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SENDUNG vom 02.12.2016
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© colourbox.de Video
Die Beziehung zwischen Sender und Publikum befindet sich im Umbruch.
Zukunft des Fernsehens
Gedanken zu 30 Jahren 3sat
Die Qualitätsmedien stehen unter einem neuen Rechtfertigungszwang. Besonders die Ukraine-Berichterstattung hat 2014 zu zahlreichen Programmbeschwerden und Leserzuschriften geführt. Unklare Fronten. Verdächtigungen ohne Ende. Wie damit umgehen?
1956 startet die erste Ausgabe der "Tagesschau". Damals waren die Rollen zwischen Medien und Publikum klar verteilt. Die Deutungshoheit lag bei den Journalisten, das breite Publikum stellte die Autorität und Glaubwürdigkeit journalistischer Inhalte nicht infrage. Mit den neuen Möglichkeiten der Information und der Vernetzung im Internet ist auch das Misstrauen gegenüber den etablierten Medien gestiegen. "Wir haben einen Abschied von der Linearität", sagt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen gegenüber Kulturzeit. "Die Kommunikationsprozesse verlaufen dezentral und sie werden bestimmt von der Eigenmacht und der Eigenkraft des Publikums. Das Publikum selbst ist gleichsam zu Programmverantwortlichen geworden, die sich ihr eigenes Programm zusammenschneiden, ihre eigene Realität konstruieren. Das bedeutet, dass die Marke des einzelnen Senders schwächer wird."

"Kommunikation kennt keine Atempause"
© photocase Lupe
Der Zuschauer hat ein Recht auf qualitativ hochwertiges Programm.
Die Beziehung zwischen Sender und Publikum befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Doch noch immer gilt auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Quote als Gradmesser für Zuschauerakzeptanz. Nur was passiert, wenn das Publikum im Netz sein ganz eigenes Programm zusammenstellt? Was sagt die Quote dann noch aus? Und warum spielt sie im digitalen Zeitalter überhaupt noch eine so große Rolle, wenn es doch eigentlich darum gehen müsste, durch Qualität und Unabhängigkeit wieder mehr Glaubwürdigkeit zu erlangen?

"Man muss sich von der Idee verabschieden, dass man eine Sendung jemals fertig macht, dass Kommunikation mit dem Akt des Sendens endet", so Pörksen. "Kommunikation im digitalen Zeitalter kennt keine Atempause. Kommunikation im digitalen Zeitalter ist immer und auf Dauer. Diese fortwährende Dialogerwartung zu bedienen, darum geht es, dies praktisch zu lösen. Das bedeutet zunächst eine Überforderung."

Echter Dialog mit dem Zuschauer gefordert
© dpa Lupe
Wer ist relevant, wenn die Gesellschaft sich permanent wandelt?
Der Zuschauer hat ein Recht darauf, ein qualitativ hochwertiges Programm zu bekommen, das diese Erwartungshaltung ernst nimmt und dabei die Interessen von Mehrheiten und Minderheiten in den Blick nimmt. In den Gremien der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sollen "gesellschaftlich relevante Gruppen" mitbestimmen. Wer aber ist gesellschaftlich relevant, wenn die Gesellschaft sich permanent wandelt? Strukturen, um jenseits tradierter Wege Zuschauer an der Programmgestaltung zu beteiligen, sind nur rudimentär vorhanden. Zuschauermails und Programmbeschwerden allein reichen nicht mehr aus, um dem Bedürfnis nach Partizipation gerecht zu werden.

"Die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen wird es sein, in einen echten Dialog mit diesem Publikum zu treten", so Pörksen. "In einen Modus der kritischen Partnerschaft. Man soll nicht alles machen, was irgendein Publikum denkt oder sagt, ganz gewiss nicht, das zeichnet guten Journalismus auch nicht aus, aber doch gewissermaßen ein Transparentmachen der eigenen Vorgehensweisen, der eigenen Berichterstattungsformen. Der eigenen Selektionsurteile und Entscheidungen und dann einen Dialog über diese Prozesse, das halte ich für sehr entscheidend."

Anders fernsehen - auch im digitalen Zeitalter
"Anders fernsehen" - vor 30 Jahren war man vor allem stolz auf die technischen Möglichkeiten. Heute könnte es bedeuten, den Zuschauer ganz selbstverständlich am journalistischen Prozess teilhaben zu lassen, interaktive Formate, neue Strukturen der Mitbestimmung. Wenn es gelingt, aus der öffentlichen Wut über Fehlentwicklungen im Journalismus einen solchen Perspektivenwechsel zu entwickeln, dann könnte daraus eine neue Qualität entstehen. Anders fernsehen - auch im digitalen Zeitalter.

30 Jahre 3sat
30 Jahre "anders fernsehen"
Am 01.12.2014 feiert 3sat sein 30-jähriges Jubiläum
Kulturzeit-Gespräch ...
Video... mit Roger de Weck, Generaldirektor SRG SSR
(01.12.2014)
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Fernsehen - eine Bestandsaufnahme
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