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2005 erschütterte die Vermutung, Domino sei bei der Katastrophe um Hurrikan Katrina in seinem Haus in New Orleans ums Leben gekommen, die Musikwelt.
Schwergewicht des Rock'n'Roll
Zum Tod von Fats Domino
Er hatte schon immer seine ganz eigene Mischung aus Rythm'n'Blues und Rock'n'Roll. Der Jazzpianist und Sänger Fats Domino aus New Orleans, der sich sein Leben lang mit seiner Heimatstadt verbunden fühlte, ein Faible für auffälligen Schmuck und schnelle Autos hatte, trotzte Größen wie den Beatles und selbst Hurrikan Katrina. Er wurde 89 Jahre alt.
Domino wuchs unter dem Namen Antoine Domino mit seinen acht Geschwistern in einer kreolischen Familie im Süden der USA auf. Als Jugendlicher verdiente er sich neben seiner Arbeit in einer Fabrik, in den nächtlichen Jazzclubs von New Orleans einige Dollar am Klavier dazu. Schon damals brachte er stolze 150 Kilogramm auf die Waage, weshalb er seinem ersten Song aus dem Jahr 1949 den Titel "The Fat Man" verlieh. Der Song wies bereits den typischen Fats-Stil auf, der ihn so berühmt machen sollte: eine Mischung aus Blues, Country und Boogie mit gemütlichem, schlichten und doch eingängigen Sound voll positiver Energie, der die Zuhörer zum Tanzen auffordert. Vielen gilt er - noch vor Elvis oder Chuck Berry - als Erfinder des Rock'n'Roll.

Mit Songs wie "Blueberry Hill" und "I'm Walking" schaffte er sogar den Sprung in die Pop-Charts. Zusammen mit seinem Produzenten Dave Bartholomew, der schon bei Duke Ellington Trompete spielte, schrieb er Hits am laufenden Band, die sich insgesamt 65 Millionen mal verkauften, und avancierte so zu einem der erfolgreichsten schwarzen Künstler weltweit. Ernstzunehmende Konkurrenz bekam er erst in den 1960er Jahren: Die Beatles und die Rolling Stones leiteten die nächste Ära des Rock ein. Doch Domino blieb seinem fröhlichen Stil treu, coverte sogar "Lady Madonna" von den Beatles und erreichte damit eine neue Welle der Berühmtheit.

Vorliebe für schrille Kleidung und pinke Cadillacs
Mit der Zeit wurde es stiller um ihn, denn im Gegensatz zu seinen Kollegen im Musikgeschäft hielt sich Domino aus dem stetigen Buhlen um den größten Skandal heraus. Er zog es vor, mit seiner Frau acht Kinder großzuziehen und Konzerte in Las Vegas oder auf Jazzfestivals zu geben. Die Vorliebe für schrille Kleidung, Schmuck und pinke Cadillacs verlangte nach einem regelmäßigen Einkommen. Seine Fans sind immer noch begeistert von ihm: "Das unglaubliche an Fats ist, dass er sich heute immer noch so anhört wie auf seinen alten Platten", sagte Ben Sandmel, Schlagzeuger der Band Hackberry Ramblers, 2002.

2005 erschütterte die Vermutung, Domino sei bei der Katastrophe um Hurrikan Katrina in seinem Haus in New Orleans ums Leben gekommen, die Musikwelt. Tatsächlich rettete ihn aber ein Hubschrauber nach tagelanger Suche vom Dach seines vollkommen zerstörten Hauses. Als Reaktion auf diesen Schrecken erschien zwei Jahre später das Album "Goin Home: A Tribute To Fats Domino", auf dem unter anderem Elton John, Norah Jones und Paul McCartney seine Songs neu interpretieren. Aber auch anderweitig zeigt sich heute noch Dominos musikalischer Einfluss: Selbst Wladimir Putin, russischer Präsident und Musikliebhaber, schreckt nicht davor zurück, vor versammelter Prominenz "Blueberry Hill" zu trällern. Am 25. Oktober 2017 teilte die Gerichtsmedizin von Jefferson Parish im US-Staat Louisiana mit, der Rock'n'Roll-Pionier mit 89 gestorben sei.

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Kulturzeit: montags bis freitags, live um 19.20 Uhr