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Themen am 08.12.2017Navigationselement
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© dpa Lupe
So hat Karl der Große wohl eher nicht ausgesehen: Die berühmte Karlsbüste in der Aachener Schatzkammer entstand mehr als 500 Jahre nach seinem Tod.
König, Kaiser, Christ
Vor 1200 Jahren ist Karl der Große gestorben
Er gilt als eine der bedeutendsten Herrscherfiguren des Mittelalters. Tiefgreifende Reformen in Wissenschaft und Kultur, die Christianisierung weiter Landstriche Europas, aber auch die Ausdehnung des Frankenreichs und zahlreiche Feldzüge sind mit seinem Namen verbunden: Karl der Große, König der Franken und ab dem Jahr 800 römischer Kaiser deutscher Nation. Am 28. Januar vor 1200 Jahren ist er in seiner Lieblingspfalz Aachen gestorben.
Karls Geburtsjahr ist unbekannt, wahrscheinlich wurde er im Jahr 747 oder 748 geboren. Auch wie er wirklich aussah, wissen wir heute nicht, denn es existiert kein Porträt von ihm. Die berühmte Karlsbüste in der Aachener Schatzkammer entstand mehr als 500 Jahre nach seinem Tod. Sein fränkischer Biograf Einhard beschrieb ihn als großen stattlichen Mann mit rundem Gesicht, kurzem Halsansatz, Doppelkinn, Schnauzbart und erstaunlich hoher Stimme.

Mythos vom Vater Europas nicht haltbar
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Der Karlsthron im Dom zu Aachen
Auch der Mythos von Karl dem Großen als Vater Europas ist wohl nicht haltbar. Das zumindest sagt der Historiker Johannes Fried von der Universität Frankfurt am Main. "Europa ist für Karl den Großen schlechthin nichts", so Fried. "Ein Kontinent, dessen Grenzen vage sind. Er kennt diese Grenzen nicht einmal ganz." Karl der Große führte Kriege quer durch ganz Europa. Sein Reich erstreckte sich von den Pyrenäen bis zur Donau, von Süditalien bis zur Nordseeküste. Und dieses Reich hielt er mit Gewalt zusammen. Dass er brutal sein konnte und von vernichtendem Zorn, habe den ethischen Maßstäben seiner Zeit entsprochen, sagt Fried. Den Namen "Sachsenschlächter" legte er sich zu, als er vertragsbrüchige Sachsen in Verden an der Aller zuhauf köpfen ließ. In dieser Zeit sei der König ein Kriegsherr gewesen, so Fried. "Er muss ein Heer führen und sich mit Gegnern erfolgreich schlagen können. Er hat immer wieder gezeigt, dass er das kann", sagt Fried.

Karl dem Großen sei es aber nicht um reine Beutezüge gegangen, "sondern um die Idee, die staatliche Ordnung einem Gottesreich anzunähern", sagt der Historiker Stefan Weinfurter von der Universität Heidelberg. Nach den Eroberungen begann er mit einer großen Neuregelung der kirchlichen und gesellschaftlichen Ordnung. "Jeder sollte wissen, wann Weihnachten und Ostern zu feiern ist, welche Heiligen verehrt werden und welches die verbindlichen und wahren Texte sind", sagt Weinfurter. Karl ließ Texte antiker Philosophen abschreiben und so vor dem Vergessen bewahren. In Klöstern und Kirchen ließ er Wissensarchive aufbauen, die danach für Jahrhunderte zur Verfügung standen und den Grundstein für spätere Universitäten bildeten. Aus der damals von Mönchen entwickelten Schrift, der karolingischen Minuskel, entstand unsere heutige lateinische Schrift.

Fünf Ehefrauen und zahlreiche Geliebte
Obwohl Karl sich als Beschützer der Christenheit verstand, nahm er wenig Rücksicht auf die kirchlichen Moralvorstellungen und das Kirchenrecht. Er hatte fünf Ehefrauen, von denen er zwei aus politischen Gründen verstieß, und eine Reihe von Nebenfrauen, von denen er mehrere Kinder hatte. Seine Töchter blieben - möglicherweise aus politischen Gründen - unverheiratet und lebten in wilder Ehe am Hof. Erst nach Karls Tod konnten diese Verhältnisse offen kritisiert werden. Sein kirchlich erzogener Sohn und Nachfolger Ludwig der Fromme machte erst einmal reinen Tisch, verbannte all diese Nebenfrauen und Schwestern vom Hof und schickte sie in Klöster. Einer Vision des Reichenauer Mönchs Wetti zufolge soll Karl für diese Verfehlungen trotz all seiner sonstigen Verdienste in der Hölle gebüßt haben.

Heute bildet Karls 1200. Todestag den Auftakt für das Karlsjahr 2014, in dem mehrere deutsche Städte, darunter die Karls-Stadt Aachen und Frankfurt am Main, mit Ausstellungen und Veranstaltungen an das Leben und Wirken des Kaisers erinnern.

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Kulturzeit: montags bis freitags,
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