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© dpa Lupe
In den 1980er Jahren diskutierten einige Grüne über die Legalisierung von Pädophilie. Nun lassen die Grünen diese Zeit mithilfe einer Studie aufarbeiten.
Alles nur Zeitgeist?
Die Pädophiliedebatte geht weiter
In Berlin lagert das "Grüne Gedächtnis": 33 Jahre "Die Grünen" im Archiv. Darunter befindet sich ein fast vergessenes Stück Parteigeschichte: In den 1980er Jahren diskutierten einige Grüne über die Legalisierung von Pädophilie. Wie ist das 30 Jahre später? Ist die sexuelle Liebe zu Kindern nur ein Ausdruck des Zeitgeists?
Nun haben die Grünen eine Studie in Auftrag gegeben, die eine unparteiische Bewertung dieser Zeit vornehmen soll. Daniel Cohn-Bendit, Europapolitiker und grüne Legende, sagte 1975 in einer französischen Talkshow: "Wenn ein kleines fünfjähriges Mädchen beginnt, Sie auszuziehen - das ist großartig. Weil es ein Spiel ist, ein wahnsinnig erotisches Spiel." Bereits 1975 erscheint sein halbfiktives Sachbuch "Der große Basar", von dem er sich bis heute immer wieder distanziert. "Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln", schreibt er darin. "Ich habe, je nach den Umständen, unterschiedlich reagiert. […]. Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt."

Heute sagt Cohn-Bendit, er habe nur provozieren wollen. Die Grünen haben inzwischen Wissenschaftler beauftragt, ihre eigene Parteigeschichte aufzuarbeiten. In den Anfangsjahren diskutierten die Grünen viele Positionen. In einer Bundesarbeitsgemeinschaft für die Rechte von Schwulen gab es auch Aktivisten für Pädophilie. 1985 kam dies sogar in das Wahlprogram der Grünen in Nordrhein-Westfalen.

Der aktuelle Wahlkampf der FDP hat das gleiche Problem. In Hessen trat mit Beginn des Wahlkampfs die Wiesbadener FDP-Kandidatin Dagmar Döring zurück. Es war ein Text aus dem Jahr 1980 von ihr gefunden worden. Als 19-Jährige schrieb sie: "Dass kein Mann und keine Frau, sondern nur ein Kind, insbesondere ein Mädchen, meine sexuellen Bedürfnisse […] befriedigen kann." Heute sind ihr diese Gedanken unvorstellbar peinlich. Findet man bei einem Gang ins Archiv nur Ausdrücke des Zeitgeists?

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© zdfVideoDas Gespräch mit Stephan Klecha, Historiker und Sozialwissenschaftler (19.08.2013)
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