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© dpa Lupe
Europa, wohin geht die Reise?
Angst vor den Europawahlen (1/2)
Von Samuel Schirmbeck
Vor dem Hintergrund der Schweizer Volksabstimmung, dem Phänomen Dieudonné und der deutschen Diskussion um Einwanderungsbeschränkungen gewinnt man mehr und mehr den Eindruck, dass wir mit den Denkmustern Rechts und Links in einer Sackgasse angelangt sind. Eine Einschätzung des Journalisten Samuel Schirmbeck:
Neulich stieß ich auf eine ungewöhnliche Untersuchung, auf eine "Wort - Untersuchung". Ich fand, sie kam genau zur rechten Zeit. Die 180 meist gebrauchten Worte und Sätze der Front-National-Vorsitzenden Marine Le Pen wurden zum ersten Mal daraufhin untersucht, wie wichtig sie den französischen Wählern sind. Deshalb hat das "Institut Mediascopie" das Polit-Vokabular Marine Le Pens unter die Lupe genommen wie zuvor das anderer Politiker.

Überraschendes Ergebnis: Marine Le Pens zwei zentrale Forderungen "Raus aus dem Euro" und "Priorität für Franzosen" bei der Vergabe von Arbeitsplätzen werden von 64 beziehungsweise 72 Prozent der befragten Franzosen abgelehnt. Hohe Zustimmung finden dagegen Sätze wie dass "man sich in Frankreich nicht mehr zuhause fühlt", ebenso wie "Frankreich kann keine Bevölkerungen mehr aufnehmen, die zu assimilieren es nicht mehr die Mittel hat" sowie die Forderung nach "stärkerer Kriminalitätsbekämpfung", nach einer "strengeren Justiz".

"Gefahr für die Demokratie"
Worte, Gefühle, Stimmungen, dachte ich, als ich die Studie las. Ein gefährliches Terrain, das Demagogie und "Populismus" beherbergt, aus denen sich eine, wie die Befragten ja gleichzeitig richtig erkannten, "Gefahr für die Demokratie" entwickeln kann. Leute, die solche Gefühle haben, werden nicht als ernstzunehmende Staatsbürger behandelt, sondern als bornierte Störenfriede von Weltoffenheit, wenn nicht gar als Seelenverwandte des Faschismus. Auch deshalb verliert die Linke an Boden.

Ich habe das am eigenen Leib erfahren. Nach zehn Jahren ununterbrochenen beruflichen und privaten Aufenthaltes im muslimischen Nordafrika (Algerien, Marokko, Tunesien) machte ich anfangs aus meiner Meinung über die verheerende Wirkung des traditionellen Islam auf die gesellschaftliche Entwicklung dieser Länder keinen Hehl. Deshalb warnte ich davor, die wenigen hiesigen Islamkritikerinnen als "Aufklärungsfundamentalistinnen" und "Fremdenfeindinnen" oder gar "Islamhasserinnen" abzutun, sondern meinte im Gegenteil, dass diese Stimmen Millionen von Musliminnen und Muslimen in Nordafrika, die dort mundtot gemacht werden, eher aus dem Herzen sprächen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Zur Person
© Cyril SchirmbeckSamuel Schirmbeck ...
ist Filmemacher mit Schwerpunkt Islam. Von 1991 bis 2001 war er Nordafrika-Korrespondent der ARD (mit Sitz in Algier). Er ist Autor des Buches "Hinter den Schleiern von Algier", erschienen bei Hoffmann und Campe.
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