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© Reuters Lupe
Superstar Psy: trotz runden Gesichts und ohne Schönheits-OP eine K-Pop-Ikone
Ideal schön à la Korea
Wenn koreanischer Pop diktiert, was schön ist
Gangnam ist das wohl hippste Viertel in Südkoreas Hauptstadt Seoul und ein Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes, ein Tummelplatz für die Reichen und Schönen. Dort geht es vor allem um den schönen Schein. Südkoreanische Popstars, sogenannte K-Pop-Stars, definieren das Schönheitsideal. Die Schönheitschirurgie im Land boomt.
Mit "Gangnam Style", einer Persiflage auf urbane Dekadenz und sinnentleerten Luxus, hat Sänger Psy das Viertel in einem der erfolgreichsten Musikvideos aller Zeiten verewigt. "Mein Job ist es, die Menschen zum Lachen zu bringen", so der Künstler. "Ich will, dass sie glücklich sind. Ich hoffe, alle genießen meine Musik, meine Videos und natürlich auch meinen Tanz." Mehr als 1,6 Milliarden Clicks hat das Video zu "Gangnam Style" auf Youtube. Psy ist zum wahrscheinlich wichtigsten Botschafter von Pop-Kultur made in Korea geworden - und das, obwohl der Rapper mit dem runden Gesicht ganz und gar nicht dem Schönheitsideal der K-Pop-Stars entspricht.

Operierte Stars
© AP Lupe
Schönheit ist in Südkorea zur Obsession geworden.
Lee Chae Lin von der populären Girl Band 21 tut das schon eher. Gerade hat sie ihre erste Solo-Single herausgebracht. Sie ist 22 Jahre alt und hat angeblich zuerst eine Reihe an Schönheitsoperationen hinter sich bringen müssen, ehe man sie zum Star aufgebaut hat. Erfolg hat in den Boy- und Girlbands nur, wer gut aussieht. Das wollen Manager der Branche auch gar nicht abstreiten. Die Agentur von Bernie Cho vermarktet koreanische Pop-Stars weltweit. Dass Aussehen viel zählt, liege auch am Genre K-Pop an sich, sagt Cho. "K-Pop ist ein sehr visuelles Musikgenre", so Cho. "Die Stärke liegt nicht nur in der Musik, sondern vor allem in den Videoclips. Es ist kein Zufall, dass die weltweit größten K-Pop-Hits durch beeindruckende Videos in die Charts katapultiert wurden, ob sie nun sexy, perfekt gemacht oder einfach nur witzig sind."

K-Pop-Stars definieren, was in Südkorea als schön gilt. Das Geschäft mit dem Aussehen boomt. In keinem Land werden mehr Schönheitsoperationen durchgeführt als in Südkorea. Botox-Injektionen, Nasen-OPs oder eine Verschmälerung des Wangenknochens: In den bekannten Kliniken wird so ziemlich alles angeboten. Besonders beliebt sind Augenoperationen, wo Patienten eine doppelte Lid-Falte erhalten. Die Augen erscheinen dann größer und damit westlicher.

Große Augen erscheinen westlicher
© ap Lupe
K-Pop-Stars definieren, was in Südkorea als schön gilt.
"Schönheitschirurgie wird in Südkorea immer populärer", sagt auch Chefchirurg Ryu Sang Woo. "Das verdankt sie maßgeblich der K-Pop-Kultur. Viele entscheiden sich für Schönheitsoperationen, um etwa im harten Wettbewerb um Jobs bessere Chancen zu haben. Das alles hat Zweifel an der plastischen Chirurgie immer mehr zurückgedrängt." Dass sich Patienten Nasen oder Augen wie ein bestimmter K-Pop-Star wünschen, sei ganz normal, so der Chirurg. Lee Yun Joung zum Beispiel findet sich unattraktiv. Sie hasst ihre Mundpartie. Eine schmerzhafte kieferorthopädische Operation soll dies ändern. "In Südkorea zählt Aussehen ungemein viel", so Lee Yun Joung. "Der Druck ist hoch. Auch viele meiner Freunde haben sich schon operieren lassen. Ich will das auch, sonst bleibe ich unattraktiv. Ich habe wenig Selbstvertrauen. Denn ich weiß: Wenn du jemanden triffst, dann ist der erste Eindruck einfach wichtig."

Eung Jong ist Kunstprofessorin und eine bekannte Kritikerin von Südkoreas Schönheitsindustrie. Ihre Werke sind Teile einer größeren Installation, die sie die "Body Factory" nennt. Sie zeigen den Verlust an Identität, den Körper als beliebig veränderbares Produkt. Südkoreas Obsession mit Schönheit werde bewusst geschürt, sagt die Künstlerin. "Die Schönheitskliniken arbeiten eng mit der Unterhaltungsindustrie zusammen", so Eung Jeong. "Sie nehmen schöne Menschen aus den Kliniken und stecken sie in TV-Shows und Bands. Die Leute bewundern die Schönheit, wollen auch so aussehen, gehen in die Klinik und lassen sich operieren." Die schönen K-Pop-Stars kann man jeden Donnerstag in Südkoreas populärer TV-Musikshow bewundern. Diese zeigt die neuesten und populärsten K-Pop-Bands und wird nicht nur in Südkorea, sondern auch in Japan, China und in den USA live übertragen. Kaum ein Star, dessen Gesicht nicht chirurgisch verändert wurde. Zugeben wollen es nur die wenigsten.

© ap Lupe
Fans wollen aussehen wie ihre Stars.
K-Pop ist reine Retortenmusik, lautet ein häufiger Vorwurf. Koreanische Popmusik ist ein Milliardengeschäft und Südkorea hat mittlerweile einen der größten Musikexportmärkte weltweit. "Wer bei K-Pop-Hits nicht nur auf den Beat, sondern auch auf die Texte und den Refrain achtet, wird bemerken, dass vieles auf Englisch ist", so Agent Bernie Cho. "Egal, ob K-Pop in Vietnam oder in Wien gehört wird, es ist nicht koreanische, sondern internatonale Pop-Musik, die zufällig in Korea produziert worden ist." Keiner hat jedenfalls mehr Erfolg als Hip-Hop-Rapper Psy. Sein neuestes Musikvideo haben sich bereits wieder hunderte Millionen im Internet angesehen. Ein Superstar mit rundem Gesicht und ohne Schönheits-OP. Mit Humor und Ironie. Die neue Ikone des K-Pop. Wenngleich auch eine recht untypische.

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