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© dpa Lupe
Wo liegen die Grenzen zwischen Persönlichkeitsrecht und der Kunstfreiheit?
Das Recht am Bild
"Techno-Wikinger" versus Videokünstler
Was darf man filmen, was nicht? Wie weit geht das Persönlichkeitsrecht und wo beginnt die Kunstfreiheit? Hat jemand, der öffentlich gefilmt wird, das Recht, die Verbreitung dieser Bilder zu verbieten? Dem musste sich der Videokünstler Matthias Fritsch stellen, der mit seinem "Techno-Wikinger"-Video ins Kreuzfeuer der Justiz geraten ist.
Das Originalbild des "Techno-Wikingers" von der Berliner "Fuckparade" darf nicht mehr gezeigt werden. Dabei ist der Hüne mit dem erhobenen Zeigefinger längst Kult, mehr als 15 Millionen Mal angeklickt, immer wieder nachgemacht und zitiert. Doch das hat dem Original-"Techno-Wikinger" nicht gefallen. Der Mann, der anonym bleiben will, hat den Videokünstler Matthias Fritsch verklagt. Der hatte den Clip im Jahr 2000 gedreht. Die Entscheidung des Berliner Landgerichts: Der Filmemacher darf sein Werk nicht mehr veröffentlichen, sonst muss er 250.000 Euro Strafe zahlen.

Persönlichkeitsrechte vs. Freiheit der Kunst
"Für mich persönlich bedeutet das eigentlich, dass ich als ein Künstler keinen Zugang zu meinem Werk habe, denn ich darf das Originalvideo, wie es entstanden ist, nicht mehr zeigen und die tausende User-Reaktionen, die es inspiriert hat", sagt Matthias Fritsch. Im Fall Fritsch gegen "Techno-Wikinger" geht es um die Abwägung: Persönlichkeitsrechte versus Freiheit der Kunst.

Fritsch sieht in dem Urteil einen Angriff auf die Freiheit im Netz. "Es bedeutet natürlich, dass das User-Verhalten von 95 Prozent aller User, die sich im Netz bewegen, infrage gestellt wird. Weil natürlich ständig jemand Bilder weiterleitet ohne dabei Rechte zu klären." Nun will auch noch der "Techno-Wikinger" in Berufung gehen, da das Urteil formale Mängel aufweise, so sein Anwalt. Gegen eines aber wird er machtlos sein: Im Netz flottieren unzählige Aufnahmen des muskelbepackten Hünen, führen dort ein Eigenleben. Dem wird auch ein deutsches Gerichtsurteil kaum Einhalt gebieten können.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Mediathek
© ZDFVideoDas Gespräch mit Joerg Heidrich, Jurist (20.08.2013)
Hintergrund
Im Jahr 2000 auf der Berliner "Fuckparade", der Gegenveranstaltung zur Love Parade, drehte Matthias Fritsch Impressionen für ein Videoprojekt. Er filmte eine Szene, in der eine Frau angerempelt wurde. Eine Person, die später als "Techno-Wikinger" bekanntwurde, hielt den Rempler fest, schickte ihn dann weg, fixierte ihn mit seinem Blick, erhob den Zeigefinger und tanzte dann in der Parade weiter. Fritsch veröffentlichte das Video auf Youtube, es gelangte per Kopie auf die US-amerikanische Seite break.com und entwickelte sich zur "Internet-Meme".
Schwerpunkt
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