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© Reuters Lupe
In Mossul sei ein "richtiger Staat entstanden", mit Gesundheitswesen und innerer Sicherheit, berichtet Jürgen Todenhöfer.
Aufklärung oder Progapanda?
Jürgen Todenhöfers IS-Interview in der Kritik
Im Dezember 2014 ist Jürgen Todenhöfer als erster deutscher Journalist zehn Tage lang durch das selbsternannte Kalifat der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Norden des Irak gereist. Während seiner Reise entstand unter anderem ein Fernsehinterview mit dem deutschen Dschihadisten Christian Emde, das jetzt nach seiner Veröffentlichung für Wirbel in der deutschen Printpresse sorgt.
"Man kann Gegner nur besiegen, wenn man sie kennt", schreibt Todenhöfer im Beiwort zu dem Interview mit Christian Emde auf seiner Homepage. Der 30-jährige Emde war 2003 zum Islam konvertiert und in der nordrhein-westfälischen Islamistenszene Solingens aktiv. 2011 wurde er in Großbritannien mit Bombenbauplänen verhaftet und 2012 zu einer Haftstrafe verurteilt. Im gleichen Jahr soll er nach Syrien verschwunden sein.

Sieben Monate lang sei er über Skype mit IS-Kämpfern im Nordirak in Kontakt gewesen, berichtet der 74-jährige Todenhöfer in dem Interview, das am 15. Januar 2015 in einer Spezialausgabe des RTL-"Nachtjournals" gesendet wurde. Erst nach umfangreichen Sicherheitsgarantien habe er sich auf die Reise eingelassen. Dazu brauchte es einigen Mut. Andere Journalisten hatten nach der Ermordung der beiden US-Journalisten James Foley und Steve Scottloff Einladungen der Terrormiliz aus Sicherheitsbedenken und aus moralischen Gründen abgelehnt.

Breite Kritik in den Medien
Nach der Veröffentlichung des Interviews wurde in zahlreichen Medien Kritik laut. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bemängelt etwa, dass man aus dem Interview nichts Neues erfahre. Als eine "Werbeplattform für die IS-Terrormiliz" sieht "Die Welt" das Interview. "Er kam als vermeintlicher Aufklärer und ging den Terroristen des Islamischen Staates am Ende doch auf den Leim", schreibt das Blatt. Die "Süddeutsche Zeitung" spricht sogar von einem "Infoporno" anstelle von Aufklärung. Man bekomme lediglich die Mordfantasien des IS in deutscher Übersetzung präsentiert. Sei das der richtige Weg, um der Propaganda eines Fundamentalisten beizukommen, fragt die Zeitung.

Kulturzeit-Gespräch ...
© zdfVideo... mit Jürgen Todenhöfer, Journalist und Terrorismusexperte
(19.01.2015)
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