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Jedes Jahr am 27. Januar wird weltweit der Opfer des Holocaust gedacht. Die Todesfabrik Auschwitz-Birkenau wurde zum Symbol des Völkermords an Millionen Menschen.
Fabrik des Todes
Zum 73. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz
Mehr als eine Million Tote, die meisten von ihnen Juden: Mit dieser unfassbaren Zahl wurde Auschwitz weltweit zum Symbol des Holocaust. Als Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 das Konzentrationslager befreiten, fanden sie dort noch etwa 7000 kranke und völlig entkräftete Häftlinge, darunter auch Kinder. Jedes Jahr am 27. Januar erinnert sich die Welt daran.
Auch der Deutsche Bundestag erinnert jährlich in einer Gedenkstunde an die Opfer des Holocaust. So wird dieses Jahr die deutsch-britische Musikerin und Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch (92) am 31. Januar vor dem Deutschen Bundestag als eine der letzten Zeitzeuginnen sprechen. Bei ihrer Rede will sie vor einem wieder zunehmenden Antisemitismus warnen. "Menschen lernen selten aus der Geschichte. Sie sehen ja, was heute in der Politik los ist", sagt sie. "Auch deshalb spreche ich über den Antisemitismus, weil Menschen wieder Mut gefasst haben, solche Positionen offen auszusprechen."

 

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Youtube: WDR-Doku "Inside Auschwitz" in 360 Grad
Der WDR zeigt mit einer 360-Grad Dokumentation eine neue Sichtweise auf das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Ein Journalisten-Team besuchte den historischen Ort und erzählt die Geschichten von drei überlebenden Frauen.
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Ihre Rede vor dem Deutschen Bundestag halte sie auch stellvertretend für die vielen, die verfolgt und ermordet wurden, sagt sie. "Es gibt nicht mehr viele Augenzeugen wie mich. Es ist eine Pflicht", so Anita Lasker-Wallfisch. "Wenn wir nicht mehr da sind, ist niemand mehr da, der davon berichten kann." Als 18-Jährige wurde Anita Lasker-Wallfisch in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Weil sie Cello spielen konnte, wurde die jüdischstämmige Breslauerin Mitglied im Frauenorchester des Lagers. Das rettete ihr das Leben.

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Groß angelegter Völkermord an Millionen von Menschen
Der groß angelegte Völkermord an Millionen von Menschen durch die Nationalsozialisten begann mit Erschießungen tausender durch SS und Polizei nach dem Überfall auf Polen 1939. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 stiegen die Opferzahlen sprunghaft an. Um mehr Menschen möglichst schnell töten zu können, bauten deutsche Besatzer in Polen große Vernichtungslager mit Gaskammern.

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurde 1940 vor der Stadt Oswiecim (Auschwitz) im südlichen Polen errichtet. In den folgenden Jahren wurde das Areal ausgebaut und bestand schließlich aus einem Stamm-, Vernichtungs- und Arbeitslager, sowie rund 40 Nebenlagern. In Birkenau gab es die meisten Einrichtungen zur Massenvernichtung. In die Lager im besetzten Polen wurden zunächst nur polnische Häftlinge gebracht. Später folgten Juden, sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma und Häftlinge aus anderen Ländern.

Kunstprojekt "Keep The Memory Alive"

Der britische Holocaust Memorial Day Trust hatte 2015 zum 70. Jahrestag der Berfreiung von Auschwitz verschiedene Künstler mit Holocaust-Überlebenden zusammengebracht. Entstanden sind Collagen, Filmporträts und eine ganz andere, sehr berührende Form der Erinnerung.

Interviews

<b>Holocaust-Überlebende Eve Kugler</b> © ZDF
Holocaust-Überlebende Eve Kugler
<b>Poetin Sarah Hesketh</b> © ZDF
Poetin Sarah Hesketh
<b>Holocaust-Überlebende Bettine Le Beau</b> © ZDF
Holocaust-Überlebende Bettine Le Beau
<b>Grafiker Martin O'Neill</b> © ZDF
Grafiker Martin O'Neill

 

Auschwitz wurde ab 1942 zur regelrechten Todesfabrik. Direkt aus den Güterzügen wurden die zur Vernichtung ausgewählten Menschen in die Gaskammern geführt und mit Zyklon B ermordet. Den nicht sofort für den Tod bestimmten Häftlingen erging es kaum besser: "Vernichtung durch Arbeit" hieß die Devise. Andere wurden Opfer von medizinischen Versuchen, die unter anderem der Lagerarzt Josef Mengele durchführte.

SS verwischte Spuren
Als im Juli 1944 die sowjetischen Truppen bis auf 200 Kilometer vorrückten, begann die Räumung des Lagers. Mit Lastwagen und Zügen wurden Material und die Hälfte der 155.000 Häftlinge in Konzentrationslager im "Altreich" deportiert. Erst im November wurden auf Heinrich Himmlers Befehl die Vergasungen in allen Lagern eingestellt. Die Lager-SS begann, die Tötungsanlagen zu demontieren und die Spuren zu verwischen. Am 17. Januar 1945 wurden 58.000 Insassen aus Auschwitz evakuiert. Auf dem tagelangen Fußmarsch Richtung Westen starben nochmals tausende. Nur 43.000 kamen am Ziel an. Im Lager versuchte die SS fieberhaft, alle Zeugnisse des Massenmords zu verbrennen. Die Krematorien wurden gesprengt, Massengräber mit Grasnarben getarnt.

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Von den Getöteten blieben nur ihre Habseligkeiten.
Als die Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 das Lager erreichten, fanden sie dort noch 7000 Menschen und mindestens 600 Leichen vor. Der ehemalige Soldat Iwan Martynuschkin, damals 20 Jahre alt, erinnerte sich 2005 als 81-Jähriger: "Man konnte überhaupt nicht mehr sehen, ob es Männer waren oder Frauen, Alte oder Junge. Es waren menschliche Wesen mit weitaufgerissenen Augen und durchsichtiger Haut, sie lachten und weinten gleichzeitig." In den Magazinen fanden die Befreier unter anderem 837.000 Damenmäntel und Kleider sowie 7,7 Tonnen transportfertig verpacktes Menschenhaar. Seit 1996 gedenken die Deutschen jeweils am 27. Januar der Millionen Opfer des Völkermords. Im November 2005 verabschiedete auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die den 27. Januar zum weltweiten Gedenktag macht.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
live um 19.20 Uhr
Ausstellungen zum Thema
"Auschwitz - eine deutliche Spur"
Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin
bis 31.03.2018

"Survivors, Victims, Perpetrators"
Bilder des Mannheimer Fotografen Luigi Toscano
UN-Hauptquartier, New York (US)
bis 28.02.2018

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