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© zdf Lupe
Seine Kinderbücher verzauberten Millionen: Erich Kästner
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es"
Zum 40. Todestag des Schriftstellers Erich Kästner
Gebräuchlich sollten seine Werke sein. Das nahm sich Erich Kästner bereits als Junge zu Herzen: "Wenn ich 30 Jahre bin, will ich, dass man meinen Namen kennt. Bis 35 will ich anerkannt sein. Bis 40 sogar ein bisschen berühmt." Das ist ihm gelungen, denn seine Kinderbücher verzauberten Millionen. Am 29. Juli 2014 - vor 40 Jahren - starb Erich Kästner.
"Emil und die Detektive", "Pünktchen und Anton", "Das fliegende Klassenzimmer" - pädagogisch wertvolle Literatur, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Kästner verstand es, einfach und liebevoll Geschichten zu erzählen, denn Kinder ließen den Schriftsteller auf eine bessere Welt hoffen. Doch es gab noch die andere Seite: Der "Autor bitterer und düsterer Gedichte", wie es Marcel Reich-Ranicki 1977 in der FAZ formulierte, gehörte als "Deutschlands hoffnungsvollster Pessimist" zu den "Moralisten, die zugleich Spaßmacher sind".

"Er drückte sich immer einfach und leicht aus"
Kästners "Gesang zwischen den Stühlen" erschien 1932 - eine lyrische Betrachtung zum Untergang der Weimarer Republik und ihrer menschlichen Ideale. Scharf und schlicht rechnet Kästner darin mit seiner Zeit ab. "Er drückte sich immer einfach und leicht aus", so Marcel Reich-Ranicki. "Also befürchtete man, es sei einfältig und ungewichtig. Was er zu sagen hatte, war immer ganz klar. Also vermisste man die Tiefe. Er war witzig, also nahm man ihn nicht ganz ernst."

Den Ersten Weltkrieg erlebte Kästner als Soldat in deutscher Uniform, den Zweiten als von den Nazis erklärter Opponent. Seine Bücher wurden öffentlich verbrannt, während er diesem Geschehen beiwohnte. Doch statt zu emigrieren, blieb Kästner. "Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen. / Mich läßt die Heimat nicht fort. / Ich bin wie ein Baum, der, in Deutschland gewachsen, / Wenn's sein muß, in Deutschland verdorrt", so der leise Kritiker im Epigramm "Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen". Die Gestapo führte ihn mehrmals ab zum Verhör, doch Schlimmeres widerfuhr dem Schriftsteller nicht. Zu populär war seine Gebrauchslyrik beim Volk, die den Nazis ein Dorn im Auge war. Der Platz zwischen den Stühlen war stets sein Liebster.

Resignation machte sich breit
Nach dem Krieg betätigte sich Kästner als Verfasser von Liedern, Hörspielen, Gedichten, Reden und Aufsätzen und im literarischen Kabarett. Doch die Kriegsjahre hatten ihn zermürbt und Resignation machte sich breit. Kästner trank viel und pflegte mehrere Liebschaften. 1957 wurde sein unehelicher Sohn Thomas geboren. Während dieser Zeit zog sich der Schriftsteller allmählich aus dem Literaturbetrieb zurück.

Was bleibt, ist Erich Kästners jugendlicher Wunsch, einmal berühmt zu werden. Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt. Preise und Verdienstorden wurden ihm verliehen. Hunderte deutscher Schulen tragen seinen Namen. Für die meisten ist Kästner vor allem wegen seinen Kinderbüchern ein Begriff. Doch auch der Blick auf seine andere Seite hinterlässt einen tiefen Eindruck. In "Kleines Solo" von 1947 heißt es: "Einsam bist du sehr alleine. / Aus der Wanduhr tropft die Zeit. / Stehst am Fenster. Starrst auf Steine. / Träumst von Liebe. Glaubst an keine. / Kennst das Leben. Weißt Bescheid. / Einsam bist du sehr alleine - und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit."