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© dpa Lupe
Gespannt auf neue Aufgaben: Tim Renner
Motor, Musik, Pop, Politik
Tim Renner wird Kulturstaatssekretär
Musikproduzent, Label-Chef und jetzt Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten in Berlin: Tim Renner tritt ab dem 28. April 2014 die Nachfolge von André Schmitz an.
Seinen Namen bringt man derzeit noch mit Musik und der Marke "Motor" als mit Museumsinsel und Alten Meistern in Verbindung, aber das wird sich sicher bald ändern. Renner machte als Musik-Journalist und -Manager Karriere. Ein Selfmade-Man. Das Germanistik-Studium war ihm nach zwei Semestern zu "langweilig". Lieber arbeitete er als Journalist für das "Stadtmagazin". 1986 öffnete sich die Tür zur Musikbranche: Renner stieg beim Label "Polydor" als Talentsucher ein und übernahm drei Jahre später die Leitung der neuen Abteilung "Polydor Progressive Music". 1994 gründete er seine eigene Plattenfirma "Motor Music GmbH", die Acts wie Phillip Boa, Rammstein, Sportfreunde Stiller und Tocotronic unter Vertrag hatte. Ein Erfolgsmodell. 1999 fusionierte das Label mit Universal. Renner selbst übernahm dort 2001 den Posten als CEO und Chairman. Eine Entwicklung, die er sich zu Beginn seiner Karriere nie hatte träumen lassen.


Musikverlag, Plattenlabel, SPD-Mitglied
Vom Punk-Rocker zum Büro-Kapitalisten? Renner blieb seinen Prinzipien treu. Als Universal Deutschland sich in Zeiten der Krise von zahlreichen deutschen Interpreten trennte, legte er sein Amt nieder. Er ging auf Weltreise, schrieb sein erstes Buch, in dem er über die Musikbranche reflektierte. Doch Autor allein - nein. 2005 gründete Renner Motor Entertainment, eine eigene Firmengruppe mit zahlreichen Medienbeteiligungen, Internetplattformen, einem Musikverlag - und, ja, auch einem Plattenlabel. 2009 wurde er Professor an der Popakademie Baden-Württemberg. Zudem kristallisierte sich eine zweite Leidenschaft neben der Musik heraus: die für die die Politik. Renner, das SPD-Mitglied, wirkte am "Kreativpakt" der Sozialdemokraten mit, war Erstunterzeichner des Aufrufes "Wider die Große Koalition" auf Bundesebene und übernahm mit seinem unfreiwillig abgetretenen Vorgänger André Schmitz die Schirmherrschaft des "So klingt Berlin" Festivals.


Nun also Kulturstaatssekretär. An die Zusammenarbeit mit der CDU wird sich Renner nun wohl gewöhnen müssen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters weist einen eher klassisch anmutenden Lebenslauf vor: Abitur an einem Bischöflichen Mädchengymnasium, Studium der Politikwissenschaften, Kunstgeschichte und Germanistik, Pressesprecherin, Bundestagsabgeordnete. Sie trat zuletzt vor allem mit den Themen Raubkunst, Jüdisches Museum, Sanierung der Museumsinsel in Erscheinung. Vielleicht nutzen Renner künftig ja seine Moderationskünste: Seit 2012 moderiert er seine eigene Radioshow "Radio Renner" bei Bremen Vier. Von der Popkultur zur Kulturpolitik. Es ist in jedem Fall eine interessante Personalentscheidung. Doch wenn es um Kunst und Kultur geht, kann ein wenig Spannung sicher nicht schaden.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
© dpaVideoTim Renner zum Thema Urheberrecht
(14.05.2012)