kulturzeit
Kalender
November 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
31
0102
03
04
0506070809
10
11
1213141516
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
01
02
© dpa Lupe
Viele ausländische Medien würdigen auch die Gegendemonstrationen.
Kritik & Verständnis
Weltweites Presseecho auf Pegida
Die Mahnungen der Bundeskanzlerin halfen nicht: In Dresden sind am 5. Januar 2015 bei der Pegida-Demonstration rund 18.000 Menschen auf die Straße gegangen - Rekordbeteiligung. In Köln gaben die Pegida/Kögida-Anhänger jedoch angesichts tausender Gegendemonstranten den Protestzug schließlich auf. Mittlerweile setzt sich auch die ausländische Presse mit der Pegida-Bewegung in Deutschland auseinander - zumeist kritisch, teils aber auch verständnisvoll.
Internationale Nachrichtensender wie CNN, BBC und Al-Dschasira haben am 6. Januar die Pegida-Demonstration in Dresden zum Thema gemacht.

Großbritannien
Die britische "Times" schreibt über die Proteste der "Patriotischen Europäer gegen eine Islamisierung des Abendlandes": "Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg macht eine populistische Bewegung ihr Recht geltend, sich öffentlich über eine ethnische Minderheit zu beklagen - und das Establishment hat Angst." BBC News befindet: "Was schockiert, sind die Zahlen bei den Demonstrationen. Das moderne Deutschland ist Szenen wie diese nicht gewohnt."

Spanien/Niederlande
In Spanien brachten die beiden wichtigsten Zeitungen das Thema am 6. Januar groß mit Bild auf Seite eins. Die rechtsliberale "El Mundo" schrieb, Pegida sei dabei, "die dunkelsten rassistischen Vorurteile im tiefsten Deutschland aufzuwärmen." Der niederländische "Volkskrant" mutmaßt über die Beweggründe für die Dresdener Kundgebungen: "Der 'Wutbürger' fürchtet, sein Land zu verlieren."

Dänemark
Die liberale dänische Tageszeitung "Politiken" (Kopenhagen) versucht, die Motive der Demonstranten zu ergründen. "Viele Europäer fühlen sich entfremdet von den Entwicklungen in der Welt (...). Sie erleben nicht, dass die politischen Prozesse zu ihrer Wirklichkeit passen und haben vielleicht das Gefühl, dass die Systeme die direkte Ursache für den Verlust ihres Arbeitsplatzes oder schlechtere Arbeitsbedingungen sind. Sie fühlen sich nicht repräsentiert."

Tschechien
Die konservative Zeitung "Lidove noviny" aus Tschechien äußert auch Verständnis für die Pegida-Demonstranten und meint, Ziel seien nicht Muslime als solche, "sondern das gesamte Regierungs- und Medienestablishment der Bundesrepublik". Weiter heißt es: "Es ist das Problem einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen den Meinungen der Eliten und den Meinungen eines immer größer werdenden Teils der Gesellschaft auseinandergeht." Die Demonstranten übertrieben zwar demagogisch die Zahlen und die Gefahren. "Aber seit wann entscheidet die Bundeskanzlerin - und nicht die Gerichte - darüber, wo die Grenze zwischen Freiheit der Kritik und Hetzerei verläuft?", fragt "Lidove noviny".

Russland
Auch die russische "Moskowski Komsomolez" versucht ihren Lesern, das Phänomen zu erläutern: "Überall in Europa stieg zuletzt die Anti-Islam-Stimmung, Grund ist wohl auch eine wachsende Zahl illegaler Einwanderer."

Türkei
Die türkische "Hürriyet" brachte ein Foto vom unbeleuchteten Kölner Dom auf der Titelseite. Überschrift: "Verdunkelung der Islamophobie". Auf seiner Internetseite meint das Blatt mit Blick auf die vielen Anti-Pegida-Demonstrationen: "Deutschland lässt Pegida nicht passieren." Eine ähnliche Überschrift wählt die Nachrichtenagentur Anadolu: "Deutschland hat Pegida 'Stopp' gesagt". Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" beleuchtet Pegida im Zusammenhang mit dem "Aufstieg der radikalen Rechten" in Europa.

Katar
Der Fernsehsender "Al-Dschasira" mit Sitz im Golfstadt Katar legt den Akzent auf die Gegendemonstrationen und überschreibt einen Online-Artikel: "Deutsche Städte erheben sich gegen Islamfeindlichkeit von Pegida".

Schwerpunkt
"Wir sind das Volk!"
Kulturzeit-Schwerpunkt zu Pegida
Kulturzeit-Gespräch ...
© ZDFVideo... mit Robert Koall, Chefdramaturg Staatstheater Dresden
(08.12.2014)
Gesellschaft
Das Jahr der Montagsdemos
Kulturzeit blickt zurück
Info
Pegida
Die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) fürchten eine Islamisierung Deutschlands und Europas. Seit dem 20. Oktober 2014 organisieren die Verantwortlichen wöchentliche Demonstrationen gegen eine aus ihrer Sicht verfehlte europäische und deutsche Einwanderungs- und Asylpolitik.

Inzwischen gibt es in vielen anderen Städten Ableger der Dresdner Bewegung, bei der sich auch Neonazis, Hooligans und bekennende Islamfeinde unter das Bürgertum mischen. Zudem mehren sich rechtsextreme Übergriffe auf Asylbewerberheime und Proteste gegen neue Flüchtlingsunterkünfte.