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Keine einzige Note im Stummfilm ist von Wagner - alles wurde adaptiert oder komponiert von einem Tiroler namens Giuseppe Becce.
Stummfilm-Hommage
Eine Wagner-Biografie mit Musik von Becce
2013 feiert er seinen 200. Geburtstag. Bereits 100 Jahre zuvor, 1913, gab es eine filmische Hommage an Richard Wagner, die nun zusammen mit der wieder rekonstruierten Originalmusik von Giuseppe Becce im Festspielhaus in Baden-Baden gezeigt wurde.
"Mir geht es eigentlich immer so, als würde man ein Fenster öffnen", sagt Dirigent Frank Strobel. "Wenn man diesen Film zusammen mit der Musik erlebt, dann vergisst man, dass der Film rund 30 Jahre nach dem Tod von Richard Wagner entstanden ist. Man hat das Gefühl, man guckt direkt in die Zeit, man sieht den Liszt und den Meyerbeer und Ludwig II. und natürlich den Wagner - und man befindet sich eigentlich im 19. Jahrhundert."

Musik vom Tiroler Giuseppe Becce
Zum Wagner-Film von 1913 entstand eine der ersten Filmmusiken. Keine einzige Note ist von Wagner - alles wurde adaptiert oder komponiert von einem Tiroler namens Giuseppe Becce. Und der sah dem musikalischen Heros auch noch so ähnlich, dass man ihm die Hauptrolle gab. Giuseppe Becce spielte Wagner und komponierte auch noch dessen Musik. "Ich glaube", so Dirigent Strobel, "er hat sich eher als Musiker gesehen und dann eine wirklich sehr große Karriere als Filmkomponist gemacht - gerade in Verbindung mit Luis Trenker. Er ist eigentlich einer der Bergfilm-Komponisten der 1930er Jahre und war bis in die 1960er Jahre hinein aktiv."

Giuseppe Becce erfand einige musikalische Techniken, die noch heute in der Filmmusik verwendet werden. Frank Strobel hat Giuseppe Becces Filmmusik neu entdeckt. Es ist kein musikalischer Teppich - auch bei Musik zu Stummfilmen muss alles exakt sitzen. Sie muss verzahnt sein mit dem Bild. Das galt vor 100 Jahren genauso wie heute. Giuseppe Becces Musik will nicht ein Ereignis illustrieren, sondern es erzählen. Der Komponist Bernd Schultheis hat die 100 Jahre alte Partitur Becces rekonstruiert - das ist komplizierter, als man denkt. "Der Film ist ja weitestgehend vollständig", erklärt Bernd Schultheis. "Aber es fehlen doch immer noch Szenen. Man kann nicht genau sagen: Entspricht der Klavierauszug der letzten Schnittfassung von 1913 oder ist er womöglich vorher gemacht worden? Denn man merkt manchmal, es ist zu viel Musik da - teilweise, wo Szenen rausgefallen sind oder gekürzt wurden oder verloren gegangen sind - und teilweise ist zu wenig Musik da. Da muss man dann überlegen, wie passt man das so an, dass die Musik als Ganzes flüssig wird."

Kinotheken als Vorlage
Zu viel Musik? Zu wenig? Giuseppe Becce entwickelte einen Katalog für Stimmungsmusiken, er wurde an Kinoorchester - sogenannte Kinotheken - verkauft. Im Grunde genommen macht man das heute immer noch so. "Wenn es um Stimmungen geht, wurde dies den Kapellmeistern im Kino an die Hand gegeben", so Dirigent Frank Strobel. Aus den Kinotheken habe man auswählen können. "Wenn es eine Verfolgungsjagd gab, dann wurden verschiedene Stücke aufgelistet - wo die verlegt sind, welche Teile man daraus verwenden kann, eben diese sogenannten Kinotheken - und der Becce war der Erste, der das wirklich systematisch zusammengestellt hat. Für Strobel war "Becce genau derjenige, der begriffen hat, dass Filmmusik mehr ist, als nur Bilder zu illustrieren, sondern dass die Filmmusik eine narrative Aufgabe, eine dramaturgische Funktion hat, nämlich die Geschichte mit zu erzählen."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
"Richard Wagner - Eine Film-Biographie zur Feier der 100. Wiederkehr des Geburtstages des Meisters"
DE 1913
Regie und Kamera: Carl Froelich
Musik: Giuseppe Becce
Darsteller: Giuseppe Becce, Olga Engl (Cosima Wagner, u.a.
Produktion: Messter Film GmbH, BerlinUraufführung: 13.05.1913, Berlin, U.T. Friedrichstraße
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