Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
010203040506
07
08
091011121314
15
1617181920
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Moderation
CLIP: Vivian Perkovic
Themen am 18.10.2017Navigationselement
Navigationselement
© dpa Lupe
Am 10. Mai 1933 ruft der "Deutsche Studentenbund" zu einer groß inszenierten öffentlichen Bücherverbrennung auf.
Gegen das Vergessen
80 Jahre Bücherverbrennung
Anfang Mai 1933 gehen auf den öffentlichen Plätzen deutscher Städte ganze Bibliotheken in Flammen auf. Professoren, Studenten und Parteigänger rufen zur Bücherverbrennung auf. Es ist ein Anschlag auf den freien Geist. Georg P. Salzmann aus Gräfelfing sammelte die verfemte Literatur, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Heute ist sie in Augsburg öffentlich zugänglich.
Mehr als ein Vierteljahrhundert lang hat Salzmann in München etwa 12.000 Bücher, darunter viele wertvolle Erstauflagen zusammen getragen. Es entstand ein "Archiv der verbrannten Bücher", eine einzigartige Sammlung jener Werke, die von den Nationalsozialisten 1933 dem Feuer übergeben wurden: Gesamtwerke von rund 80 verfolgten Autoren, nahezu komplett in Erstausgaben, dazu Neuauflagen und Biografien. "Mir ist bewusst geworden, dass die Nazis mit ihrer Kulturpolitik versucht haben, diesen Teil der Literatur aus dem Gedächtnis der Deutschen zu eliminieren", sagt er - und sammelte gegen das Vergessen an.

"Bibliothek der verbrannten Bücher" in Augsburg
Lange suchte der ehemalige Finanzkaufmann einen öffentlichen Träger für sein Lebenswerk, damit es der Nachwelt erhalten bleibt. Kulturzeit berichtete bereits 2006 darüber. Schließlich verkaufte er sein "Lebenswerk" an den Freistaat Bayern. Seit 2009 steht die "Bibliothek der verbrannten Bücher" in der Universitätsbibliothek Augsburg. Ein großer Teil der Bestände ist in einem eigenen Raum der Universitätsbibliothek öffentlich zugänglich, einige handsignierte und seltene Exemplare lagern im Magazin. "Die Sammlung in ihrer Komplettheit, in diesem Umfang, ist schon etwas Einzigartiges", sagt Georg Stumpf von der Universitätsbibliothek. Mit Veranstaltungen will die Universität das Interesse daran aufrechterhalten. Die Aufbereitung der Sammlung ist schon weit vorangeschritten. Das erklärte Ziel von Georg P. Salzmann, der mittlerweile in einem Altenheim lebt, ist damit erreicht: "Dass es den Nazis 50, 60 Jahre nach ihrem ruhmlosen Ende nicht doch noch gelingt, dass eine ganze Generation der besten deutschen Literaten vergessen wird."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Info
Am 10. Mai 1933 ruft der "Deutsche Studentenbund" zu einer groß inszenierten öffentlichen Bücherverbrennung auf. Bücher von Autoren wie Heinrich Mann und Erich Kästner werden verbrannt, später wird die Liste verfemter Schriftsteller immer länger. "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen", schreibt Heinrich Heine schon 1821. Er behält leider recht.
Hintergrund
Archiv der verbrannten Bücher - Eine private Sammlung sucht einen öffentlichen Träger (2006)