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© Iris Ranzinger, KÖR GmbH, 2015 Lupe
Die Schweizer Künstlerin Simone Zaugg hat ein begehbares Labyrinth als Gedenkort für homosexuelle NS-Opfer und Transgender NS-Opfer konzipiert.
Mahnmal auf Zeit
Gedenken an homosexuelle NS-Opfer in Wien
Berlin hat seit 2007 ein Homosexuellen-Mahnmal. Nun bekommt auch Wien eines - doch nur für ein Jahr. Dann wird das begehbare Mahnmal für homosexuelle NS-Opfer und Transgender NS-Opfer wieder abgebaut. Denn für Wiener Naschmarkt, an dem es am 28. April 2015 eröffnet wird, ist 2016 eine Sanierung geplant.
Doch warum errichtet man ein Mahnmal, das von Homosexuellen-Verbänden wie der österreichischen Homosexuellen-Initiative (HOSI) seit Langem eingefordert wird, überhaupt an einem Ort, an dem es nicht bleiben kann? Eine Antwort darauf nennt Bezirksvorsteher Markus Rumelhart (SPÖ) auf wien.ORF.at.

So sei der Naschmarkt ganz bewusst ausgewählt worden. "Anders als bei den jüdischen Opfern, die aus ihren Wohnungen gezogen wurden, gab es bei der Verfolgung von Homosexuellen eine andere Art des Zugriffs", erläutert Rumelhart. "Hier war es vor allem der Verrat von Bekannten an Orten, die als Treffpunkt galten und in der umliegenden Lokalszene - wie der Naschmarkt."

Künstlerin: "ein Erlebnis, eine Metapher"
Die Schweizer Künstlerin Simone Zaugg - Jahrgang 1968, tätig in Berlin und Bern - hat das Mahnmal als begehbares, temporäres Labyrinth konzipiert. Sie nennt ihr Werk "Raising The Bar". Die englische Redewendung meint das Höherlegen einer Messlatte, spielt auf die Ambivalenz zwischen unerreichbaren Maßstäben und der Idee von Barrieren an, die überwunden werden können.

"Die Installation ist ein Sinnbild, ein Erlebnis und eine Metapher, die das Publikum einlädt, im Gehen und Weitergehen zu gedenken und mitzudenken", sagt Simone Zaugg. Ihr Werk entstand im Rahmen von Kunst im öffentlichen Raum Wien (KÖR). Bis zum Frühjahr 2016 wird "Raising The Bar" direkt am Naschmarkt stehen.

Homosexuellen-Initiative unzufrieden
Die österreichische Homosexuellen-Initiative indes ist weder mit dem temporären Mahnmal zufrieden, noch mit der Widmung des Mahnmals für zwei Opfergruppen. "Es ist nach wie vor unsere zentrale Forderung, ein permanentes Mahnmal den homosexuellen NS-Opfern zu widmen, ohne andere Opfergruppen hineinzupacken", sagt Christian Högl von HOSI auf wien.ORF.at. Über ein permanentes Mahnmal wird diskutiert, auch eine Fachkonferenz zum Thema hat erste Ergebnisse erarbeitet, die im Juni präsentiert werden sollen.

Mahnmal
Küsse bleiben länger
Das Homosexuellen-Mahnmal in Berlin