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© Daniela Friebel Video
Der Architekt Eike Roswag ist Kairos-Preisträger 2015.
Teamplayer mit Weitblick
Der Kairos-Preisträger Eike Roswag
Wer sich schon einmal mit ökologischer Architektur beschäftigt hat, dem ist Eike Roswag bereits über den Weg gelaufen. Er ist der Architekt für nachhaltiges Bauen, weit über Deutschlands Grenzen hinaus, ob in Bangladesch, Mosambik oder Marokko, Abu Dhabi oder Berlin. Jetzt hat er den Kairos-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung erhalten.
Beim nachhaltigen Bauen, "der Umwelt zuliebe", testen Eike Roswag und sein Team gerne Grenzen aus: Aus einer einfachen alten Remise in Bayern ist beispielsweise etwas Neues geglückt - mit historischem und neuem Baumaterial. Tradition trifft Avantgarde. Herausgekommen ist ein Haus, das mehr als 30 Prozent unter dem Energiebedarf eines vergleichbaren Neubaus bleibt. Hülle und Konstruktion des Tragwerks sind alt, innen ist alles neu. Bei dieser Arbeitsweise ist traditionelles Wissen gefragt, denn früher wurde ganz automatisch sorgsam mit wertvollen Rohstoffen umgegangen. Heute verschlingt allein der Bausektor 50 bis 60 Prozent unserer Ressourcen.

Lehm - Baustoff der Vergangenheit und Zukunft
© ZDF Lupe
Aus der alten Scheune wurde ein modernes Niedrigenergie-Haus.
Lehm ist der Baustoff der nachhaltigen Architektur. Gut die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in einfachsten Lehmbauten. Lehm reguliert die Feuchtigkeit, schafft ein konstantes Raumklima. In Mosambik haben Roswag und Team auf die lokale Bautradition gesetzt und elf Schulen gebaut - alle von Hand, ganz ohne Maschinen. Der einzelne Bau ist so konzipiert, dass er auch als Moschee oder Lagerhalle genutzt werden kann. Entstanden ist ein universelles Bausystem.

Im Berliner Büro der Architekten und Ingenieure Ziegert, Roswag und Seiler wird mit Lehm experimentiert und geforscht. Sie betreiben Baustoffentwicklung. Christoph Ziegert, Professor für Lehmbau, hat DIN-Normen geschrieben. Ingenieur Seiler ist Spezialist für Tragwerkskonstruktionen. Auch Roswags Lebensgefährtin, die Architektin Andrea Klinge, arbeitet im Büro. Arbeiten und Leben gehören in diesem Architekturbüro zusammen, manche kennen sich schon seit dem Studium.

Nicht nur "Business" ist wichtig
© ZDF Lupe
Roswag versteht sich als Teamplayer.
Zur Philosophie von Roswags Arbeitsgemeinschaft gehört auch, nicht immer weiter wachsen zu wollen. Es geht nicht vorrangig um ein "Businessmodell", sagt Roswag. 20, 30 Mitarbeiter, mehr sollen es nicht sein. Roswag, mit sieben Geschwistern auf einem großen Bauernhof aufgewachsen, versteht sich als Teamplayer. 2005 baute er in Bangladesch eine Schule, ehrenamtlich und zusammen mit der Architektin Anna Heringer. Sie schafften es, die lokale Bauweise aus Lehm und Bambus sicherer vor den jährlichen Überschwemmungen zu machen.

Die "School handmade" sorgte weltweit für Furore und brachte den jungen Architekten den Aga Khan Architekturpreis ein. Danach wurde Roswags Begeisterung für Lehm nicht mehr nur belächelt. Natürlich seien sie Idealisten, sagt er, mit starker Programmatik. "Gerade über die große Diskussion der Nachhaltigkeit, die aus der Ökologie kommt, die Ressourcen-Diskussion, die auch ganze Städte, Quartiere betrachten soll, haben wir die Chance, den Dialog wieder in die Gesellschaft reinzutragen", sagt Roswag.

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Kulturzeit extra: Müll - Das Gold der Zukunft
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Info
Der 2007 ins Leben gerufene Kairos-Preis ist einer der höchstdotierten Kulturpreise in Europa. Er soll Kulturschaffenden Impulse für ihr weiteres Wirken geben. Frühere Preisträger waren die französische Öko-Designerin Katell Gélébart und die türkischstämmige Theatermacherin Shermin Langhoff.

(Quelle: dpa)