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© dpa Lupe
Mark Mazzetti spricht in seinem Buch von einem Schattenkrieg der USA, der sich im Verborgenen abspiele - und in dem die CIA zur Kriegspartei werde.
Lautlose Kriege
Mark Mazzetti über den Schattenkrieg der CIA
Drohnenangriffe in Pakistan, Waffenlieferungen an syrische Rebellen, Auftragsmorde rund um den Globus: Es ist ein lautloser Feldzug gegen die Feinde Amerikas - organisiert von der CIA. Der Pulitzer-Preisträger Mark Mazzetti spricht in seinem neuen Buch von einem Schattenkrieg des US-Geheimdienstes.
"In den letzten zehn Jahren hat sich die CIA in eine paramilitärische Einheit verwandelt, die sich der Menschenjagd und dem gezielten Töten verschrieben hat", sagt Mark Mazzetti. "Die CIA kämpft heute an der Vorfront eines geheimen Krieges." Der "New York Times"-Journalist hat zahlreiche Interviews mit CIA-Agenten und Politikern geführt, um die Frage zu beantworten, wie die CIA von einer Spionagezentrale zu einer Tötungsmaschine wurde. Das Ergebnis hat er in "Killing Business. Der geheime Krieg der CIA" festgehalten.

"Mord" in "Kriegshandlung" umdefiniert
© ZDF Lupe
Mazzetti enthüllt Geschichten von CIA-Agenten im geheimen Krieg.
"Es gibt noch immer ein Verbot von politischen Morden", sagt Mazzetti. "Präsident Ford hat dieses Verbot 1976 erlassen. Doch die Regierungsanwälte haben im letzten Jahrzehnt so argumentiert, dass gezielte Tötungen jenseits offizieller Kriegsschauplätze - beispielsweise durch Drohnen - gerechtfertigt sind. Das seien keine Morde, sondern Kriegshandlungen. Das heißt: gezieltes Töten von Soldaten auf einem Schlachtfeld. Und die Welt ist ein Schlachtfeld."

1947 wurde die CIA von Präsident Harry S. Truman als Nachrichtendienst gegründet. Doch US-amerikanische Machthaber ließen sich immer wieder von den Verlockungen geheimer Kriegsführung verleiten. So wusste der Bruder John F. Kennedys, Robert Kennedy, darüber Bescheid, dass die CIA Fidel Castro Anfang der 1960er Jahre vergiften lassen wollte. Wegen zahlreicher anderer missglückter Mordkomplotte der CIA setzte der US-Kongress 1975 eine Untersuchungskommission ein. Präsident Gerald Ford erteilte ein Jahr später ein Verbot gezielter politischer Morde. Jahrzehnte lang schien das zu gelten - eine ganze Generation von CIA-Agenten verinnerlichte dieses Verbot.

Neue CIA-Strategie: Gezielte Tötungen
Doch der 11. September 2001 veränderte alles. Nun galt das Kriegsrecht. Die CIA erhielt die Lizenz, ihren geheimen Krieg gegen Terroristen mit allen Mitteln zu führen. Zunächst schreckte sie noch vor gezielten Tötungen zurück. "Es ist ein evolutionärer Prozess", so Mazzetti. "In den ersten Jahren nach 9/11 hat sich die CIA auf Verhaftungen, Verhöre, geheime Gefängnisse und das Aufspüren von El Kaida und anderen Terrorgruppen fokussiert. Doch als die Kontroverse über geheime Gefängnisse, Waterboarding und Folter hochkochte, verlagerte die CIA ihre Strategie auf gezielte Tötungen anstelle von Verhaftungen und Verhören."

Drohnen wurden zur ultimativen Waffe der CIA. Der Drohnenkrieg begann mit einem Deal: 2004 tötete der US-Geheimdienst den Taliban-Führer Nek Mohammed - im Auftrag Pakistans. Im Gegenzug erhielten die USA von Pakistan Überflugrechte. Mit den Drohneneinsätzen sank die Hemmschwelle der CIA zum gezielten Töten. Anfang 2011 traf es im Jemen den Terror-Prediger Anwar al-Awlaki - einen US-Amerikaner. Kurze Zeit später wurde auch sein Sohn durch eine Drohne getötet - aus Versehen, so hieß es. "Die Regierungsanwälte sammelten juristische Begründungen, um den Mord an Anwar al-Awlaki zu rechtfertigen", erklärt Mark Mazzetti. "Da er sich im Jemen aufhielt, argumentierten sie, dass man ihn ja ohnehin nicht vor ein amerikanisches Gericht bekommen würde. Daher wurde kurzerhand entschieden, ihn zu töten."

Der Fall Raymond Davis
Im Auftrag der CIA übernahmen von Lahore in Pakistan aus hunderte private Dienstleister den geheimen Krieg am Boden. Einer von Ihnen war Raymond Davis. Er sollte eine Terror-Gruppe mit Kontakten zum pakistanischen Geheimdienst ausheben. Doch er flog durch einen Zwischenfall auf: 2011 erschoss er in den Straßen Lahores zwei Pakistani, die ihn ausrauben wollten. Davis landete im Gefängnis - das pakistanische Volk forderte seinen Tod - doch die US-amerikanische Regierung kaufte ihn erst Wochen später frei.

"Das ist eine wichtige Episode, da Pakistan die CIA schon seit Langem verdächtigte, im Land über eine geheime Armee zu verfügen, um Chaos zu säen", so Mazzetti. "Doch dafür gab es nie Beweise. Als Raymond Davis in einer Gefängniszelle in Lahore landete, fühlten sich viele in ihrer Annahme bestätigt. Die Obama-Administration leugnete alles. Obama behauptete auf einer Pressekonferenz, dass Davis ein Diplomat sei und entlassen werden müsste."

Mazetti macht deutlich, wie die USA Krieg führen
Mazzetti enthüllt individuelle Geschichten von CIA-Agenten in einem geheimen Krieg. Eine privatisierte Armee tötet im Auftrag der CIA und eines Präsidenten, der diese lautlosen Kriege willkommen heißt. "Präsident Obama hat all diese Operationen nicht nur begrüßt, sondern ausgeweitet", sagt er. "Und obwohl er für sich reklamiert, die Kriege im Irak und in Afghanistan beendet zu haben, liegt sein Erbe vor allem darin, die geheimen Kriege eskalieren zu lassen." Mark Mazzetti macht deutlich, wie Amerika heute Kriege führt. Auch wenn Obama angekündigt hat, den Krieg gegen den Terror beenden zu wollen: Die Vertreter des US-amerikanischen Volkes haben die Kontrolle über dieses Schattenreich längst verloren.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buch
© Berlin VerlagLupeMark Mazzetti
Übersetzung: Helmut Dierlamm und Thomas Pfeiffer
"Killing Business. Der geheime Krieg der CIA"
Berlin-Verlag 2013
ISBN-13: 978-3827011749
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