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Kurt Cobains Selbstmord am 5. April 1994 ließ ihn für viele zum Märtyrer einer gierigen Musikindustrie werden.
Kurt Cobains Selbstmord am 5. April 1994 ließ ihn für viele zum Märtyrer einer gierigen Musikindustrie werden.
Märtyrer der Musikindustrie
Zum 25. Todestag von Kurt Cobain
Am 5. April 1994 wird Kurt Cobain erschossen aufgefunden. In seinem Abschiedsbrief schreibt er, seit Jahren habe er beim Hören oder Schreiben von Musik nichts mehr empfunden. Sein Selbstmord ließ ihn für viele zu einem Märtyrer einer gierigen Musikindustrie werden.
Der Sound aus Seattle war eine Erweckung für die Generation, die unter Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Helmut Kohl aufgewachsen ist. Anfang der 1990er Jahre sah sie sich konfrontiert mit einer Musik, die der Wut und Enttäuschung der Außenseiter eine Stimme gab - trotzig, laut, authentisch: "Smells Like Teen Spirit". Wie notwendig diese Stimme war, zeigt der auch aus heutiger Sicht noch erstaunliche weltweite Erfolg des Grunge. Für die Bands selbst wurde genau dieser Erfolg allerdings zum Problem - er stellte ihre Glaubwürdigkeit infrage.

In die Schublade gepresst
© AP Kurt Cobain: mit Nirvana vom Underground zum  Major-Label.
Kurt Cobain: mit Nirvana vom Underground zum Major-Label.
Die wichtigsten Seattle-Bands landeten bei den "bösen" Major-Labels und kämpften gleichzeitig darum, sich den kapitalistischen Marketingstrategien zu entziehen. Grunge wurde zur Schublade, in die alle Bands aus Seattle gepresst wurden - bis heute reagieren die Bands zornig auf die Bezeichnung. "Ich weiß, wer das erfunden hat", so Dave Grohl von den Foo Fighters: "Everett True. Ein verdammtes Arschloch. Everett hat für ein Magazin in England gearbeitet. Und dieser verdammte Penner schrieb irgendwann: Diese Musik hört sich 'grungy' an."

Kurt Cobain reagierte instinktiv auf den Erfolg. Mit Widerstand und Selbstzerstörung. Er wollte keine Hochglanz-Bilder liefern. Wie kam die Musikindustrie dazu, ausgerechnet so jemanden groß zu machen? "Major Labels sind am Ende des Tages nie ideologisch, sondern immer opportunistisch", sagt der ehemalige Musikmanager Tim Renner. "Ein Major-Label wird da hingehen, wo es das meiste Geld vermutet. Und wenn das meiste Geld im Widerstand gegen das Major-Label vermutet werden kann, dann ist das Major-Label im Zweifel als Erstes selbst auf den Barrikaden gegen sich selbst."

Cobain: "Ich mache nicht mit!"
Es sei die "große Kunst der Kulturindustrie", so der Musikkritiker Klaus Walter, "dass sie jedes Zeichen, das widerständig daher kommt und eigentlich das System infrage stellt, unheimlich schnell in der Lage ist, das zu integrieren und in Warenform zu verkaufen. Das ist im Grunde auch eine gewisse Naivität von Kurt Cobain, dass er sich mit so einer Verve und so einer Wucht und unter Einsatz seines Lebens buchstäblich da reingeworfen hat." "A denial", schreit Kurt Cobain, "eine Verweigerung" - ich mache nicht mit!" Doch dafür war es längst zu spät.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Kulturzeit-Interview mit ...
© ZDFVideoTim Renner, Ex-Musikmanager (2014)
(geführt von Ralf Rättig)
Kulturzeit-Interview mit ...
© ZDFVideoKlaus Walter, Musikkritiker und Radiomoderator (2014)
(geführt von Ralf Rättig)
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VideoFoo Fighters (2011)
Benjamin Hensler hat die Band getroffen.
Kulturzeit-Interview mit ...
Ralf Rättig hat Sänger Chris Cornell und Bassist Ben Shepherd getroffen.
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VideoPearl Jam (2009)
Benjamin Hensler hat Eddie Vedder und Matt Cameron getroffen.