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Themen am 19.10.2017Navigationselement
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© dpa Lupe
Das staatliche Auktionshaus fördert gezielt die gewinnträchtigsten Namen.
Kunst à là Peking
Wie China gezielt Kunst am Weltmarkt pusht
Chinesische Kunst ist längst zu einem Markennamen auf dem globalen Kunstmarkt geworden. Einige wenige chinesische Künstler, allen voran Ai Weiwei, erzielen astronomische Verkaufspreise. Doch die meisten Künstler haben nicht die Möglichkeit, in der oberen Liga mitzuspielen.
Die Künstler-Kolonie Songzhuang, gut eine Auto-Stunde östlich von Peking, ist einer der kreativsten Orte in China - auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht. Hinter den Fassaden der alten Fabrikhallen treffen wir Cai Meizhi. Die 30-Jährige hat sich hier eingemietet, weil sie hier Ruhe hat und die Mieten billig sind. Cai Meizhi malt seit ihrer Kindheit, später studierte sie Kunst an der Universität Dalian in Nordost-China. Ihr neo-impressionistischer Stil weckt zwar keine Begeisterung bei der kaufkräftigen Masse der Reichen, doch sie kann von ihrer Kunst leben.

Rundum-Betreuung für Künstler-Nachwuchs
"Für viele Künstler hier in Songzhuang ist der Weg in die Kunst sehr hart", sagt sie. Manche Maler arbeiten sehr hart und sind trotzdem arm. Manche können sich kaum ernähern. Kunst ist eine geistige Sache. Viele Maler malen für ihren Traum. Sie geben nie auf, aber es ist wirklich sehr hart." Cai Meizhi ist eine von 700, die derzeit in Songzhuang leben und arbeiten. Doch für die Masse an jungen Künstlern, die in China jedes Jahr die Hochschule verlassen, ist es schwer, neue Kunden zu gewinnen. Das private China Artwork Trading Center bietet für den Künstler-Nachwuchs so etwas wie eine Rundum-Betreuung. Zweimal im Monat werden die Werke im Internet versteigert. Startpreis bei vielen sind umgerechnet zwölf Euro. Das teuerste Bild bisher erbrachte 20.000 Euro.

"Erst wenn die Werke der Künstler von Fachleuten anerkannt wurden, können wir von Vermarktung, Verträgen und Schutz des Copyrights reden", erklärt Han Kunze vom China Artwork Trading Center. "Wir bieten ihnen den entsprechenden Service: Wir haben eine eigene Anwalts-Kanzlei und ein eigenes Auktionshaus. Wir können den Künstlern bei der Produktion, beim Handel und Vertrieb, bei jedem Schritt Service und Hilfe anbieten."

China: Kunstmarkt wächst schneller als Wirtschaft
Mehrmals im Jahr trifft sich die chinesische Elite bei den beiden großen staatlich kontrollierten Auktionshäusern Poly International und China Guardian. Hier denken sie in ganz anderen Dimensionen. Chinas Kunstmarkt hat sich nach der globalen Finanzkrise 2011 wieder gefangen und wächst schneller als die chinesische Wirtschaft. Er ist längst zu einem Milliardengeschäft geworden, bei dem die Regierung kräftig mitverdient. Sie entscheidet, welche Kunst kompatibel ist und welche nicht. Die Kunden kaufen vor allem als Geldanlage. "Ich behalte nur die schönen Werke", sagt der Sammler Dawang Zhang. "Einige Sammlungen verkaufe ich wieder und kaufe mir für das Geld noch bessere. Für mich ist das eine Art von Geldanlage. Manchmal bezahle ich zehntausende Euro oder sogar 100.000 für gute Bilder."

Für Liu Gao, ebenfalls Sammler, kommt es "darauf an, wie sehr ich ein Bild liebe. Manchmal, wenn es ein Bild gibt, das ich wirklich liebe, dann nehme ich es, auch wenn es umgerechnet 120 oder 250.000 Euro kostet. Wenn ich aber am Jahresende kein Geld mehr übrig habe, dann lasse ich es sein - egal, wie sehr ich mich in ein Werk verliebt habe."

China beschränkt Zugang für Branchen-Größen
Erst Anfang des Monats brachte das Bild "Fröhlichkeit in der Graslandschaft"des Chinesen Huang Zhoe bei Poly International umgerechnet mehr als 15,5 Millionen Euro - vielleicht auch deshalb, weil es ein Geschenk Deng Xiaopings an den US-Kunstsammler Armand Hammer war. Kein Wunder, dass die großen internationalen Auktionshäuser auf den chinesischen Markt wollen. Das Auktionshaus Christie's durfte im September 2013 erstmals Kunstwerke auf dem chinesischen Festland versteigern - und erzielte einen Erlös von 25 Millionen Dollar (rund 19 Millionen Euro). Anfang November zog Sotheby's nach. Doch China beschränkt den Zugang für die Großen der Branche aus dem Ausland, lässt Auktionen nur in Einzelfällen zu. Verdienen soll vor allem der Staat. Ausländische Auktionshäuser sollten, ginge es nach Ou Shuying, der Generalsekretärin der Chinesischen Auktionärs-Vereinigung, "erstmal mit den kulturellen, geschäftlichen und juristischen Realitäten in China klarkommen. Das dürfte ihre größte Herausforderung sein."

An potenziellen Nachwuchskünstlern für den Weltmarkt mangelt es in China jedenfalls nicht. Doch sie alle haben es schwer, aus dem Schatten des großen Ai Weiwei herauszutreten. In der renommierten White Space Galerie in Peking zeigt gerade Zhai Liang seine Werke. Der 30-Jährige ist dabei, sich international einen Namen zu machen. Doch in seinem Heimatland hat auch er es nicht leicht. Denn die meisten Chinesen interessierten sich gar nicht für moderne Kunst. "Es ist ein großes Problem, dass moderne, zeitgenössische Kunst in der Realität der allermeisten Chinesen überhaupt nicht stattfindet" beklagt er. "Einige reiche Chinesen leben ihren modernen, einen westlichen Lebensstil, während 80 Prozent der Bevölkerung immer noch in einer Art Übergang von der Tradition in die Moderne leben. Und die können mit moderner Kunst überhaupt nichts anfangen."

Moderne Kunst für die meisten Chinesen fremd
Nirgends zeigt sich das so deutlich wie im National Museum am Platz des Himmlischen Friedens, entworfen vom deutschen Architektenbüro Gerkan & Partner: In der zentralen Halle werden die Besucher vom großen Vorsitzenden Mao begrüßt. Die Besucher sollen sehen, was die Regierung für sehenswert hält - und vor allem, welche Errungenschaften der Kommunismus hervorgebracht hat. "Historisch gesehen", sagt der Küstler Zhai Liang, "kann man sagen, dass das Publikum in Europa und den USA eine edle und reife Sensibilität für das Ästhetische entwickelt hat. Sie akzeptieren eher die besonderen Spiel-Arten der Kunst. Für die meisten Chinesen ist die Kunst der Moderne, der Post-Moderne und der Gegenwart fremdes Terrain."

Es ist also noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Kunst als Statussymbol - das ist Gesetz auch bei den kaufkräftigen Kunden in China. Bunt, schrill und vor allem teuer muss die Kunst für die Reichsten der Reichen sein. Eines steht fest: Der Markt läuft heiß - und ist noch lange nicht satt.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Schwerpunkt
© reutersWas passiert mit Ai Weiwei?
Chinas Kampf gegen den chinesischen Künstler