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© Reuters Lupe
Stéphane Hessel wurde mit dem Essay "Empört euch!" weltweit bekannt.
Der Empörte
Stéphane Hessel ist gestorben
Der Autor der Streitschrift "Empört euch!", Stéphane Hessel, ist tot. Der 95-Jährige starb in der Nacht zum 27. Februar 2013, wie seine Ehefrau Christiane Hessel-Chabry mitteilte.
Mit der im Oktober 2010 veröffentlichten Streitschrift "Empört Euch!" hatte Hessel im hohen Alter noch einen Sensationserfolg gefeiert. Das schmale Protestbuch des ehemaligen Résistancekämpfers erreichte eine Millionenauflage und wurde weltweit zu einer Art Bibel von Globalisierungsgegnern und Anhängern der Occupy-Bewegung.

Hessel ist 1917 in Berlin geboren, lebte aber die meiste Zeit seines Lebens in Paris. Dorthin war er 1924 mit seinem Bruder und den Eltern gezogen. 1937 wurde er französischer Staatsbürger und schloss sich als Student in London dem Widerstandskomitee von General Charles de Gaulle an. 1944 wurde er als Verbindungsmann zwischen den Résistance-Gruppen und der Londoner Zentrale im besetzten Frankreich abgesetzt. Kurz danach wurde Hessel von den Deutschen festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Nach mehreren Versuchen gelang ihm schließlich die Flucht. Er schlug sich bis nach Paris durch. Nach dem Krieg wurde Hessel Diplomat. Er arbeitete am Text für die allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit, die die Vereinten Nationen 1948 verabschiedeten. Später wurde Hessel UN-Botschafter in Genf. Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand (1981 bis 1995 im Amt) übernahm er dann Aufgaben im Außenministerium in Paris.

"Einen wie Hessel brauchen wir!"
Weimars Kunstfest-Chefin Nike Wagner hat Stéphane Hessel als eine "einmalige Erscheinung in Politik, Geschichte und Kultur" gewürdigt. "Sein Tod macht mich traurig; einen wie ihn brauchen wir auf Erden! Für jede unserer Begegnungen bin ich dankbar", teilte sie am 27. Februar 2013 mit. "Sein Leben, sein Handeln, seine tiefe Liebe zur Poesie machen Stéphane Hessel zu einer einmaligen Erscheinung in Politik, Geschichte und Kultur", so Wagner. Weitere Reaktionen auf den Tod Hessels kommen von dem Historiker Volkhard Knigge. Dieser hat den Schriftsteller und ehemaligen Buchenwald-Häftling Stéphane Hessel als einen "Herzensfreund und menschlichen und politischen Ratgeber" gewürdigt. "Er konnte einem das Herz wärmen, nicht nur den Verstand schärfen", sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora am 27. Februar 2013 in Weimar. Stéphane Hessel habe Menschlichkeit gelebt und nicht vor sich hergetragen. Das habe ihn so glaubhaft gemacht, sagte Knigge, der seit 1994 mit dem Schriftsteller und einstigen Résistance-Kämpfer befreundet war.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Porträt
Gegen Unrecht und Unterdrückung
Stéphane Hessel rüttelt Frankreich auf (2011)
Mediathek
© dpaVideoInterview mit Stéphane Hessel (2011)
(geführt von Christel Dalhoff)
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