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Kulturzeit heute
1. Juni 2016
Moderation
Ernst A. Grandits
Sein kulturelles Interesse ging immer schon weit über den Fernsehbereich hinaus: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit - und beiden die Kulturzeit", sagt Ernst A. Grandits.
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© SWR M. Klug Lupe
2002 zeigte die "Fondation Beyeler" in einer Ausstellung eines der neu entdeckten Rothko-Bilder, das angeblich aus dem Jahr 1956 stammt.
Das Rothko-Komplott
Die Fondation Beyeler und die gefälschten Werke
Ein Kurator, ein Kunstwerk, ein Skandal: Oliver Wick, jahrelang tätig bei der Fondation Beyeler, wird vor einem Gericht in New York angeklagt, ein gefälschtes Werk des Malers Mark Rothko als echt beurteilt und dafür ein Honorar von 450.000 Dollar (rund 328.400 Euro) kassiert haben zu.
2008 setzte die Anwaltskanzlei Urs O. Kraft in Kilchberg am Zürichsee einen Verkaufsvertrag für ein Bild des US-amerikanischen Malers Mark Rothko auf. Im April wurde das Bild "Orange, Red, Blue" für 7,2 Millionen Dollar (rund 5,25 Millionen Euro) über eine Galerie an den Casino-Tycoon Frank Fertitta verkauft. Vermittelt hatte es der ehemalige Kurator der Fondation Beyeler Oliver Wick. In einer E-Mail hatte er für die Echtheit des Bildes gebürgt. Doch das Werk ist eine Fälschung.

Angebliche Neuentdeckungen
Diese Mail ist Bestandteil einer Anklageschrift gegen Oliver Wick und die New Yorker Galerie Knoedler. Letztere steht im Mittelpunkt eines der größten Kunstfälscherskandale der US-Geschichte, bei dem 60 gefälschte Bilder im Wert von 80 Millionen Dollar unter die Leute gebracht wurden. Die "New York Times"-Journalistin Patricia Cohen hat den Fall und die Herkunft der Bilder recherchiert. "Alle diese Bilder wurden als Neuentdeckungen präsentiert, die in den 1950er und 1960er Jahren direkt von den Künstlern gekauft und dann für Jahrzehnte in Lagerhäusern verstaut und versiegelt worden seien", sagt sie. Darum habe sie niemand vorher gesehen.

Sicher ist: 2002 zeigte die "Fondation Beyeler" in einer Ausstellung eines der neu entdeckten Rothko-Bilder, das angeblich aus dem Jahr 1956 stammt. In einem Brief an die Galerie Knoedler schwärmte Ernst Beyeler damals: "Das Werk wird in unserem Rothko-Raum sehr bewundert." 2005 zeigte die Fondation ein weiteres neu entdecktes Rothko-Bild. Kurator Oliver Wick, damals enger Mitarbeiter von Beyeler, verfasste einen Artikel über die beiden unbekannten Rothkos, die sich später als Fälschung herausstellen sollten. Hat die Fondation massgeblich zum Reinwaschen der Fälschungen beigetragen? Und als was fungierte Kurator Oliver Wick, als er ein paar Jahre später für den Verkauf eines Rothkos eine hohe Kommission kassierte? Weder Oliver Wick noch die Fondation Beyeler nahmen Stellung dazu.

Unerlaubter Eingriff
Der Direktor des Schweizer Museumsverbandes Roger Fayet hält die Rolle von Oliver Wick für sehr problematisch. "Es gibt die ethischen Richtlinien. In diesen Richtlinien ist festgehalten, dass Mitarbeiter von Museen, in keinster Weise in den Handel eingreifen sollten", so Fayet. "Also auch nicht in dem Sinn, dass sie Kunstwerke von einer Galerie einem privaten Käufer anbieten." Im Jahr 2007 kuratierte Oliver Wick an der Fondation eine Ausstellung mit einem zweiten Giganten der US-Kunstgeschichte: Barnett Newman. Ein Jahr später kamen Zweifel über die Echtheit eines der Bilder auf. Das Bild wurde abgehängt. Spätestens jetzt hätten die Alarmglocken läuten sollen. Doch laut Anklageschrift vermittelte Wick weiter für die Galerie Knoedler und die Fondation organisierte die nächste Ausstellung. Bis heute wollen sich beide nicht dazu äußern.