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© dpa Lupe
"Es ist eine Musik, die niemanden kalt lässt", sagt der Dirigent Peter Rundel über die Musik von Galina Ustwolskaja.
Seelenmusik
Die russische Komponistin Galina Ustwolskaja
Der russischen Komponistin Galina Ustwolskaja widmen die Wiener Festwochen 2014 eine Hommage. Als scheu, zurückgezogen, nahezu ängstlich beschreiben Zeitgenossen die 2006 gestorbene Künstlerin. Als monolithisch, einzigartig, überwältigend ihr schmales Werk.
"Die Musik hat unmittelbare Wirkung - sie gelangt sofort in die Herzen der Zuhörer", sagt Markus Hinterhäuser, Intendant der Festwochen. "Es ist aber sehr extrem, vielleicht schwer zu ertragen, weil sie so unheimlich expressiv ist", so der Pianist Marino Formenti. "Es ist eine Musik, die niemanden kalt lässt", meint Dirigent Peter Rundel. Fünf Trompeten, fünf Oboen, eine Posaune, drei Tuben, drei Schlagwerker, Klavier, Rezitator, fünf Kontrabässe: Allein schon die Besetzung der 3. Symphonie von Galina Ustwolskaja ist höchst ungewöhnlich. "Ich habe eine ganz eigene Welt und verstehe alles von meinem Standpunkt aus. Ich höre, sehe und handle anders als alle Menschen", sagte Galina Ustwolskaja in einem ihrer raren Interviews. Wenig hat sie von sich preisgegeben - klein ist auch ihre Werkliste. Sie umfasst nur 25 Kompositionen.

Klaustrophobie in der Musik
Galina Ustwolksaja wurde 1919 in St. Peterburg geboren - und hat die Stadt kaum jemals verlassen. Sie erlebte den Belagerungsterror der Nazis und den kommunistischen Terror. "Es ist kein Zufall, dass sie St. Petersburgerin war und blieb", sagt Dirigent Peter Rundel. "Sie hatte, glaube ich, auch panische Angst, die Stadt zu verlassen. Und dieses Klaustrophobische findet man auch in der Musik." Auf einer ihrer seltenen Reisen ins Ausland hat Markus Hinterhäuser die scheue Komponistin getroffen: "Man begegnet diesem Menschen, der - aus welchen Gründen auch immer - eine Art Lebenspartner geworden ist, und es ist von der ersten Sekunde an klar, dass jede Frage, die man stellt, eigentlich nicht richtig, sondern schon zu viel ist. Dieses Gefühl hat sich nicht vermittelt, weil sie etwas Böses tun wollte, sondern sie war wirklich so scheu und angsterfüllt, dass wir uns darauf geeinigt haben, ohne es auszusprechen, gar nicht miteinander zu reden - so gut wie nicht."

Die Musik ist offenbar Botschaft genug. Jedes der 25 Werke existiert in genau einer Fassung - einmal niedergeschrieben und nicht wieder verändert. Ustwolskaja habe oft ein Stück zehn Jahre lang einfach im Kopf bearbeitet, bevor sie es fertigstellte, sagt Pianist Marino Formenti. Ustwolskaja musste durchschnittlich 20 Jahre auf die Veröffentlichung ihrer Werke warten - zu radikal war ihr Werk, das sich auch nicht mit dem Begriff "neue Musik" beschreiben lässt. "Eigentlich ist es eine sehr alte Musik, die sich an sehr alten Mustern orientiert", ordnet Markus Hinterhäuser ein. Viele ihrer Werke tragen religiöse Titel, das letzte überschrieb sie gar mit "Amen", denn Gott war ihr Ratgeber, wie Ustwolskaja selbst betonte. Dennoch will sie ihre Kompositionen nicht religiös verstanden wissen: "Meine Werke sind nicht religiös, aber definitiv spirituell, weil ich alles von mir gegeben habe. Meine Seele, mein Herz."

Veranstaltungen
Hommage ab Galina Ustwolskaja
Wiener Konzerthaus und Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus
31.05 und 01.06.2014