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Sie war für das Genre der seichten Musikkomödie einmal das, "was der Nierentisch fürs Wohnzimmer war: bieder, solide und nicht wegzudenken".
Mrs. Blitzsauber
Die US-Schauspielerin Doris Day ist gestorben
Sie bezauberte das Publikum der Nachkriegszeit mit ihrem blütenweißen Sauber-Image. Sie spielte bevorzugt in Hollywood-Komödien, die gut endeten. Dem Charme von Blondschopf Doris Day erlagen selbst Hollywood-Größen wie Cary Grant, Rock Hudson oder Frank Sinatra. Am 13. Mai 2019 ist die US-Schaupielerin im Alter von 97 gestorben.
Ein Kritiker soll sie einmal die "Jungfrau von Dienst" genannt haben. Und im Film "Bettgeflüster" (1959) sah der Sex-Appeal der 1940er- und 50er Jahre, den sie verkörperte, so aus: Doris Day im pastellfarbenen Unterrock auf einer Bettkante sitzend, sich über die frisch rasierten Beine streichend. Gleich in der nächsten Szene zieht sie sich allerdings einen Morgenrock über, den sie - gefühlt - bis zur Halsschlagader zuknöpft. Nur für Sekundenbruchteile gestattet sie dem Kinobesucher den Blick auf ihre nackten Schienbeine und ihr unbekleidetes Dekolleté. Mehr ist nicht.

Einen Imagewechsel lehnte sie ab
© AP Blond, Strahlelächeln, verschämt: Das Publikum liebte sie so.
Blond, Strahlelächeln, verschämt: Das Publikum liebte sie so.
Kommt es auf der Leinwand der Ära zum Äußersten - einem Kuss auf die Lippen eines attraktiven Mannes - so wendet Doris Day sich nach wenigen Sekunden mit einem wonnevollen Seufzen ab, um ihren Kopf an die Schulter ihres um zwei Köpfe größeren Filmpartners sinken zu lassen. Manchmal kichert sie auch dabei. Dafür liebte das Publikum sie. Nur einmal im Leben, 1967, bekam Doris Day die Chance, ihr Sauber-Image loszuwerden. Zu einer Zeit, als mehr Freizügigkeit in Sachen Sex und Erotik Einzug auf die Kinoleinwand hielt. Regisseur Mike Nichols bot ihr die Rolle der Mrs. Robinson in seinem Film "Die Reifeprüfung" an. Doch dafür hätte sie den Filmbräutigam ihrer Filmtochter verführen müssen - und Doris Day lehnte ab. So wurde Dustin Hoffman nicht von ihr, sondern von Anne Bancroft ins Verderben gelockt. Days Filmkarriere endete 1968. Begonnen hatte sie, als Hollywood-Regisseur Michael Curtiz ihr Talent bemerkte. 1948 stand sie erstmals in "Zaubernächte in Rio" für Warner Brothers vor der Kamera. Mit Filmen wie "Spion in Spitzenhöschen", "Mitternachtsspitzen" oder "Ein Hauch von Nerz" eroberte sie die Sympathien des Kinopublikums. Nur ein einziges Mal wurde sie für einen Oscar nominiert: für "Bettgeflüster" an der Seite von Rock Hudson. Ein Hollywood-Traumpaar.

"Ich hatte die beste Zeit", sagte die Schauspielerin einmal über ihr Leben als Schauspielerin. Ihr echtes Leben war dagegen nicht ganz so harmonisch. Mit 19 die erste Scheidung, mit 27 Jahren den dritten Ehemann. Als Doris Days Gatte und Manager Marty Melcher 1968 starb, hatte er ihr Vermögen weitgehend durchgebracht, wie die Schauspielerin 1976 in ihren Memoiren "Doris Day: Her own Story" offenbarte. 1981 wurde sie von Ehemann Nummer vier geschieden. Vom Mann kam sie schließlich auf den Hund. Zuletzt widmete Doris Day ihr Leben dem Schutz von Tieren. Ihre Stiftung "Doris Day Animal League" nahm sich herrenloser, leidender Vierbeiner an. Eine Einladung zu einer Retrospektive ihrer größten Kinohits nach Los Angeles hatte sie 2002 abgelehnt - mit der Begründung, sie wolle doch ihre Hunde und Katzen nicht alleine lassen.

Nur einmal für den Oscar nominiert
© dpa Gemeinsam mit Rock Hudson gab sie ein Hollywood-Traumpaar.
Gemeinsam mit Rock Hudson gab sie ein Hollywood-Traumpaar.
Doris Days großer Erfolg an den Kinokassen wurde nie mit einem Oscar honoriert. Vom Verband der Auslandspresse, der die Golden-Globe-Trophäen verleiht, erhielt Day 1989 einen Sonderpreis für ihr Lebenswerk. 2004 ehrte US-Präsident George W. Bush die "amerikanische Ikone und Bereicherung der Kultur" mit der Freiheitsmedaille, dem höchsten zivilen Orden des Landes. 2008 kam eine Grammy-Trophäe als Auszeichnung für ihre musikalischen Verdienste hinzu. Ihr Song "Que será, será" von 1956 - ein unvergessener Hit. Sie sei für das Genre der seichten Musikkömödie einmal das gewesen, "was der Nierentisch fürs Wohnzimmer war: bieder, solide und nicht wegzudenken", schrieb einmal ein Kritiker. Für viele ist sie auch lange nach dem Ende ihrer Karriere unvergessen geblieben.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr
Spielfilm - In memoriam Doris Day
"Bettgeflüster"
Sonntag, 19.05.2019,
um 21.45 Uhr in 3sat