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© dpa Lupe
Die Serie "Usoni": Europa ist am Ende und die Weißen wollen nach Afrika, um ihr Leben zu retten. Doch dort erwarten sie jede Menge Komplikationen.
Den Spiegel vorgehalten
Serie betrachtet Flüchtlingsthematik andersherum
Die kenianische Science-Fiction-Serie "Usoni" nimmt die Flüchtlingsthematik im Mittelmeer ins Visier und dreht den Spieß einfach um. Tausende Europäer fliehen nach einer Naturkatastrophe über das Mittelmeer nach Afrika - nur um dort Diskriminierung, Rassismus und Flüchtlingselend zu erleben.
Wir schreiben das Jahr 2063: In Europa sind Vulkane ausgebrochen, die Länder sind unbewohnbar. "Europa ist tot, hier gibt es nichts mehr", sagt Serien-Protagonist Ulysse (der Deutsche Felix Vollmann) seiner schwangeren Freundin Ophelia (die Deutsch-Kenianerin Karungari Kahende). Afrika sei der einzige Ort, an den man fliehen könne. "Usoni" ist das suahelische Wort für Zukunft und steht für das überraschende Bild einer verdrehten Welt. "Der Pilotfilm handelt nicht davon, dass Europa einer Katastrophe anheimfällt, die das Leben dort unmöglich macht", sagt der französische Filmemacher Marc Rigaudis, der die Idee zu der Serie hatte. "Ich wollte hingegen aufdecken, was jetzt gerade schon passiert."

Grausame Menschenhändler
Die Reise der europäischen Flüchtlinge beginnt auf Lampedusa, der Insel, vor deren Küste sich ständig Flüchtlingsdramen abspielen. Erst im Oktober 2013 ertranken dort mehr als 360 Menschen. Die Afrikaner hatten versucht, das Mittelmeer nach Europa zu überqueren. In "Usoni" schiffen sich genau hier Ulysse und Ophelia in Richtung Afrika ein. Sie bekommen es mit grausamen Menschenhändlern zu tun, mit komplizierten Visa-Vorschriften und seeuntauglichen, leckenden Booten. "Der traumatischste Moment für Flüchtlinge ist sicher die Seereise, auf der oft Mitreisende ums Leben kommen", sagt Marc Rigaudis. "Aber ich möchte den Zuschauern zeigen, dass die Schwierigkeiten, mit denen Migranten zu kämpfen haben, damit nicht zu Ende sind." Der Filmemacher ist derzeit in Verhandlungen mit einem kenianischen TV-Sender, um eine ganze Staffel zu drehen. Er hofft, dass auch Europäer die Chance bekommen werden, "Usoni" zu schauen. "Ich halte Europa schließlich den Spiegel vor."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Hintergrund
Mit ein paar Studenten und ohne Geld drehte Marc Rigaudis einen 26-Minuten-Pilotfilm. Auf dem Gelände der US-Universität Nairobi diente die Müllhalde auf dem Werkstattgelände als Set für das zerstörte Europa. "Wir brauchten eine chaotische Atmosphäre", so Rigaudis. "Wir haben hier bei Nacht gedreht. Da sah das alles noch dramatischer aus. Wir haben Feuer angezündet. Es sollte heimatlos wirken." Nun hofft Rigaudis auf Geld, um eine TV-Serie produzieren zu können.