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© dpa Lupe
Pete Seeger und Joan Baez 1976
Besessen vom Folk
2014 starb US-Musiker Pete Seeger
Sein Name wird in einem Zug mit dem Woody Guthries genannt. Pete Seeger war Mitglied der ersten US-Folkband The Weavers und musikalisches Vorbild für Größen wie Bob Dylan, Joan Baez oder Bruce Springsteen. Weil seine Lieder zu kritisch waren, wurde er jahrelang mit einem Berufsverbot belegt. Am 27. Januar 2014 starb der Folk- und Protestsänger im Alter von 94 Jahren.
Legendäre Folksongs wie "Where Have All The Flowers Gone" oder "If I Had A Hammer", die zu Hymnen der US-amerikanischen Friedensbewegung wurden, stammen von ihm. Pete Seeger wurde erst spät im Leben für das geehrt, was er bewegt hat. 1993 bekam er den "Grammy" für sein Lebenswerk, 1994 den "Kennedy Center Award", die wohl höchste US-Auszeichnung für Künstler. Doch ein Besessener der US-amerikanischen Folkmusik war er sein Leben lang.

Fotogalerie
Pete Seeger 1967 © APLupe
Pete Seeger mit Henry A. Wallace 1948 © APLupe
Pete und Toshi Seeger 1961 © APLupe
Pete Seeger bei einem Konzertauftritt 1972 © dpaLupe

Mit Kirk Douglas, Aretha Franklin, Harold Prince und Morton Gould beim Kennedy Center Award 1994 © APLupe
Mit Enkelsohn Tao Rodriguez-Seeger, Bruce Springsteen Will.i.am und Samuel L. Jackson 2009  © APLupe
Pete Seeger 2011 © APLupe
Pete Seeger 2004 © dpaLupe

 

Auch die Instrumente des Folk machte er sich zu eigen: Pete Seeger spielte Gitarre und Banjo aus Leidenschaft - selbstverständlich unplugged. Schon mit 16 Jahren entwickelte er eine starke Faszination für das alte Liedgut, das der Tradition des US-Bluegrass entstammte, begann in Tonarchiven zu wühlen und das Gehörte zu analysieren. Die Gelegenheit dazu bot ihm der Musikethnologe Alan Lomax in der Washingtoner "Library of Congress", für den Seeger nach seinem abgebrochenen Soziologiestudium arbeitete. Lomax sammelte authentische Vor-Ort-Aufnahmen US-amerikanischer Folkmusik. Und Seeger tauchte tief darin ein.

Prägende Begegnung mit Woody Guthrie
© dpa Lupe
Armut und soziale Ungerechtigkeit - Themen in seinen Liedtexten.
In den 1940er Jahren lernte Seeger die US-Folk-Legende Woody Guthrie kennen, einen, der auf dem Dach von Eisenbahnwaggons durch die USA fuhr und eine ganz neue Kultur des US-Protestsongs schuf. Eine prägende Begegnung. Der junge Musiker bereiste gemeinsam mit Guthrie die USA. Das, was er wahrnahm - Armut und soziale Ungerechtigkeit - sollte sich in seinen Liedtexten wiederfinden. Seeger wurde ein Linker. Einer, der der "Young Communist League" beitrat und sich später in der Kommunistischen Partei engagierte.

Er trat mit den musikalischen Mitteln der US-amerikanischen Folkmusik, aber seinen eigenen kritischen, pro-gewerkschaftlichen Texten auf. Während der kommunistenfeindlichen McCarthy-Ära Anfang der 1950er Jahre wurde Seeger vorgeladen, sollte Namen von Oppositionellen preisgeben. Weil er das nicht tat, wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und mit einem Berufsverbot belegt, das dazu führte, dass Seeger vor allem außerhalb seines Landes tourte und vorwiegend in sozialistischen Ländern auftrat. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde das Berufsverbot gegen ihn aufgehoben. Noch bis vor Kurzem stand Pete Seeger auf der Bühne und dachte nicht ans Aufhören.

Engagement für die Umwelt
Seeger war aber nicht nur ein musikalischer Friedensaktivist, auch die Umwelt lag ihm sehr am Herzen. So engagierte er sich beispielsweise an der Seite seiner Frau Toshi und Woody Guthries Sohn Arlo für das Musik- und Umweltfestival "Great Hudson River Revival". Und er war Mitbegründer der Umweltorganisation "Clearwater" nahe seiner Heimat Beacon im US-Bundesstaat New York, die unter anderem mit einem Segelschiff namens "Woody Guthrie" den Hudson auf und ab segelte, um auf die vielfältigen Umweltzerstörungen rund um den Fluss aufmerksam zu machen.

Pete Seegers Frau Toshi war erst im Juli 2013 kurz vor dem gemeinsamen 70. Hochzeitstag verstorben. Pete Seeger hinterlässt zwei Töchter und einen Sohn sowie mehrere Enkel. Und jede Menge Freunde. Er habe ihn in vielerlei Hinsicht wie einen Vater geliebt, auch als Mentor, schreibt Arlo Guthrie auf der Facebook-Seite des "Great Hudson River Revivals". Ja, Pete sei gestorben, das heiße aber noch lange nicht, dass er nicht mehr da sei. Erst am Abend vor Pete Seegers Tod habe er sich in Gedanken stark mit ihm verbunden gefühlt. Filmemacher Michael Moore twitterte: "Er sprach es aus und sang es und lebte es vor. Unsere Wege kreuzten sich oft und ich bin dadurch zu einem besseren Menschen geworden."

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