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© AP
Galileos "Siderius Nuncius" sorgte erst für einen Coup, dann für eine Blamage.
Vom Coup zur Blamage
Horst Bredekamp und der "falsche Galileo"
Es muss ein erhabener Moment für den renommierten Kunsthistoriker Horst Bredekamp gewesen sein: 2007 stufte er Zeichnungen als Originale von Galileo Galilei ein - und 14 Berliner Institutionen pflichteten ihm bei, darunter die Max-Planck-Gesellschaft und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Doch das Werk war gefälscht.
Es geht um den "Siderius Nuncius", auch "Sternenbote" genannt, einen 60-seitigen Studienband von Galileo Galilei. Er wurde 1610 veröffentlicht und war Grundlage seines wissenschaftlichen Ruhms. Mehr als 80 Exemplare davon existieren weltweit. Erst vor einigen Jahren tauchte in New York ein angeblich aus Südamerika stammendes auf. Ein New Yorker Antiquariat beauftragte Bredekamp damit, das Werk zu begutachten. Und der glaubte, eine Urfassung aus dem Jahre 1610 vor sich zu haben. Und zwar eine bisher unbekannte Ausgabe des Bandes, der eigenhändige Tuschezeichnungen Galileis von der zerklüfteten Mondoberfläche zu zeigen schien.

Das Feuilleton jubelte
Lupe
Horst Bredekamp ist einem Betrüger aufgesessen, wie er heute sagt.
Ein echter Galilei - befand Bredekamp. Eine echte Sensation. Mehr noch: Der Kunsthistoriker wähnte sich sicher, dass dieses Werk seine These unterstütze, wonach Galilei nicht nur ein genialer Wissenschaftler, sondern auch ein großer Künstler gewesen sei. Erst die Kunst habe Galilei überhaupt zur Erkenntnis der Naturwissenschaften befähigt. Das Feuilleton jubelte. Doch dann widmete sich der US-Historiker Nick Wilding von der Georgia State University dem Fall. Ganz ohne aufwändige Technik und ohne die Hilfe teurer Experten gelang ihm, was dem deutschen Kunsthistoriker entgangen war: Er entlarvte das Exemplar als Fälschung.

Wilding verglich Fotos des vermeintlichen Sensationsfundes mit den Fotos des Originals und entdeckte Fehler: Ein Stempel war gefälscht, die Herkunftsgeschichte des Buches war lückenhaft. Und es gab einen Namen: Marino Massimo de Caro, ein italienischer Privatgelehrter und Händler und vermutlich der größte kriminelle Fälscher der Buchgeschichte.

Bredekamp revidiert
Wilding konfrontierte Bredekamp mit seinem Irrtum, doch laut Aussage Wildings gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit" wollte Bredekamp nichts davon wissen. Nun revidiert dieser. "Ich bin einem Fälscher aufgesessen, doch keineswegs aus Leichtgläubigkeit", schreibt Bredekamp am 9. Januar 2014 in der "Zeit". In Kulturzeit äußert sich Horst Bredekamp nun erstmals im deutschen Fernsehen zu seinem Irrtum.

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© ZDFVideoHorst Bredekamp zeigt den "falschen Galilei"