwischen behauptet niemand mehr, wir seien eine verstaubte Institution. Wir werden wieder respektiert, unsere Stimme wird gehört."

Müller: "Begnadeter multimedialer Satiriker"
Auch Berlins Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), bescheinigte dem Künstler, Grafiker und Juristen zum Geburtstag eine "radikale persönliche und geistige Unabhängigkeit", die ihn stets davor bewahrt habe, sich von irgendjemandem vereinnahmen zu lassen. "Will man den Kern seines gesellschaftlichen Engagements mit einem Wort beschreiben, dann ist es Gerechtigkeit, die Klaus Staeck immer als vor allem soziale Gerechtigkeit begriffen hat und begreift", so Müller. Zudem sei er ein "begnadeter multimedialer Satiriker".

Klaus Staeck wurde 1938 im sächsischen Pulsnitz geboren und wuchs in Bitterfeld auf, wo er den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 miterlebte. In der Schule litt er unter der kommunistische Ideologie. Unmittelbar nach dem Abitur 1956 siedelte er nach Heidelberg über. Von 1957 bis 1962 studierte er Jura in Heidelberg, Hamburg und Berlin. Ab Anfang der 1970er Jahre arbeitete Staeck als Grafiker und wurde für seine Politsatire bekannt. Sein Hauptwerk umfasst rund 300 Plakate und Postkartenserien.

Kulturzeit-Interviews mit Klaus Staeck ...

2018: "Sand fürs Getriebe" © dpa
2018: "Sand fürs Getriebe"
2015: zu "Charlie Hebdo" © dpa
2015: zu "Charlie Hebdo"
2014: zu TTIP © dapd
2014: zu TTIP

2013: zum Tod von Walter Jens © dpa
2013: zum Tod von Walter Jens
2013: zu Nichwählern © dpa
2013: zu Nichwählern
2012: zum Thema  Weltuntergang ("Kulturtube") © dpa
2012: zum Thema Weltuntergang ("Kulturtube")

 

"Kulturzeit" gegenüber hat sich Klaus Staeck all die Jahre immer sehr verbunden gefühlt und sich vielfach zu gesellschaftspolitischen Themen geäußert, etwa Ende 2012, als Esoteriker sich auf das Szenario des Weltuntergangs vorbereiteten. "Ich bin einer der Chronisten des Weltuntergangs", hatte Staeck mal gesagt. Zum Beispiel gehe das analoge Leben unter. "Die Leute kaufen nur noch im Internet, damit die kleinen Geschäfte und Buchhandlungen verschwinden, sie wollen das Bargeld abschaffen - alles Entwicklungen, die rasend schnell gehen. Das beunruhigt mich als jemand, der anders groß geworden ist, der auch Kunst anders begreift. Ich möchte nicht alles übers Internet sehen, sondern auch eine Zeitung wie die 'Frankfurter Rundschau' in die Hand nehmen."

Vor Großkonzernen wie Google warnte Staeck. "Alle gucken zu Google, doch wenn Google der Einzige ist, der uns das Wissen vermittelt und so das Wissen im Netz filtert, oder die sozialen Netzwerke - eine wunderbare Geschäftsidee, die unsere Daten abzockt, wie das bisher ein Orwell sich nicht hat vorstellen können - da ist meine Aufgabe immer wieder zu sagen, die Aufklärung muss her. Wir müssen uns erinnern, was es mal gegeben hat an Vernunft, auch wenn sie jeden Tag stirbt."

Sendedaten
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Hintergrund
Akademie der Künste
Die Akademie der Künste ist eine mehr als 300 Jahre alte Institution. Gegründet wurde sie 1696 zur Zeit von Preußen-König Friedrich I. als " Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architectur-Kunst".

Die wichtigste Aufgabe der Akademie ist es "die Künste zu fördern und die Sache der Kunst in der Gesellschaft zu vertreten". Außerdem berät und unterstützt die Akademie die Bundesrepublik in Kunst- und Kulturangelegenheiten.

Wer heute Mitglied werden will, muss vorgeschlagen und gewählt werden - und bleibt zeitlebens Akademiemitglied, was zu einem eher hohen Durchschnittsalter der Mitglieder führt.

Mit jährlich 18 Millionen Euro wird die Akademie vom Bund finanziert. Nach dem Fall der Mauer wurden die Akademien West und Ost 1993 vereinigt. Frühere Präsidenten waren etwa Heinrich Mann (Ost), Günter Grass (West) und Walter Jens (West und vereinigt).

(Quelle: dpa)