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Meister der Metallkunst
Fritz Kühns Nachlass vor der Zwangsräumung
In 50 westdeutschen Städten stehen seine Skulpturen, der Louvre ehrte ihn mit einer Retrospektive: der Ostberliner Metallbildhauer Fritz Kühn. Seinen Nachlass pflegt die Fritz-Kühn-Gesellschaft in einem Skulpturenpark in Berlin. Doch nun droht diesem das Aus. Am 17. Februar 2014 könnte das Areal zwangsgeräumt werden.
Der Pachtvertrag läuft aus und die Familie kann die 790.000 Euro für das zum Verkauf stehende Gelände nicht aufbringen. Fritz Kühn, 1910 geboren, war einer, der stets Neues gewagt hat. In den Nachkriegsjahren wurde er zum Meister der Moderne in der Metallkunst, dazu Designer, Fotograf und Verfasser von elf Fachbüchern.

Sein Motto war: "Natur ist mein Lehrmeister." Stahl und Eisen waren für Fritz Kühn Symbole der zerstörerischen Kraft des Krieges. Er formte das Material um, wie beispielsweise zu einem elf Meter hohen Kreuz in einer Ost-Berliner Kirche. Dafür handelte er sich 1961 Ärger mit der SED ein. Unbeirrt beteiligte sich der Kunstschmied am Aufbau des zerstörten Landes - egal ob in Ost oder West.

Ein gesamtdeutscher Künstler
Im ehemaligen KZ Dachau gestaltete er den Eingangsbereich, dann die Fassaden der Polnischen Botschaft Unter den Linden, schließlich den Brunnen am Straußberger Platz - sein wohl bekanntestes Werk. Kühn wird in der DDR geehrt und bleibt doch bis zu seinem Tod 1967 ein gesamtdeutscher Künstler. Im Westen stehen mehr seiner Werke als im Osten. Seine Werke werden zum nationalen Kulturerbe erklärt. Doch niemand fühlt sich zuständig.

In Berlin sollte ein Museum entstehen, doch es fehlte an Geld und gutem Willen. Jetzt hat der Eigentümer, eine Wohnbaugesellschaft, ein Ultimatum gestellt. Der Skulpturengarten muss bis zum 17. Februar 2014 geräumt werden. Für den ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse ist es ein absurder Gedanke, wenn das herausragende Werk Kühns im Jubiläumsjahr des Mauerfalls verloren ginge. Doch der Kulturausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus weigert sich, einen Antrag auf Fördermittel auch nur zu beraten.

Wenn nichts mehr passiert, kommt Mitte Februar 2014 der Gerichtsvollzieher. Doch vielleicht geschieht noch ein kleines Wunder - in Gestalt eines privaten Retters in letzter Sekunde.

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