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© dpa Video
Wohl kaum ein Schriftsteller der Ex-Sowjetunion hat den Menschen des Landes so zugehört und ihre Geschichten aufbewahrt wie Swetlana Alexijewitsch.
Russlands Chronistin
Swetlana Alexijewitsch über das russische Trauma
Für Millionen von Russen bedeutete der Zerfall der Sowjetunion den ultimativen Heimatverlust. Eine, die sich mit Russland bestens auskennt und weiß, wie die Russen ticken, ist die weißrussische Schriftstellerin und Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch. Warum der Übergang des Riesenlandes vom Zusammenbruch zur Moderne nicht gelang, darüber spricht sie in einem Interview.
In den 1990er Jahren stellten die Menschen der zusammengebrochenen Sowjetunion sich vor, dass das neue Leben jetzt gleich beginnen würde. Doch dann schlossen die Fabriken, Millionen von Menschen verarmten. "Sie wachten also eines Tages in einem fremden Land auf, in dem sie einfach nicht heimisch geworden sind", sagt Swetlana Alexijewitsch. Nun scheint das ehemalige Riesenreich sich wieder zu erheben - mit Präsident Wladimir Putin als treibender Kraft. Dabei stecke Putin doch in vielen Russen drin. "In ihm akkumulieren sich die Erwartungen und die Energien, die es in der Gesellschaft gibt", so die Schriftstellerin. Putins kompromissloses und aggressives Auftreten werde von Millionen Russen nun als Erlösung aus einer namenlosen Erniedrigung empfunden. Für Alexijewitsch ist dieser "kollektive Putin" nicht nur eine Reaktion auf den Zusammenbruch der Sowjetunion - sondern auch eine Antwort auf die Politik des Westens gegenüber Russland seit 20 Jahren. Der Westen habe Russland die ganze Zeit an der kurzen Leine geführt. Das sei eine der Ursachen, die zu Putins Politik führte.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Kulturzeit-Gespräch mit ...
Wichard Woyke, Politikwissenschaftler
(01.04.2014)
Hintergrund
Die Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch wurde 1948 in der Ukraine geboren. Seit Jahrzehnten bereist sie die Länder der ehemaligen Sowjetunion und interviewt dort unzählige Menschen zu ihren Erinnerungen an die Umbrüche und Tragödien, Kriege und Katastrophen. 2013 erhielt die Schriftstellerin den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
Mediathek
VideoBUCHMESSE FRANKFURT 2013
Swetlana Alexijewitsch am 3sat-Stand (11.10.2013)
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