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Kita-Kinder malen Hakenkreuze, sprechen abwertend über Ausländer, weigern sich neben türkischstämmigen Kindern zu sitzen.
Kleine Nazis
Wenn der "völkische Nachwuchs" in die Kita geht
In Kindertagesstätten (Kitas) macht sich der "völkische Nachwuchs" breit. Die Erzieher sind ratlos. Der Nachwuchs der deutschen Rechten ist mal anti-Ausländer, mal unauffällig. Fast immer verunsichert er jene, die ihm begegnen.
In einem hessischen Kindergarten werden die Erzieherinnen auf eines der Kinder aufmerksam: Es malt Hakenkreuze, spricht abwertend über Ausländer, weigert sich neben einem türkischstämmigen Jungen zu sitzen. Die Begründung des Kindes: Es könne nicht neben einem Ausländer sitzen. "Wir haben dann im Internet nach den Eltern recherchiert", sagt die Leiterin der Kindertagesstätte, "und gesehen, in welcher Partei sie sind, also dass sie rechts orientiert sind." Die Erzieherinnen sind verunsichert. So sehr, dass absolute Anonymität Bedingung für unser Interview ist. Die Kita-Leitung möchte sich schützen - und die eigene Familie. "Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Leuten mit rechtem Gedankengut traue ich ziemlich viel zu, wenn man mich erkennen würde. Und davor habe ich Angst. Auf der anderen Seite möchte ich dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit erfährt, dass es diese Problematik gibt, dass es kein Einzelfall ist."

Doch weder beginnt noch endet der Kummer beim Kind. Denn viele rechte Eltern sagen mehr als nur "Hallo" und "Tschüss", sie wollen mitreden. "Deutschlandweit haben Lehrer, Sozialarbeiter und eben auch Erzieher Probleme im Umgang mit den rechten Trieben", erklärt Heike Radvan, Erziehungswissenschaftlerin bei der Amedeu-Antonio-Stiftung. Vor der Kamera darüber reden will allerdings kein Teilnehmer.

Im Kita-Alter entwickeln Kinder ihr Weltbild
Wie aber umgehen mit rechten und rechtsextremen Eltern? Der Beratungsbedarf ist groß. Ein Kern des Problems: Ausländerfeindlichkeit, Vorurteile, Diskriminierung von Abweichlern der selbstgesetzten Normen einen die Rechtsextremen mit einer unauffälligen und meist widerspruchslos akzeptierten Masse der Bundesbürger. Und die Kindergärten? Sind sie ein Schonraum, wo all dies noch keine Rolle spielt? Keineswegs. Im Kita-Alter entwickeln Kinder ihr Weltbild und sind noch besonders aufgeschlossen für ihre Umwelt, wenn sie ihnen richtig nahegebracht wird. Petra Wagners Institut trainiert Erzieherinnen im Umgang mit besonderen Puppen, "Persona Dolls" genannt: Puppen mit Behinderung, Puppen mit ausländischen Wurzeln, Puppen, die anders sind. Kinder reagieren auf sie wissbegierig.

Die Kita ist ein Spiegel der Gesellschaft. Gelingt es Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern aber auch jedem, der Ausgrenzung begegnet, nicht, über die eigenen Vorurteile zu reflektieren und über sie hinauszuwachsen, haben die Rechten in unserer Gesellschaft leichtes Spiel - von Kindesbeinen an.

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Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr